×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Inferno aus Ehebruch, Schweiß, Tränen und Kotze

Blaue Blume im Steckbrief

»Wer wir sind« - der regelmäßige Bandsteckbrief. Dieses Mal mit Soft-rockigem Disco Pop aus Dänemark.
Geschrieben am

Herkunft:
Kopenhagen

Genre: Soft Rock, Disco Pop
Mitglieder: 4
Besondere Vorkommnisse: Dem Kopenhagen-Touristen empfiehlt die Band einen Besuch der gentrifizierten Vergnügungsmeile Kødbyen, denn »es ist ein furchtbarer Ort, aber man wird sich auf jeden Fall daran erinnern.«
Aktuelle EP: »Beau & Lorette« (Club AC30 / Broken Silence / bereits erschienen)  

Wie hat es mit Blaue Blume angefangen? Bitte gib uns einen kurzen Überblick über die Anfänge eurer Band.

Jonas Smith (Gesang): Ich denke, das ist die gleiche langweilige Geschichte, wie bei vielen Bands. Wir kommen alle aus derselben kleinen Stadt im Süden Dänemarks, unweit der deutschen Grenze. Søren und ich haben uns in der Schule kennengelernt und teilten diesen Drang, Musik machen zu wollen. Zu der Zeit fehlte es uns aber noch an Tiefe und Vielschichtigkeit, daher nahmen wir Sørens Bruder Robert dazu. Das Schwierigste beim Gründen einer Band ist es klassischerweise, einen Bassisten zu finden. Niemand schien sich für das Instrument zu interessieren. Peter hingegen schon und er war gut. Wir haben uns dann lange in unserem Proberaum eingesperrt und einfach angefangen zu spielen. Die ersten Songs, die ich schrieb waren allerdings eher Müll, doch das gab uns die Möglichkeit gemeinsam jedes Detail unserer Instrumente zu erforschen. Das nahmen wir damals schon sehr ernst und tun es auch heute noch.

Lieder wie  »In Disco Lights« rufen mit schillernden Synthies und dem klaren Gesang die 80er in Erinnerung. Ist das Jahrzehnt für eure musikalischen Idee vorbildhaft?

JS: Die 80er sind für uns ohne Zweifel eine sehr interessante Ära. Bands aus der Zeit klingen sehr organisch, haben jedoch beispielsweise auch mit konkreten Vorstellungen davon, wie eine Gitarre zu klingen hat, gebrochen. Speziell die Popmusik fing an, sich anders, größer und visionärer anzuhören. Die Idee, alles organisch – sozusagen mit unseren Händen tun zu können - reizt uns sehr. Daher versuchen wir, nichts Digitales anzufassen, wenn wir unsere Stücke arrangieren. Jeder Ton, den du von uns hörst, ist durch die Kraft unserer Hände oder die Anstrengung einer Stimme entstanden, so pur und rein wie es die Grenzen der Physik erlauben. Ich denke danach haben sie auch in den 80ern gestrebt, vielleicht ohne es zu merken. In meinen Ohren hören sich viele Alben aus jener Zeit charmant und gewagt an.
Gibt es spezielle Bands, die eure Musik beeinflussen? 
JS: Wir können uns für eine ganze Menge Musik begeistern., aber es gibt definitiv Bands, die wir mehr bewundern, als andere: Roxy Music, The Smiths, The Cure, einiges von Genesis und viel von Kate Bush zum Beispiel. Allerdings ist es eher so, dass uns vor allem ganz andere, alltägliche Erlebnisse und Klänge inspirieren. Jemand der im Schlaf redet, Autos, die in einer nicht enden wollenden Schlange an meinem Fenster vorbeirauschen oder der herbstliche Sprühregen auf meiner Cowboy-Jacke, das sind Dinge, die in mir das Verlangen auslösen, etwas von ähnlich simpler Schönheit zu erschaffen.  

Wie sieht die perfekte »Disco Night« für dich aus?
 
JS: Es ist ein Inferno aus Fleisch, Ehebruch, Schweiß, Tränen und Kotze. Kruzifixe und Disco-Kugeln. Jede Disco-Nacht ist ein »danse macabre«, ein Totentanz.

Kopenhagen scheint eine sehr lebendige und kreative Livemusik-Szene zu haben. Warum ist die Stadt derzeit so ein gutes Umfeld für junge Bands, die gerade starten?

Viele Menschen haben diesen Eindruck, daher muss da wohl etwas Wahres dran sein. Wir haben hier auf jeden Fall viel Freiheit und Sicherheit, um zu tun, was auch immer wir wollen. Vielleicht sind wir einfach verwöhnte Kids die von ihrer langweiligen Umgebung genug angeödet sind, um sich andere, interessantere Welten auszudenken. Ich habe keine Ahnung.  

Wann dürfen wir denn endlich mit eurem Debüt-Album rechnen?

Hoffentlich irgendwann nächstes Jahr. Wir arbeiten im Augenblick intensiv an neuen Songs und Klängen, die uns erst mal umhauen müssen, bevor sie jemand anderes zu hören bekommt. Allerdings können wir es kaum erwarten, endlich ein vollständiges Album zu präsentieren. We have so much fun painting a bigger picture.  
Live erleben kann man Blaue Blume am 9.10. im Fluxbau in Berlin bei der neuen Konzertreihe Ja Ja Ja Berlin. Wir verlosen 2x2 Tickets für die Show. Schickt einfach eine Mail an tickets@intro.de  (Betreff: »Blaue Blume«), Einsendeschluss ist Do. 9.10. um 12 Uhr.