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Schauen zurück auf 2006

Bloc Party

Keine andere Band wurde im letzten Jahr dermaßen belauert, was ihre Arbeit am neuen Album betraf – verständlich, denn das Debüt hatte auch im Abgang noch gigantische Schatten geworfen. Das Leben jenseits der Studiotüren ging trotzdem weiter: Bloc Party blicken auf merkwürdige Parallelwelten, enthemm
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Keine andere Band wurde im letzten Jahr dermaßen belauert, was ihre Arbeit am neuen Album betraf – verständlich, denn das Debüt hatte auch im Abgang noch gigantische Schatten geworfen. Das Leben jenseits der Studiotüren ging trotzdem weiter: Bloc Party blicken auf merkwürdige Parallelwelten, enthemmte Mobs, Jonathan Safran Foer und irische Einsamkeit im Jahre 2006 zurück.

Als Silvester die große 2007 funkelte – woran habt ihr gedacht? Was war das große Ding 2006?

Kele: Als Erstes denke ich an, äh – Bloc Party. An uns im Studio, irgendwo draußen in Irland, in so einem scheunenartigen Ding, einen Pub gab es in der Nähe, sonst nichts. Nach Dublin brauchten wir zwei Stunden, London war gar nicht erst drin. Das hat der Platte sehr viel gebracht, denke ich. 2005 war das Tourjahr, 2006 das Studiojahr. Schwierig, aber gut.

Künstler gestehen den Gegebenheiten rund ums Studio oft einen Einfluss auf die Platte zu. Lag der positive Effekt bei euch dann eher allgemein im temporären Einsiedlertum? Oder haben grüne Hügel eine tragende Rolle gespielt?

K: Vermutlich nicht in so einem romantischen Sinne. Ich bin jedenfalls nicht morgens auf der Suche nach Inspiration durch die Wälder gestreift. Aber es ergab sich ein interessantes Spannungsverhältnis, weil “A Weekend In The City” eben eine Großstadtplatte ist, durchtränkt vom Lärm des Lebens dort.

Manchmal hört man ein Lied oder Album so oft, dass man es später für immer mit einer bestimmten Zeit verbinden wird – habt ihr eine Ahnung, was das für euch fürs letzte Jahr gewesen sein könnte?

[langes Grübeln] K: Scheiße, es gibt da so viele. Aber jetzt fällt mir kein einziges ein. Ich müsste meinen iPod holen und nachgucken. Mach doch.

K: Nein, das kann doch nicht sein. Das muss mir doch von selbst einfallen, sonst war es wohl auch egal. Matt: Das ist wahrscheinlich genau das Ding. 2006 war ein dürres Musikjahr, finde ich. Mir fällt auch nichts Großartiges ein. Doch, Moment: die Noisettes. Aus London. Die haben ein paar tolle Shows gespielt, aber noch kein Album draußen. [aber eine Single: “Scratch Your Name”]

Dass man noch keine einzige Platte aufgenommen haben muss, um allen als der neue heiße Scheiß zu gelten, ist ja auch eine recht neue Entwicklung ...

M: Das ist auch gut so. Einerseits zumindest. Diese Entwicklung hat zwar nicht erst 2006 ihren Anfang genommen, ist mit MySpace und YouTube aber letztes Jahr auf einem Höhepunkt angekommen. Web 2.0, oder wie man da sagt. Alle sind dort präsent, alles ist plötzlich so transparent und unglaublich verschnellt, überschlägt sich aber eben auch mal ... Es ist jedenfalls eine seltsame Parallelwelt. Wahrscheinlich gleichzeitig urdemokratisch und in einem Maße steuerbar, das man noch nicht absehen kann. K: Halt, ich hab was – mir fällt gerade ein Song ein, den ich unglaublich oft gehört habe. Das ist so ein Gwen-Stefani-Remix. Aber ich weiß gerade noch nicht mal, von welchem Lied. [Es könnte sich um Jacques Lu Conts Remix von “What You Waiting For” handeln.]

Seid ihr im vergangenen Jahr dazu gekommen, auf Konzerte zu gehen?

K: Nicht so oft. Aber falls du nach der besten Show 2006 fragst: Am meisten beeindruckt war ich bei den Arctic Monkeys. Versteh mich nicht falsch, ich bin kein großer Freund der Musik, die sie machen – aber an diesem Abend stand ich hinten auf der Bühne und konnte sehen, was mit dem Publikum passiert. Und das war unglaublich. So ein wilder, begeisterter Mob.

Und wenn du vorne auf der Bühne stehst, sieht der Mob nicht ähnlich aus?

K: Keine Ahnung. Vielleicht war das auch nur so ein magischer Moment, weil ich eben nicht selbst gespielt habe. Dann ist man so jenseits von allem, da guckt man sich nicht mal eben in Zeitlupe einzelne Gesichter an.

Was ist mit dem Film- und Buchjahr 2006? Auch dürr?

K: Ich mag die Filme vom Michael Haneke sehr. Und “Hidden” ist bestimmt einer seiner besten. Von der ersten Szene an ist alles so dicht, dass die Bilder einen förmlich in die Geschichte hineinsaugen. M: Mir fällt ein Buch ein, das ich letztes Jahr gelesen habe: “Extremely Loud And Incredibly Close” von Jonathan Safran Foer. Eine Aufarbeitung des 11. September aus der Sicht eines kleinen Jungen, ziemlich hart und poetisch. Das hat mich sehr berührt.