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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Sea Change

Beck

Change indeed. Kaum eine Figur hat die Fantasie der Popmusik-Analytiker in den letzten acht Jahren so sehr beschäftigt wie Beck Hansen. Niemand hat so viele mit dem umstrittenen Etikett der Genialität behaftete Coups gelandet wie er und erst recht kein anderer gleichzeitig die Kunstästheten verwirrt
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Change indeed. Kaum eine Figur hat die Fantasie der Popmusik-Analytiker in den letzten acht Jahren so sehr beschäftigt wie Beck Hansen. Niemand hat so viele mit dem umstrittenen Etikett der Genialität behaftete Coups gelandet wie er und erst recht kein anderer gleichzeitig die Kunstästheten verwirrt und die Charts in Tumulte versetzt. Als er 1994 mit “Loser” schlagartig als Post-Grunge-Hype- und Post-Generation-X-Zyniker berühmt wurde, war sein Ruf als Ein-Mann-Mainstream-Sabotageaktion bereits zementiert. Die ultra-schmucklosen Duette mit Calvin von Beat Happening, die 7-Inches mit Heino-Cover und die Tribute an Jägermeister-Pasteten kamen uns erst nach dem Erfolg von “Mellow Gold” zu Ohren. Bekanntlich bereitete dann nichts auf den Schock des Neuen vor – eingefangen auf dem ‘96er-Meisterwerk “Odelay”. (Kurze Anekdote: Als ich die CD im Dezember ‘96 für eine Freundin beim Kölner Saturn käuflich erwerben wollte, guckte ich in die Röhre – denn alle Beck-Platten wurden gerade von der Geschäftsleitung boykottiert, da der Meister angeblich in einem Interview mit einer lokalen Zeitung über die Unfreundlichkeit einer Verkäuferin hergezogen habe. Not bad, oder?) Sechs Jahre später überrascht Beck nun mit einer Platte, der jegliche ironische Brechungen fremd sind. Die gewagten Sample-Travestien und sonstigen Dust-Brothers-Avantgarde-Schikanen gehören jetzt der Vergangenheit an. Keineswegs geht es aber back to basics, also zurück in die Ära “Mellow Gold” oder gar “One Foot In The Grave”. Unendlich elaborierter ist das Geflecht der Soundfamilien auf “Sea Change”. Viel wurde nach ersten Hörproben über die Country-Spuren geredet. Deren bloße Erwähnung führt auf die falsche Fährte. Mit irgendeinem Genre hat das alles sowieso nichts zu tun. Die wimmernde Steel Guitar kommt nur selten zum Vorschein; statt dessen verblüfft ein satter, epischer Sound mit Hang zu elegischen Widescreen-Panoramen, nicht zuletzt dank bisweilen regelrecht ins Gigantische (aber überhaupt nicht Bombastische) kippender Strings. Die Stimme ist fast auf klassischem Hollywood-Niveau. Soviel unsarkastische Schönheit hätte ich Beck nie und nimmer mehr zugetraut.