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So war's in Köln: So leicht wie Fahrradfahren

Blaudzun live

Der Niederländer Johannes Sigmond ist Fan des Radsports. Das ist leicht zu erkennen, schließlich tritt er als Musiker unter dem Nachnamen des dänischen Radfahrers Verner Blaudzun auf. Das Konzert von ihm und seiner achtköpfigen Band in Köln wirkt entgegen den Erwartungen unbeschwert – so leicht wie Fahrradfahren.
Geschrieben am

21.03.2014, Köln, Stadtgarten

 

Der Saal des Stadtgartens ist an diesem Abend gut besucht, auf dem Weg zur Theke hört man aus überraschend alten Mündern vorwiegend holländische Worte kommen. Nicht sehr verwunderlich – zwei Drittel der Shows, die Blaudzun auf dieser Tour in seiner Heimat spielt, sind bereits ausverkauft. Während er sich dort schon mit seinem selbstbetitelten Debüt ins Gespräch gebracht hat, ist er spätestens seit dem 2012er-Aldum »Heavy Flowers« weit über die holländische Grenze hinaus bekannt. Auf der Tour zum neuen Album »Promises Of No Man's Land« wirkt er so professionell wie seine musikalischen Vettern Antony And The Johnsons oder Arcade Fire. Besonders mit Letzteren hat Blaudzun viel gemein; das Zusammenspiel von hallendem Mikro, Geige und der teils hohen, teils tiefen, aber immer majestätischen Stimme des Sängers erinnern stark an die kanadische Band.

Schon bei dem Support North Alone, der seine Musik äußerst knapp als Singer-Songwriter-Folk-Punk beschreibt, fällt das sommernächtlich wirkende Bühnenbild von Blaudzun auf: Ein Sternenhimmel, vor dem große Biergarten-Lichterketten hängen. Sigmond lässt sein Publikum erst bei einem sehr ruhigen, etwas düsterem Intro auf sich warten und folgt nach einigen Minuten seiner achtköpfigen Band auf die Bühne. Bald wird aber klar, dass diese Biergartennacht keineswegs nur melancholisch ruhig und angenehm düster bleiben wird. Im Gegensatz zum auf seinen Platten veröffentlichten Oeuvre wird die Stimmung hier nicht zuletzt durch das angezogene Tempo und (folk-)rockige, tanzbare Liedinterpretationen beschwingend angehoben.

 

Eine beeindruckende Leistung liefert auch der Roadie ab, der alle Instrumente, deren Anzahl mindestens dreimal so hoch ist wie die der Musiker auf der Bühne, unter Kontrolle hält. Zielsicher bringt er Mandoline, Ziehharmonika, Geige und unzählige Gitarren immer zum richtigen Hippie, Anzugträger oder dem Hornbrillenbesitzer Sigmond höchstpersönlich, deren Zusammenspiel so einfach und kinderleicht aussieht. Eben so wie Fahrradfahren.