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Freisinger Fensterplätzchen

Blumentopf

Die Aufgaben sind klar verteilt: die MCs Kung Schu, Holunder, Master P und Specht sind für die Texte zuständig, DJ Sepalot für die Beats. Mag solch intensives Leben und Arbeiten auch ein großes gruppenpsychologisches Risiko mit sich bringen, es birgt andererseits ob der Unmittelbarkeit viele Mög
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Autor: intro.de

Die Aufgaben sind klar verteilt: die MCs Kung Schu, Holunder, Master P und Specht sind für die Texte zuständig, DJ Sepalot für die Beats.
Mag solch intensives Leben und Arbeiten auch ein großes gruppenpsychologisches Risiko mit sich bringen, es birgt andererseits ob der Unmittelbarkeit viele Möglichkeiten: Jeder noch so abwegige Blödsinn, der sich in den Haushalt verirrt, kann festgehalten, Texte und Gäste zu jeder Zeit aufgenommen und endlos lange an Lyrics und Sounds herumgebastelt werden. So passiert es, daß Dr Renz den Prolog zu „Fuck The System' im 'Bravo - Mein erstes Mal'-Style gibt, René für eine Woche vorbeischaut und für „Hüftschwung' neue Reime und Geschichten mitbringt oder eine Originalaufnahme eines deutschen Astronauten im All als Intro für die Platte fungiert. Wie sieht die Zukunft des Haushalts aus, dessen Mietvertrag 2000 ausläuft? Sepalot: „Nächstes Mal mieten wir uns nur noch ein großes Zimmer. Spätestens dann hat sich das Thema Blumentopf wohl erledigt.' Dem intensiven Arbeiten entsprechend durchdacht und vielfältig ist „Großes Kino' geworden und schickt sich an, die Millenniumshausmänner ins Rampenlicht zu kicken. Kopfnicker Represent-Styles finden sich genauso darauf wie reflektiertes Storytelling, mit Message zwar, aber ohne plakative Wahrheiten. „Man soll unterhalten werden und trotzdem darüber nachdenken müssen. Die Represent-Sachen machen halt unglaublich Spaß, man kann sich grenzenlos vom Reim treiben lassen. Trotzdem darf sich die Musik nicht nur mit sich selbst beschäftigen. Der Hörer muß selber merken, daß der Text gut und der Beat fett ist', meint Kung Schu. Und Holunder fügt an: „Die Welt ist so unglaublich komplex, daß ich sie ja selber nicht verstehe, geschweige denn in dreieinhalb Minuten Raptext schlüssig wiedergeben kann. Da bleiben dann nur kleine Facetten zum Erzählen oder Ironisieren.'
Konzeptarbeit im Kleinstadtvakuum? „Wir haben diesmal mehr darauf geachtet, ein vielfältiges Songspektrum auf der Platte zu haben', erklärt Sepalot. Die deutschen Rapzitate sind weniger geworden: „Es ging früher ja auch darum, Freunden Props zu geben, sich gegenseitig ein bißchen populärer zu machen, das ist heute nicht mehr so nötig.' Statt dessen finden sich jetzt viele gescratchte Backgrounds. War das eine geplante Weiterentwicklung, um ein neues Stilmittel zu kreieren? Ratloses Schweigen: „Ja, weißt du, das ist uns noch gar nicht so aufgefallen, aber jetzt, wo du’s sagst ... Das war Konzept!'