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Interview zu »Das erstaunliche Leben des Walter Mitty«

Ben Stiller

»Das erstaunliche Leben des Walter Mitty« wurde 1947 schon einmal verfilmt. Diesmal führt Ben Stiller Regie und spielt auch die Rolle des Durchschnittsbürgers, der sich am helllichten Tag ein abenteuerliches Dasein erträumt. Emanuel Bergmann sprach mit Ben Stiller über digitale Zeiten und analoge Träume.
Geschrieben am

Walter Mitty will aus seinem langweiligen Leben ausbrechen. War dein Alltag jemals so eintönig wie seiner?
Ich hatte schon auf der Schule das Gefühl, nur eine Rolle zu spielen. Mich hat das Showbusiness früh angezogen. Aber das ist auf gewisse Weise natürlich auch eine Traumwelt. Am Anfang meiner Karriere habe ich ziemlich viele Nebenjobs gemacht, eine Weile als Kellner gejobbt, dann in einem Kameraladen. Da musste ich Müll sortieren! Aber ich bin trotzdem in der Welt des Showbusiness’ aufgewachsen, meine Eltern waren ja Schauspieler. Einen richtigen Bürojob hatte ich noch nie. Ich könnte das auch nicht.
Das Drehbuch basiert auf James Thurbers Kurzgeschichte von 1939. Gibt es heute wegen der medialen Reizüberflutung weniger Tagträume als damals?
Die Welt verändert sich. Der Film beschäftigt sich auch mit dem Übergang von der analogen zur digitalen Welt. In der heutigen Zeit scheint es nicht viel Platz für Tagträume zu geben. Sobald man einen Moment Zeit hat, greift man nach einem Handy oder Tablet. Mir geht es genauso. Es fehlt die Zeit, mal im Kopf zu verreisen. Auch wenn meine Familie mich ab und zu darauf hinweisen muss, dass ich mich gedanklich schon im nächsten Projekt verliere, statt mich auf den Moment zu konzentrieren. Das ist meine Art von Tagträumerei.


Ist die neue Interpretation von Walter Mittys Geschichte auch eine Liebeserklärung an die analogen Medien?
Na ja, Walter ist etwa in meinem Alter, er gehört der Übergangsgeneration an. Leute wie er und ich haben noch eine echte Verbindung zur prä-digitalen Welt, weil wir darin aufgewachsen sind. Aber jetzt sind wir natürlich voll im digitalen Zeitalter. Es ist schon traurig, wenn wir traditionelle Medien verlieren, wie zum Beispiel den Film, der auf analogen Filmkameras entsteht. Mit solchen Kameras haben wir Walter Mitty gedreht, das war mir sehr wichtig. Das ist tatsächlich auch eine Hommage an diese Welt.
Du spielst die Hauptrolle und hast auch Regie geführt. Fällt dir diese Doppelrolle leicht?
Was wir tun, ist nicht leicht. Und die doppelte Belastung macht erst recht keinen Spaß. Es ist immer eine Herausforderung, die einer Notwendigkeit folgt. Man muss genau wissen, wie man es angehen will. Ich wollte bei dem Film unbedingt dabei sein, sei es als Schauspieler oder als Regisseur. Um beide Aufgaben zu übernehmen, muss mir das Projekt echt am Herzen liegen. Immer, wenn ich Regie führe, wünsche ich mir eigentlich, dass ich nicht auch noch die Hauptrolle spiele. Dann hätte ich nämlich weniger Stress mit dem Hauptdarsteller.
Was hat dich denn so sehr an »... Walter Mitty« gereizt?
Das war eine Bauchentscheidung. Mir gefiel der Gedanke, dass es bei Walter Mittys Tagträumen um die Entdeckung seines wahren Selbst geht. Ich kann es nachvollziehen, dass man im Kopf ein anderer Mensch ist als äußerlich. Und ich glaube, viele Menschen verstehen das.

 

»Das erstaunliche Leben des Walter Mitty« (USA 2013; R: Ben Stiller; D: Ben Stiller, Kristen Wiig, Adam Scott; Kinostart: 01.01.)