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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Von Streichern, Walzen und Tränen

Björk Live in Berlin

Einen schöneren Ort hätte sich Björk in Berlin nicht aussuchen können, um Ihr einziges Deutschlandkonzert zu präsentieren. Die altehrwürdige Zitadelle scheint wie geschaffen für einen Abend mit der wohl berühmtesten Isländerin, die mit-nichten dafür steht, dass sie den Zuschauern einen gemütlichen Abend darbietet.
Geschrieben am
Björks Musik war schon immer herausfordernder als ein Großteil von dem, was sich gemeinhin Pop-Musik schimpft, schon immer eine Ausnahmeerscheinung, ja fast ein Wesen aus der isländischen Fabelwelt. Kurz: Björk ist eine Künstlerin, die Barrieren überschreitet und ihr Publikum fordert. 

Um 20:45 Uhr beginnt in der Zitadelle Spandau ein Abend, der in den nächsten 100 Minuten an Dramaturgie nicht zu überbieten ist. Ihr aktuelles Album »Vulnicura« findet seinen Platz bereits in den ersten fünf Stücken des Sets und bildet den fast schon theatralischen ersten Teil des Abends. Björk verarbeitet auf diesem die Trennung von ihrem langjährigem Lebenspartner Matthew Barney. Seelenheil auf Björk’sche Art und Weise. 

Wässrige Augen und vereinzeltes schluchzen vernimmt man aus dem Publikum, während »Black Lake« aus den Boxen brettert und nahezu alles niederwalzt – nur um im richtigen Moment mit lieblichen Streichern zu besänftigen. Ab und an schleichen sich ungewohnte, aber nur kleine Umaufmerksamkeiten bei Björk ein, wenn sie eine Millisekunde neben dem Takt liegt oder kurze Textpassagen nur mit gesungenen Lauten von sich gibt. Wer vor ein paar Jahren in den Genuss kam, Radiohead in der Wuhlheide beizuwohnen und deren Cover von Thom Yorkes’ Lieblingslied »Unravel« zu sehen, bekommt hier das Original und somit die erste unerwartete Songperle des Sets dargeboten. Der Block mit »Hunter«, »Bachelorette« und »Possible Maybe« markiert den Punkt, an dem das Set von den streicherdominierten Songs in poppigere Gefilde steuert. 

Auch Björks visuelle Darbietungen waren von je her ein Highlight ihrer Shows was sich auch an diesem lauen Sommerabend in Berlin einmal mehr bestätigen soll. Gebannt starrt das Berliner Publikum auf die Bühne der Zitadelle, wo just in dieser Sekunde ein Feuerwerk in perfekter Harmonie zur Musik abgefackelt wird. Normalerweise ein Werkzeug betagterer Künstler, die durch visuelle Manipulationen ihren künstlerischen Stillstand kaschieren wollen, integriert Björk dieses Mittel fast schon diskret in ihr nahezu perfektes Set. Ältere Songs wie »5 Years« und das epochale »Army Of Me« bilden den emotionalen Höhepunkt und zeigen, dass sie nach fast 20 Jahren immer noch nichts von ihrer magischen Aura verloren haben. Nach »Hyperballad« ist Schluss – Popmusik für die Ewigkeit. 

Björk

Vulnicura

Release: 21.01.2015

℗ 2015 Embassy of Music under exclusive license from One Little Indian Ltd.