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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Medicine & Metaphors

Black Rust

Es ist schwer, Widerständigkeit, Protest oder Punk zu entwickeln, wenn man aus einer der behütetsten aller Provinzen kommt.
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Es ist schwer, Widerständigkeit, Protest oder Punk zu entwickeln, wenn man aus einer der behütetsten aller Provinzen kommt.

Davon kann ich ein Lied singen, davon singen aber auch Black Rust, denn wir kommen beide aus ähnlichen westfälischen Nachbarschaften, Orten, in denen Dorfgemeinschaften noch funktionieren und Vollbeschäftigung nichts Außergewöhnliches ist. Man muss schon sehr störrisch und dickköpfig sein, um dort etwas nicht zumindest okay zu finden. Ich war das, Black Rust eher nicht, und deshalb kommen wir wohl auch nicht zusammen. Genau genommen erinnert mich ihr technisch einwandfreies Americana-Debüt "Medicine & Metaphors" an Ten Sing, an Musikschule, an Orte, in denen junge Leute friedlich und im Sinne der Beautiful South miteinander musizierten, ohne damit Aufruhr oder Lebenseinstellung zu verbinden. Es erinnert an gefühlvoll in die Tasten greifende erste Pianisten am Platz, an die, die die braven Mädchen umschwärmten, und an seliges Mitwippen zu den Hooters. Es ist klar, dass ich Black Rust damit unrecht tue. Ihr Stil ist deutlich komplexer, klingt in einigen Momenten sogar Wilco-ähnlich, allerdings ohne das Räudige, Hinterhältige und Wettergegerbte der Amerikaner, eher westfälisch patent und kunstfertig. Ich wäre zufrieden, wenn ich öfter an das Tilman Rossmy Quartett oder Fink und seltener an Joshua Kadison denken müsste. So ist "Medicine ..." gut gemachter, folk- und bluesinfizierter und breit instrumentierter Pop der Sorte, die letztendlich den Status quo stützt.