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Die neue Lebensfreude

Belle And Sebastian live in Berlin

Die schottischen Indie-Pop-Veteranen stellen in der Hauptstadt nicht nur ihr neues Album »How To Solve Our Human Problems« vor, sondern geben auch zahlreiche Klassiker zum Besten und bitten gar zum Tanz auf der Bühne.

Geschrieben am
17.2.2018, Berlin, Admiralspalast

Fast sieben Jahre haben die Berliner Belle-And-Sebastian-Fans auf ein reguläres Konzert des Glasgower Septetts warten müssen. Zwar hatte die Band im September 2015 auf dem Lollapalooza-Festival gespielt, die letzte Hallen-Show fand jedoch im April 2011 in der Columbiahalle statt. Während also der letzte Club-Gig der Briten bereits länger zurückliegt, haben Belle & Sebastian erst am letzten Freitag ihr neues Album »How To Solve Our Human Problems« veröffentlicht, das die drei neuesten EPs der Formation umfasst.

Folgerichtig steht die aktuelle Platte dann auch im Fokus des heutigen Abends. Allein fünf Stücke von »How To Solve Our Human Problems« werden im seit Wochen ausverkauften Admiralspalast dargebracht. Dazu zählen auch die lebensbejahend-melodieverliebten »We Were Beautiful« und »The Same Star«, die vergegenwärtigen, dass Sänger Stuart Murdoch weiterhin über die Fähigkeit verfügt, großartige Songs zu schreiben. Aber natürlich greifen Belle And Sebastian auch auf ihren umfangreichen Back-Katalog zurück. So erklingt bereits als vierter Track »Expectations« von ihrem 1996er-Debüt »Tigermilk«. Jedoch spielt die Band keinen einzigen Song vom 2000 erschienenen »Fold Your Hands Child, You Walk Like A Peasant«, einem ihrer besten Alben. Schade auch, dass Diskographie-Höhepunkte wie »Sleep The Clock Around« oder »Dirty Dream Number Two« an diesem Tag fehlen.

Dafür entschädigen allerdings andere Klassiker wie die als letzter Song des regulären Sets gegebene Melancholie-Perfektion »Like Dylan In The Movies« oder das beschwingte »The Boy With The Arab Strap«, zu dem zahlreiche Zuschauer gemeinsam mit Murdoch auf der Bühne tanzen. Überhaupt fällt es auf, wie bei Belle & Sebastian im Laufe der Zeit kontemplative Nachdenklichkeit einer vorwärtsgewandten Lebensfreude gewichen ist. Hätte man sich früher vorstellen können, bei einem Belle-And-Sebastian-Gig fröhlich zu tanzen? Wohl kaum! Aber genau das geschieht im Admiralspalast. Der mittlerweile 49-jährige, jedoch immer noch jungenhaft wirkende Murdoch groovt mitunter derart flink über die Bühne, dass man sich fast die Augen reiben muss. Kein Wunder also, dass bei »The Party Line« das ganze Publikum ausgelassen mitschwoft.
Jedoch bewahren Belle And Sebastian stets die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Fröhlichkeit, sodass der Auftritt nie in sinnentleertes Feiern abdriftet. Allein die humorvollen, nicht selten sarkastisch-ironischen Ansagen von Stuart Murdoch zeigen, wie viel Selbstreflektion hinter der Performance der Band steckt. So überrascht es auch nicht, dass die »If You're Feeling Sinister«-Zugabe »Judy And The Dream Of Horses« wieder die für Belle & Sebastian so typische Melancholie in den Mittelpunkt stellt. Allerdings bleibt es dem auf geradezu unwiderstehliche Art und Weise Schwermut mit Tanzbarkeit verknüpfenden »I Want The World To Stop« vorbehalten, den Schlusspunkt unter ein etwas zu kurzes, aber herzerwärmendes Konzert zu setzen.

Belle and Sebastian

How to Solve Our Human Problems, Pt. 1 - EP

Release: 08.12.2017

℗ 2017 Matador

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