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Review: So ist das neue Album!

Bloc Party

Internet ist der neue Plattenladen: Heute haben Bloc Party ihr neues Album "Intimacy" vorab im Netz veröffentlicht. Martin Büsser hat es sich runtergeladen.
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Internet ist der neue Plattenladen: Heute haben Bloc Party ihr neues Album "Intimacy" vorab im Netz veröffentlicht. Martin Büsser hat es sich runtergeladen.

Ich habe es getan, zum ersten Mal: Mir ein Album als mp3 herunter geladen. Gegen Bezahlung, versteht sich. Hat das noch etwas mit "Intimacy" zu tun? So lautet zumindest der Titel des neuen Bloc Party-Albums. In der Tat, schon nach drei Klicks wird es intim: Um an das Objekt der Begierde zu kommen, muss man erst einmal Daten preisgeben, viele Daten. Adresse, Telefon, optional auch die Handynummer. Und natürlich alle Angaben zur Kreditkarte. Haben eigentlich alle Bloc Party-Fans eine Kreditkarte?

Als Inhaber einer Mastercard wurde ich erstmals nach Nummern und Codes gefragt - auf Englisch -, die ich noch nie in meinem Leben angeben musste und von denen ich auch noch nie etwas gehört hatte. Kurzer Schweißausbruch. Ob das gut geht? Ob ich je an die Musik herankomme? Ob meine Daten demnächst auch von irgendwelchen Lottogesellschaften gehandelt werden?

Doch dann ist alles kinderleicht: Ein Mausklick und es gibt echte Musik für echtes Geld. Bloc Party stolpern gleich mit zwei HipHop-Krachern los, die signalisieren: Wir können auch anders. Wir lassen uns nicht katalogisieren. Auf "Mercury" gibt es sogar hektische Bläsersätze mit spröden Freejazz-Anklängen. Ganz schön mutig, ein Album so zu beginnen. Oder sitze ich jetzt schon wieder diesem veralteten Album-Denken auf? Hören die Leute überhaupt noch chronologisch? Wer will, kann weiterklicken. Ab der dritten Nummer werden auch konservative Fans bedient. Gut zwei Drittel der Songs decken alle Erwartungshaltungen an die Band ab: Funkige Bässe, zittrige, aber rasiermesserscharf gespielte Gitarren.

Im Netz hat einer, der das Album mal wieder früher als andere kannte, geschrieben, Bloc Party seien experimenteller geworden. Mag sein, dafür lassen sie auf Balladen wie "Biko" im Gegenzug so viel engagierte Gefühlssauce schwappen wie sonst nur U2. Spätestens hier wird klar: Bloc Party sind Diplomaten. Sie verstehen etwas von Konsens. Für jeden etwas. Insofern ist die Download-Strategie nur konsequent, denn "Intimacy" kann und muss nicht wie ein Album gehört werden. Dennoch: Die offizielle CD folgt am 24. Oktober.

Und die Sache mit der Handynummer? Bis jetzt hat mich noch keiner von Bloc Party angerufen.


Dazu im Forum: 

"Bisher ergibt sich bei mir der Eindruck, dass Bloc Party ihre Songs derzeit etwas zu glatt und unspannend stricken, es fehlen die großen Pop-Momente und die Details, die das Ganze von der Masse abheben." User retox