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Battle For The Sun

Placebo

Placebo müssen keinem mehr was beweisen. Was auch gut so ist, denn mit dieser Platte gelänge es wirklich nicht.
Geschrieben am
Das Cover ist ja wohl legendär hässlich, die aktuelle Frisur von Molko unscharf, und die erste Single rauscht mehr oder weniger vorbei. Gibt's nicht auch Positives zu vermelden? Doch: Ein neuer Schlagzeuger ist on. Wohl dem, dem das reicht ...

Was ja an Bands und ihren Sprachrohren (zum Beispiel Musikmagazinen) nervt, ist der ewige Impuls, das aktuelle Album zum Maß der Dinge zu machen. Klar, das Neuste ist das Beste, wer lügt sich das bei seinem eigenen wie auch immer gearteten Output nicht selbst regelmäßig vor?

Nur bei Bands, bei denen diese Aufwärtsbewegung so offensichtlich nicht stimmt, fühlt man sich - gerade, wenn der Mist schon Jahre in gefälliger Agonie verbringt - verarscht. Wie eine Platte wirklich ist, erfährt man grundsätzlich ein Album später. Dann heißt es nämlich plötzlich: "Ja, wir wollten nicht mehr so scheiße klingen wie vor zwei Jahren, das war irgendwie nix." Mmh, macht man sich die Mühe, das in Magazinen von vor zwei Jahren nachzuprüfen, klingt es natürlich ganz anders.

Okay, worauf ich hinauswill, dürfte klar sein. Auf die aktuellen "Alltime-Highs" von Eminem, Depeche Mode oder auch (neu dabei) Billy Talent zum Beispiel. Ja, oder eben Placebo. Die lassen gerade wenig gute Worte an ihrem Vorgängerwerk, und diese Selbstkritik soll davon überzeugen, dass mit "Battle For The Sun" nun aber wirklich wieder die alte Stärke Ausdruck findet. Quatsch. Bevor Sie es erst in zwei Jahren lesen, sage ich es schon mal jetzt: Ehrlich dröges Spätwerk, dessen Singles kaum noch in den eigenen Kanon Einzug halten werden und dessen Filler auch wirklich welche sind. Dabei haben sexy Molko und sein Adlatus Stefan Olsdal einen neuen jungen Schlagzeuger, mit dem ihnen (so gehört in diversen Interviews) die Bandhuberei weniger langweilig vorkommt als zuletzt. Das glaube ich ihnen auch, ihr 1Live-Gig im Kölner Gloria besaß wie immer messianische Züge, die Gitarrenwände schienen noch höher als sonst. Dennoch spiegelt sich dieser Rückgang an Bocklosigkeit nicht im Songwriting wider. Erwähnenswert sind lediglich abgemilderte Depeche-Mode-Stahltrommeln zwischen "Master & Servant" und Kuhglocke, und auch den neuen Drummer hört man raus - aber aus dieser Kosmetik viel Begeisterndes zu ziehen ist eher was für echte Nerds und Sound-Puristen. Zudem gibt es das hässlichste Cover der Bandgeschichte, und die aktuelle Matte von Molko stellt leider einen seiner unschärfsten Looks dar. Schade, schade, egal. Placebo müssen keinem mehr was beweisen. Was auch gut so ist, denn mit dieser Platte gelänge es nämlich wirklich nicht.

Placebo "Battle For The Sun" (Pias / Rough Trade)