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Interview zu »7«

Beach House danken dem Alter

Seit ihrer Gründung vor 13 Jahren gelten Beach House als Dream-Pop-Duo par excellence. Jedes ihrer sieben Studioalben schafft es, Zeit und Raum für einen Moment in eine Art Schwebezustand zu versetzen. In diesem Zustand können Victoria Legrand und Alex Scally innehalten, das äußere Chaos absorbieren und sich vergleichsweise leichtfüßig den Weg aus der Dunkelheit bahnen. Ihr neuestes Werk »7« macht da keine Ausnahme, wie sie Annett Bonkowski erklärten.

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Dunkle Regenwolken begrüßen Victoria Legrand und Alex Scally, als sie in Berlin aus dem Taxi steigen. Schnell wischen sie die Last der Koffer und die leichte Morgenmüdigkeit mit einem kurzen Wuscheln durch die Haare weg und werfen einen prüfenden Blick in Richtung Himmel: »Das ist das perfekte Wetter, um die eigenen Gedanken ein wenig nach innen zu richten«, begrüßt uns Victoria mit einer herzlichen Umarmung. Fast drei Jahre sind seit unserer letzten Begegnung vergangen, bei der noch niemand den Überraschungscoup der 2015er-Veröffentlichung ihres letzten regulären Studioalbums »Thank Your Lucky Stars« ahnte. Vielleicht auch, weil die Freude über »Depression Cherry« noch in vollem Gange war.

Im Zuge ihrer siebten LP mit dem passenden Titel »7« zieht Gitarrist Alex Scally Bilanz: »Ich habe definitiv das Gefühl, dass wir als Band älter werden. Auf subtile Art und Weise wird unsere Intuition spürbar größer und erlaubt uns, mehr Risiken einzugehen – beispielsweise mit ›7‹. Wie bei einem Baum wird der Stamm dicker, die Krone streckt weiter und weiter ihre Zweige aus, und die Anzahl der Jahresringe nimmt zu. Älter zu werden ist cool.« Seine Bandkollegin Victoria stimmt zu: »Ich habe schon immer eine große Dankbarkeit gespürt, was das Älterwerden angeht. Falten sind wunderschön und erzählen ihre eigene Geschichte. Die Jugend an sich ist längst nicht so tiefgründig und spannend.«

Auch in musikalischer Hinsicht verließen sich Beach House aufs Alter und wählten für die Aufnahmen von »7« eher antikes Equipment wie zum Beispiel eine alte Orgel aus den Sechzigern. Alex schwärmt: »Wir stießen in einem Secondhand-Shop auf diese kaputte Orgel, die später eine große Rolle auf dem neuen Album spielte, obwohl sie nie das tat, was man von ihr erwartete.« Bevor die eigenwillige Orgel viele der neuen Songs prägte, machte das Duo aber erst einmal Platz für neue Ideen und veröffentlichte als künstlerische Katharsis ihre »B-Sides And Rarities«. Erst dann war für sie überhaupt ein neues Kapitel in der langjährigen Bandgeschichte möglich. »Es fühlt sich gut an, unsere Musik und Gedichte zu bündeln, auf verschiedene Stapel zu türmen und dadurch Raum für etwas Neues zu schaffen«, sagt Victoria. »Es hat uns dabei geholfen, musikalisch mit der Vergangenheit abzuschließen, was sehr wichtig für uns war.« Ausmisten auf hohem Niveau? Ganz sicher, wenn wir uns die Raritäten-Sammlung an Songs ansehen, die dabei zustande kam. Gitarrist Alex erinnert sich belustigt zurück: »Das alles hatte fast schon Flohmarkt-Charakter. Über die Jahre hatten sich viele Songs angesammelt, die zum Wegwerfen zu schade waren. Wir wollten sie lieber jemandem geben, bei dem sie gut aufgehoben sind.«

Befreit fackelten Beach House nicht lange und widmeten sich anschließend in ihrer Heimatstadt Baltimore den Grundpfeilern von »7«. Verteilt auf fünf Mini-Sessions, nahmen sie die neuen Stücke im eigenen Studio und später in Connecticut und L.A. auf – eine Erfahrung, die ihre altbewährte Arbeitsweise und einige bekannte Muster in musikalischer Hinsicht aufbrach, bestätigt Alex: »Ein Aspekt, den wir schon immer frustrierend fanden, ist die lange Zeit, die zwischen der ursprünglichen Idee und der Fertigstellung eines Songs vergeht. Dieses Mal beschleunigten wir diesen Prozess immens, indem wir alles statt in einer langen in fünf kurzen Sessions aufnahmen. Jedes unserer Alben hatte seine Tücken und dunklen Momente, aber keines hat bisher so viel Spaß gemacht wie ›7‹.« Ohne selbst auferlegte Reglementierungen rückten Beach House den Groove in den Vordergrund und ließen sich ausgehend von Rhythmen und subtilen Beats den Weg weisen. Ein Novum für die beiden kreativen Köpfe, gibt Victoria zu: »Wir haben uns zwar schon immer von der Textur und dem Klang eines Beats inspiriert gefühlt, aber diesen meist nicht so konsequent weiterverfolgt oder ihn gar die Richtung vorgeben lassen.« Alex stimmt dem zu: »Rückblickend betrachtet haben wir den Beat nie das Wesen des Songs bestimmten lassen, auch wenn wir das eher unbewusst entschieden haben. Jetzt rücken der Rhythmus und die Beats dagegen sehr in den Fokus. Die Songs sind davon ausgehend entstanden. Natürlich immer noch innerhalb unseres ästhetischen Empfindens, aber auf der Basis einer anderen Saat.«

Für das amerikanische Duo steht der Albumtitel »7« sinnbildlich für einen zugleich transparenten wie spirituellen Ort. Die große unbekannte Zahl am Horizont, deren Form Sehnsucht und die Suche nach mehr verspricht: »Wir wollten einen Albumtitel, der Offenheit ausstrahlt und nicht alles fest abgrenzt, sodass der Inhalt davon zerdrückt wird. Die Kreativität lebt doch von immer neuen Möglichkeiten. Vollendung ist ein anderer Begriff für das Ende, und daran sind wir als Künstler nicht interessiert.«

Beach House

7

Release: 11.05.2018

℗ 2018 Bella Union

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