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Ausstellung: New Order - An Exhibition

»No colour, no smile«

In Berlin zeigt die von Electronic Beats präsentierte Ausstellung »New Order - an exhibition« einmal mehr, weshalb man sich vor der Band aus Manchester nicht nur wegen ihres fantastischen Œuvres verneigen muss, sondern auch auf Grund des von Kevin Cummins und Peter Saville erschaffenen visuellen Ereignis den Hut ziehen sollte.
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Kein Gespräch mit New Order ohne ein Tribute an Ian Curtis, den Joy-Division-Sänger, der sich vor 32 Jahren erhängte. Ein Naturgesetz des Pops, das auch bei der mit den drei New-Order-Gründungsmitgliedern Bernard Sumner, Stephen Morris und Gillian Gilbert prominent besetzten Vernissage von »New Order - An Exhibition« im Berliner .HBC gilt. Diesmal pariert New-Order-Drummer Morris die Frage, ob er die Nachfolge von Ian Curtis als Sänger hätte antreten können oder wollen, mit einem ironischen »Niemand wäre so weit gegangen, das, was ich tat, Singen zu nennen.« Morris' Äußerung beweist nicht nur seinen extrem guten Sinn für Humor, sondern zeigt die Diskrepanz zwischen Band und Mensch, zwischen dem strengen, düsteren, mysteriösen visuellen Image von New Order und den Persönlichkeiten, die ganz andere menschliche Facetten besitzen. Morris könnte man aber durchaus für den Leadsänger halten, war er doch das einzige New-Order-Mitglied, das je auf einem Cover der Band abgebildet war, nämlich auf »Low-Life« von 1985. Auf allen anderen Covern verzichtete Designer Peter Saville auf Bandfotos, gern auch mal auf den Namen, was den Recordsleeves in ihrer Gesamtheit eine sachlich und extrem ästhetische Wirkung verlieh.

»No colour, no smile« war die Devise von Hoffotograf Kevin Cummins. Cummins fürchtete sich schon zu Joy-Division-Zeiten davor, dass jemand die Band zum Lachen bringen und damit sein Foto versauen könnte. Er wollte den Sound der Band visualisieren: »Du schaust das Foto an und weißt, wie Joy Division klingen«. »New Order - an exhibition« versammelt Bilder aus der Post-Joy-Division-Zeit, auf denen Bernard Sumner bei einem Gig in Manchester 1981 noch wie ein Ian Curtis-Wiedergänger aussieht, zeigt die Emanzipation der Band bei ihren US-Touren (»Wir sind nach New York gefahren, weil wir nach Ians Tod nicht wussten, was wir machen sollen.« Bernard Sumner). In Washington entsteht mit einer Swimmingpool-Serie als Hommage an David Hockney ein seltener Farbausbruch von Cummins. Beim Gig in der New Yorker Paradise Garage stehen Sumner und Peter Hook isoliert voneinander auf der Bühne (»Wir denken nicht über das Konzert nach bis zu dem Moment, in dem wir auf der Bühne stehen. Je mehr man darüber nachdenkt, desto schlechter wird die Musik.« Bernard Sumner). Das neueste Foto von 2011 zeigt Gillian Gilberts Keyboard in Macclesfield, womit sich der Kreis zu Ian Curtis, der sich dort, in seiner Heimatstadt, das Leben nahm, wieder schließt.

»New Order - An Exhibition» ist noch bis zum 4. Juli im .HBC Berlin zu sehen.