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Intro Intim - Eurosonic Festival Issue

Beatboxrocker & Elektropopper

12.01. NL- Groningen, Simplon Ganz Groningen - und halb Musikeuropa - ist auf den Beinen, um beim Eurosonic Festival den heißen Scheiß der Saison live zu erleben. Hier kann man jedes Jahr Mitte Januar im niederländischen Groningen sehen, was im neuen Jahr wohl für Aufsehen sorgen wird. Hier spi
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12.01. NL- Groningen, Simplon

Ganz Groningen - und halb Musikeuropa - ist auf den Beinen, um beim Eurosonic Festival den heißen Scheiß der Saison live zu erleben. Hier kann man jedes Jahr Mitte Januar im niederländischen Groningen sehen, was im neuen Jahr wohl für Aufsehen sorgen wird. Hier spielten schon Bloc Party, hier sorgten auch Franz Ferdinand für Begeisterung, bevor der große Durchbruch kam. Bands werden zum Teil von der Bühne weg für Festivals gebucht. Abends in den Kneipen der Altstadt von Groningen trinkt man ein Bierchen miteinander, so wie man sich in anderen Branchen zum Golf spielen verabredet.

Dieses Jahr lag der Fokus auf Deutschland: man versuchte also, deutschsprachige Bands wie Wir Sind Helden oder Fettes Brot zu breaken, oder den internationaleren Sound von The Robocop Kraus oder Blackmail dem Rest von Europa per Showcase schmackhaft zu machen. Im Simplon, einem Club knapp außerhalb der Altstadt, präsentierte die Intro einen solchen Abend:

Den Anfang machte dabei Napoli Is Not Nepal (Köln / Shitkatapult) mit einem überraschend harten Knarz-Elektronika-Set. Und plötzlich herrschte Bewegung allenthalben. Im etwas größeren Saal folgten dann die Berliner Newcomer Super 700, drei Schwestern mit einer ziemlich tighten Backing Band, die feinen Pop mit Talking Heads-Anleihen spielen.

Die ersten Funken zwischen Publikum und Bühne sprangen dann bei Werle & Stankowski über, einem Duo, das so eigentlich gar nicht funktionieren dürfte. Eigentlich. Der eine (Stankowski) singt sich an der Akustik-Gitarre die Seele aus dem Hals und vollführt Akkordfolgen, wie man sie bei Divine Comedy vermuten würde, der andere (Werle) tanzt hinter Sampler, Oberheim-Synthie und Filterbank Jungle, Dancehall-Riddims und 4/4-Rumms. Phänomenal!

Im großen Floor wurde es danach so voll, dass man schon um Einlass betteln musste. 2Raumwohnung haben dank einiger Konzerte zuvor in Amsterdam schon eine Fanbase in den Niederlanden, die auch vollzählig angetreten zu sein schien. Beim Sexy Girl bat man die Damen der ersten Reihen auf die Bühne, um ihren sexy Namen in Inga Humpes Mikro zu rufen, Freie Liebe appellierte mal wieder an den kleinen Hedonisten in jedem von uns, sich locker zu machen. Schön, das mal wieder in einem kleinen Club zu erleben.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich die großartigen Masha Qrella und Barbara Morgenstern versäumte. Ich wartete auf einen alten Helden: Maximilian Lenz alias Westfalia Bambaataa alias Westbam stellte nach 2Raumwohnung sein Bandprojekt Westbam & Band vor. Und tatsächlich stand er dann mit Monster-Drummer, Gitarristen, Background-Sängerinnen und seinem Produnzenten-Partner Klaus Jankuhn an der Elektronik auf der Bühne. Klar ist: Westbam ist kein Sänger, er ist ein DJ. Trotzdem entwickelten er und die Band zusammen ein Rave-Feeling. Zwar wirkte die Band schon arg zusammengewürfelt, der Sound jedoch war alles andere als endtäuschend. Rave-Signale, Breakbeats vom Schlagzeug, einige HipHop-Einflüsse durch Background-Gören und den Meister himself, dazu noch die angerockte Gitarre. Das machte wirklich Spaß!

Das große Ausrufezeichen setzten dann aber mal wieder die wahnsinnigen Deichkind. Sie stellten eine aufblasbare Hüpfburg auf die Bühne, die Kostümierung war eine Mischung aus Lo-Fi Science Fiction und Dschingis Khan. DJ Phono tobte wie ein Irrer mit SM-Maske überm Kopf über die Bühne, jumpte immer mal wieder mit Karracho in die Hüpfburg. Zu Remmidemmi und Krawall kam dann mal wieder die obligatorische überdimensionale Yippieh! Yippieh! Yeah!-Fahne auf die Bühne. Ach ja, die Musik: Laut, Techno-Brett, mit deutschen Raps drüber. Ohne Rücksicht auf Verluste, auf ein Maximum an Ausrasten und Party getrimmt, dabei aber so gut gemacht, dass auch der Kölsche Kompakt-Klüngel seine helle Freude dran hätte. Spätestens als aus Limit dann der alte aus niederländischer Produktion stammende Euro-Dance-Klopfer No Limit wurde, gab’s auch für die Einheimischen kein Halten mehr. Und für den Rest sowieso nicht.