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Bassist Tim Jürgens zur Trennung von Superpunk

Bitte verlass mich (nicht)

Nach 15 Jahren ist Schluss: Superpunk werden sich nach ihrer Sommertour auflösen.
Geschrieben am

»Die Zeit ist eine Säure, die die Liebe zerfrisst« hieß es in der 2005 erschienenen Single »Bitte verlass mich« - die Liebe der Fans dürfte trotz dem 15-jährigen Bandbestehen aber immer noch ungebrochen sein. Umso bedauerlicher ist es da, die Nachricht bekannt zu geben, dass sich die Hamburger nun auflösen werden. Auf ihrer Facebook-Seite liest sich das folgerndermaßen. Superpunk-Bassist und Sänger Tim Jürgens stand uns spontan Rede und Antwort zur Auflösung.

Ihr trennt euch nach 15 Jahren Bandgeschichte. Hätte es nicht jemand anderen treffen können?
Definitiv nicht. Jeder kennt doch das alte Show-Biz-Gesetz: »Only the good die young«. Es ist also der Lauf der Dinge. Es war uns ein persönliches Anliegen, der Nachwelt als fünf feine Herren mit voller Körperspannung und als wahnsinnig gutaussehend in Erinnerung zu bleiben. Dem steht nun nichts mehr im Wege, und wir sind deshalb sehr dankbar.    

In eurem Abschieds-Schreiben gebt ihr an, ihr hättet alles erreicht, was es zu erreichen gibt. Welches Karriere-Ziel hättet ihr im Nachhinein lieber ausgelassen?
Da fallen mir nur Begleiterscheinungen beim Erreichen der Ziele ein. Ein paar konkrete Beispiele: Eine Nacht in der »Pension zur Hundedecke«. Ein Absacker namens »Vogelbeerenschnaps«. Technikfreaks unter den Bandkollegen und die Erfindung des Navigationssystems. Und last but not least: Autobahnraststätten. Denn sollte jemals ein Superpunk in finanzielle Schwierigkeiten geraten, soviel ist sicher: Dort ist all der Reichtum versickert.

Die letzte Tour führt euch durch sieben euch wahrscheinlich wohlbekannte Clubs. Welches Venue werdet ihr mit Freuden abbrennen und welcher Veranstalter bekommt ein wehmütiges Küsschen zum Abschied?
Abbrennen möchten wir gar nichts. Die Veranstalter verdienen doch ihren Lebensunterhalt mit diesen zugigen, nach Bier, Pisse und Zigaretten müffelnden Pilzbiotopen. Die Damen und Herren in diesen Läden sind über 15 Jahre sowas wie die verschrobenen Tanten und Onkels in der Superpunk-Familie geworden, die auch jeder aus seiner Verwandtschaft kennt.

Man freut sich, sie einmal im Jahr zu besuchen, wundert sich, dass sie tatsächlich noch schräger geworden sind, und übersieht dabei, dass man selbst immer seltsamer wird. Jetzt müssen beide Seiten der Tatsache ins Auge sehen, dass es kein Wiedersehen mehr geben wird. Das wird hartes Stück Arbeit. Ein Menschenversuch. Auf der emotionalen Skala ist da alles möglich. Allein aus diesem Grund sollten sich die Leute die letzten Clubshows von Superpunk zu Gemüte führen.      

Letztes Jahr erschien euer Tribute-Album »Oh dieser Sound«. Darauf vertreten sind Andreas Dorau, Bernd Begemann und Die Sterne. Wolltet ihr den jungen Wilden auch mal eine Chance und ein Forum bieten?
Ganz im Gegenteil. Das war ein Anflug von Größenwahn, wir wollten sehen, ob überhaupt einer dieser verdienten, großartigen Musiker mit Superpunk etwas anfangen. Tja, und wie sie konnten. Sie haben uns nach alter Väter Sitte gezeigt, dass man es mit unseren Songs auch richtig gut machen kann. Aber so richtig. Allein wegen des Albums »Oh dieser Sound« können Superpunk das Zeitige segnen, alles was jetzt noch käme, kann nur schlechter sein.

Wer wird nun euren Tourbus kaufen und den Proberaum mieten?
Einen Bus haben wir zum Glück nie besessen. Die Anschaffung wäre Quatsch gewesen, denn am Ende jeder Konzertreise waren das Gerbhöhlen der übelsten Sorte, den Muff hätten wir nie wieder aus den Sitzen gekriegt. Deshalb auch noch mal Dankeschön an alle Busverleiher von »Halsabschneider-Tours«, die sich nach Rückgabe mit Domestos und Feudel an die Sisyphos-Aufgabe des Entlüftens gemacht haben.

Den Proberaum werden wir natürlich weiter mieten, weil wir auch nach unserem Gang in die ewigen Jagdgründe des stilvollen Lärmens massig Stauraum brauchen. Die Älteren werden sich erinnern – wird sind noch eine Band aus dem letzten Jahrtausend, also einer Zeit, als es noch ein Status Symbol des Musikers war, sehr schwere, unhandliche, orthopädisch fragwürdige Verstärkerkästen zu spielen. Unser Sänger Carsten nannte mein Bassamp immer zärtlich »Kate«, wenn er es in den Klub getragen hat. Der wog exakt 38 Kilo, was wohl dem Kampfgewicht des Top-Models Kate Moss entspricht. Und das war gerade mal das Top-Teil. 

Bevor es soweit ist, wird aber noch einmal ausgiebig getourt: »Seien Sie Zeuge, wenn es noch ein Mal heißt: „Schepper, Schepper, Schrei, Schrei«

24.5.Essen/Zeche Carl
25.5. Köln/Gebäude 9
26.5 Frankfurt/Zoom
27.5 München/Atomic
28.5. Stuttgart/Schocken.
1.6 Berlin/Festsaal 2.6 HH/Knust