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Fur And Gold

Bat For Lashes

Es ist, als würde beim Opener 'Horse And I' ein Gefecht ausgetragen. Das hämmernde Cembalo und ein unerbittlicher Marschrhythmus
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Es ist, als würde beim Opener 'Horse And I' ein Gefecht ausgetragen. Das hämmernde Cembalo und ein unerbittlicher Marschrhythmus gegen die ätherischen Streicher und den wunderschönen Gesang. Beide Seiten geben sich siegessicher, vertrauen jeweils auf die eigenen Stärken. And the winner is: der Song, das Album 'Fur And Gold', die Band Bat For Lashes um die Songwriterin und Multi-Instrumentalistin Natasha Khan.

Was die frühere Studentin der Musik- und Filmwissenschaften aus Brightons Szene-Schmelztiegel in ihr Debüt an episch-schwelgerische Pop-Großtaten packt, ist in seiner homogenen Dichte beachtlich – und spottet vor allem den Stimmen, die in Khan seit der UK-Veröffentlichung 2006 nur eine britische Björk sehen wollen. Zugegeben, wer von vornherein gar keine Affinität zur Isländerin und generell träumerischen Song-Exkursen aufbringen kann, wird auch mit Bat For Lashes schwerlich warm werden. Doch das Quartett - live ergänzt durch Ginger Lee, Abi Fry und Lizzie Carey - gibt einem alles zurück, jeden Funken an Zutrauen inmitten singender Sägen, anmutiger Melodien im dunklen Gewand und der brüchigen Stimmung, die trotzdem soviel Inbrunst ausstrahlt.

Das Video zur Single 'What’s A Girl To Do' (Regie: Dougal Wilson) passt perfekt ins Bild: Es ist ein unheimliches und surreales Werk, das in seiner Ästhetik nicht von ungefähr an 'Donnie Darko' und dessen psychisch labilen Protagonisten erinnert. Khan radelt dort auf einer einsamen Landstraße durch die Nacht, begleitet von bis zu sechs tiermaskierten Begleitern auf BMX-Rädern. Die 27-Jährige besingt hauchend das Abkühlen der Gefühle ("We walked arm in arm, but I didn't feel his touch"), in einem anderen Vers stellt sie mit Bestimmtheit fest: "You are the chosen one, there’s no turning back!"

Nicht nur ihre sanfte und gleichzeitig raue Stimme nimmt gefangen. Die für ihre Extravaganz bekannte Künstlerin fasziniert vor allem mit den musikalischen Ideen, seien es die Handclaps, Bläser und das rotierende Tastenkarussell bei 'Prescilla' oder die majestätischen Streicher-Achtelnoten bei 'The Bat’s Mouth'. 'Trophy' und 'Sad Eyes' wirken wie fragile Nachtschattengewächse, gezüchtet aus graziler Mehrstimmigkeit, geerdet vom Piano.