×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Beak>

Beak>

Ein eisig pochender Bass und schräg sägende Synthie-Sounds knüpfen an die großen Verweigerungs-Platten der Post-Punk-Ära an.
Geschrieben am
Ein eisig pochender Bass und schräg sägende Synthie-Sounds knüpfen an die großen Verweigerungs-Platten der Post-Punk-Ära an.

So viel steht fest: Mit diesem Trio wird Geoff Barrow nie die Bekanntheit von Portishead erlangen. Eher bekommt man den Eindruck, dass hier jemand mit erfrischender Scheißegal-Haltung auf die Krise der Musikindustrie reagiert hat.

Man kann dieses Album seltsam finden, doch jedem einzelnen Ton ist anzuhören, dass die Band genau das gemacht hat, was sie auch wirklich wollte. Seltsam ist das in der Tat, was die drei Musiker in nur zwölf Tagen eingespielt haben. Zum einen sind deutliche psychedelische Einflüsse zu hören, frühe Pink Floyd und der präzise Beat von Can. All das findet jedoch nicht zu einem atmosphärischen Trip zusammen, sondern wird von kühlem, kargem Wave gebremst. Gesang verflüchtigt sich völlig in den Hintergrund, wird nur noch als ein bewusst falsch eingesetztes Jammern und Murmeln eingesetzt.



Im Vordergrund dagegen herrscht ein präzises, dunkles Szenario der Entfremdung vor. Ein eisig pochender Bass und schräg sägende Synthie-Sounds knüpfen an die großen Verweigerungs-Platten der Post-Punk-Ära an, darunter "Metal Box" von PIL und Dome, dieses seltsame, experimentelle, damals von vielen nicht verstandene Seitenprojekt von Wire. Auch heute wird es sicher viele Hörer geben, die auf Beak> mit völligem Unverständnis reagieren.

Doch das spricht nur für die Radikalität dieser Musik. Dass hier jemand noch einmal die Stimmung der frühen 1980er heraufbeschwört, ist nicht retro, da nicht der Sound von damals, sondern vielmehr eine Haltung wieder aufgegriffen worden ist. Eine Haltung, der es nicht darum geht, Wohlklang zu produzieren, sondern mit Musik eine total aus den Fugen geratene Zeit abzubilden. Das ist Beak> auf eine stoische Weise gelungen, der man nur Respekt zollen kann.