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Bildergalerie: Traumtänzer im Festsaal

The Fiery Furnaces live

Statt Prog jetzt luftig-leichter Pop? Benjamin Cries sah überraschend Krachiges auf dem Berliner Konzert.
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Statt Prog jetzt luftig-leichter Pop? Benjamin Cries sah überraschend Krachiges auf dem Berliner Konzert.


30.09.2009, Berlin, Festsaal Kreuzberg.

Eleanor Friedberger schlurft durch den Festsaal Kreuzberg, wirkt geistesabwesend. Konzentriert sie sich schon auf den bevorstehenden Auftritt ihrer Fiery Furnaces? Oder verdaut sie gerade noch die Rezensionen zu "I'm Going Away", dem achten Album ihrer Band? "Statt Prog jetzt luftig-leichter Pop" und "traumtänzerisches Feingefühl à la Belle & Sebastian", so sah es zum Beispiel unser Rezensent Martin Büsser.

Als ob sie diesen Befund widerlegen wollen, stellen The Fiery Furnaces einige Minuten später bereits mit dem ersten Riff klar: der Belle & Sebastian-Gedächtnispokal ist hier und heute keinesfalls das Ziel der Begierde. Krachig- statt Luftigkeit, sperrig-dynamisches Muckertum statt Traumtanz. Mittendrin Eleanor, nunmehr voll präsent, die Augen weit aufgerissen, die zurückgenommene Performance des letzten Jahres Schnee von gestern.
Ihre theatralisch-hektische Art des Deklarierens von Textbergen ist nun nicht jedermanns Sache, auch wünschte sich der eine oder andere mehr harmonischen Einfallsreichtum und Melodien. An Eindringlichkeit mangelt es Eleanor allerdings nicht, immer wieder unterstrichen, zuweilen auch schlichtweg rüpelhaft unterbrochen von kraftvollen Instrumentalausbrüchen der exzellenten Mannschaft im Rücken der Friedbergerschen.

Dort reißt Bruder und Furnaces-Mastermind Matthew verstärkt die Gitarrensaiten an, statt auf dem Keyboard zu begleiten. Dies der zweite große Unterschied zur letztjährigen Performance: jetzt wird gerockt. Das Konzert nimmt mächtig Fahrt auf. Groß die Zahl der Prog-Indierock-Monster, die in den Festsaal gepumpt werden.

Natürlich kommt "I'm Going Away" versöhnlicher des Weges als beispielsweise einst das schwer verdauliche "Blueberry Boat". Sollte das Ziel der Fiery Furnaces allerdings die Versöhnung von Pop und Prog sein, so offenbart sich die Schwierigkeit des Unterfangens. Doch lieber spalten statt versöhnen? Das könnte gelingen. Ein musikalisches Feuerwerk brennen Eleanor und die ihren in jedem Fall ab.

Fußnote: Überraschend vielseitig übrigens auch der Supportact Banjo Or Freakout. Welch hübscher Konzertabend im herbstlichen Kreuzberg.