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Timewarp

Beans

Bereits im letzten Sommer war Schluss. Nach nur zwei Alben löste sich die weltweit gefeierte NYC-Experimental-HipHop-Crew Anti Pop Consortium auf. Doch seitdem war deren MC Beans nicht faul. Während seine Ex-Kollegen M. Sayyid und High Priest noch an ihren angekündigten Solo-Alben werkeln, beamt er
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Bereits im letzten Sommer war Schluss. Nach nur zwei Alben löste sich die weltweit gefeierte NYC-Experimental-HipHop-Crew Anti Pop Consortium auf. Doch seitdem war deren MC Beans nicht faul. Während seine Ex-Kollegen M. Sayyid und High Priest noch an ihren angekündigten Solo-Alben werkeln, beamt er sich auf seinem aktuellen Longplayer "Tomorrow Right Now" bereits jetzt zurück in die Zukunft. Das heißt in seinem Fall: keine gradlinigen Vorlagen, sondern frische Electro-Sounds, vertracktes Reimfeuer über reduzierten, aber tighten Beats, die man nicht unbedingt "fett" nennen muss. Beans clasht Electro und HipHop und verbeugt sich dabei vor alten Helden wie Afrika Bambaataa, Mantronix oder der Crash Crew.

Ende Januar ist Beans für einen Gig in Berlin. Am kommenden Abend soll er im Rahmen der "Bread & Butter"-Fashion-Show zu einem In-Store-Gig im stylischen Adidas-Laden um die Ecke auftreten, um sein progressives Image und Street-Credibility auf Turnschuhe zu übertragen. Heute verbreitet Beans erst mal demonstratives Selbstvertrauen, auch wenn er in persona nicht ganz so monumental rüberkommt wie auf dem Cover des neuen Soloalbums. Der rot gefärbte Iro, lange sein Markenzeichen, ist deutlich beschnitten worden. Dafür trägt Beans jetzt Bart, dazu einen schlichten grauen Sweater und repräsentiert so eine angenehm unglamouröse Seite von HipHop. Denn wer wie er in den vergangenen Jahren mit Größen wie u. a. Pharoahe Monk, Funkstörung, Terranova, Arto Lindsay, Bill Laswell, DJ Spooky, Prefuse 73 oder Techno Animal zusammengearbeitet hat, braucht seinen Rang als Ausnahme-Künstler nicht mehr zu beweisen.

In den Credits eures ersten Anti-Pop-Albums "Tragic Epilogue" dankst du dir zuallererst selbst. Bist du ein ichbezogener Mensch?

Mal ehrlich: Wenn ich damals nicht durchgehalten hätte, wenn ich nicht an mich geglaubt und stattdessen aufgegeben hätte, hätten wir hier heute keine Unterhaltung. Andere danken Gott oder ihrer Familie. Ich bin einfach ehrlich. Es gab schon schwere Zeiten, als die Leute noch nicht verstanden, was wir mit dem Anti Pop Consortium vorhatten.

Du kommst u. a. auch von der "spoken word poetry", wann war das?

Wir haben uns Anfang der Neunziger auf Performances wie "rap meets poetry" u. a. im Nuyorican Theatre kennen gelernt und waren dann in Gruppen wie Soup oder dem Boom-Poetic-Kollektiv aktiv.

Wie lange hast du an deinem neuen Material gearbeitet?

Während der letzten vier Jahre habe ich immer schon eigene Tracks geschrieben, die wir dann nicht als Anti Pop Consortium gebracht haben. Ich habe schon lange mein eigenes Equipment. Ziemlich einfaches Zeug, "Nude Paper" habe ich auf einem 4-Spur-Gerät gemacht.

Kam der Split des Anti Pop Consortiums im vergangenen Sommer überraschend für dich?

Solche Sachen bahnen sich immer an, wir sind alle immer schon sehr starke Persönlichkeiten gewesen, und es waren wahrscheinlich dieselben Dinge, die uns mal zusammenbrachten, die uns jetzt auseinander getrieben haben. Künstlerische und persönliche Differenzen, so was ist normal.

Noch eine Sache zu deiner Show hier morgen für Adidas: Das ist ja eine klassische Domäne von "corporate hiphop", sich im Rahmen von Image-Kampagnen einspannen zu lassen. Wie siehst du das? Würdest du auch für Nike auftreten, die ja wegen ihrer Sweatshop-Politik häufig kritisiert werden?

Ich hätte nichts dagegen. Dieser Gig war eben 'ne Gelegenheit, nach Berlin zu kommen. Beide Firmen machen gute Schuhe. Ich trage grade sogar Nikes.