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So war’s in Köln: Mehr Boxen

Baths live

Zwei Electro-Sets von außergewöhnlicher Klasse liefern Baths und ihr Support Dam Mantle trotz erschwerter Bedingungen im Tsunami. Denn der klanglichen Herausforderung dieser Musik wird die Soundanlage in dem kleinen Indie-Schuppen nicht vollkommen gerecht.
Geschrieben am

Tsunami Club, 6.11.2013, Köln

 

Hipster-Alarm in Köln! Obwohl das Baths-Konzert aufgrund von schlechten Vorverkaufszahlen vom Gebäude 9 in das wesentlich kleinere Tsunami verlegt werden musste, tummeln sich eine Menge Leute vor Beginn auf der Straße vor dem Club zum Rauchen und gegenseitigen Auschecken. Diese Leute sind den Erwartungen angemessen ziemlich jung und hip, genau wie das bereits laufende, treibende Warm-Up-Set von Dam Mantle. Der Brite stellt ein experimentelles Live-DJ-Set auf die Beine, das sich genauso gut auf der Modeselektor-Stage am Sandstrand auf dem Melt! machen würde – aber bitte als Afterhour um sechs Uhr morgens. Irgendwie ist diese geniale Mischung aus Techno, Tropical und Jazz nicht so ganz gemacht für den kleinen Indie-Schuppen Tsunami mit seinen gerade einmal zwei spärlichen Boxen über der Bühne. Das Publikum nimmt dieses eher ungewöhnliche Warm-Up aber mehr als dankend auf und es wird bereits um kurz nach neun Uhr ausgiebig getanzt.

Der kleine, komplett in rot gestrichene Raum füllt sich währenddessen gemächlich, aber kontinuierlich, bis der sein Set hindurch ekstatisch tanzende Dam Mantle von der Bühne verschwindet. Nach einer kurzen Umbaupause betritt Baths die Bühne: Mastermind Will Wiesenfeld ist sichtlich gut gelaunt und ganz besonders redselig. Der heutige Auftritt wird von den heute als Duo auftretenden Amerikanern aus Los Angeles ganz ungewöhnlich mit ihrer Single - und gleichzeitig dem größten Hit - eröffnet: »Miasma Sky«. Wieder Erwarten verlässt danach aber keine große Riege Modefans den Raum, sondern alle bleiben, um den in Lo-Fi und Glitch verliebten Nerds auf der Bühne zuzuhören.

Das Interesse soll sich an diesem Abend lohnen: Zwischen den liebevoll arrangierten Störgeräuschen, die Wiesenfelds Neigung zu Computergame-Sounds unterstreichen, gibt das Duo hier und heute sein allerbestes. Es wird gekreischt, auf dem Boden rumgerutscht und nach allen Regeln der Kunst unterhalten. Einziges Manko wird heute die Soundanlage im Tsunami bleiben, die diesen experimentellen Klängen nicht wirklich gewachsen ist. Insgesamt klingt es einfach zu laut, die Höhen sind übersteuert, während der Bass jegliche Bemühungen Will Wiesenfelds verschluckt. Den Anwesenden ist das egal, sie tanzen zufrieden mit und applaudieren einem wirklich gelungenem Auftritt einer außergewöhnlichen Liveband. Dazu das ausgefallene Warm-Up von Dam Mantle – so ein Billing erlebt man nicht alle Tage. Selbst als Hipster nicht.