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Außenseiter Disco

Kissy Sell Out

Peter Wittkamp erzählt die Geschichte von Thomas Bisdee a.k.a. Kissy Sell Out - einem Storyteller auf dem Dancefloor.
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Paul Potts, Mike Skinner, Herr der Ringe, die Gala, der Großvati. Geschichten. Geschichten. Geschichten. Die mögen die Leute doch so gerne. Aber warum eigentlich musikalisch so oft nur auf Singer/Songwriter-Alben? Peter Wittkamp erzählt die Geschichte von Thomas Bisdee a.k.a. Kissy Sell Out - einem Storyteller auf dem Dancefloor.

Thomas Bisdee war ein Außenseiter in seiner Heimat nahe Cambridge. Keine Freunde, keine Mädchen. Doch statt mit dem Schwert nach Polen zog Bisdee gen London, studierte, arbeitete nebenbei als Grafikdesigner und begann sich als Remixer einen Namen zu machen. Ziemlich schnell. Und einen ziemlich guten Namen. Ein Blick auf die Liste der Künstler, deren Werke Bisdee bearbeitet hat, legt den Verdacht nahe, ein Remix von ihm sei eine Garantie dafür, in der Popwelt für Furore zu sorgen. Und so arbeitete er zum Beispiel für Mark Ronson, Sugababes, Gwen Stefani, Groove Armada, The Noisettes, Datarock, Frankmusik, Shiny Toy Guns, Calvin Harris ... Die Floskel, diese Liste ließe sich beliebig lang fortführen, stimmt selten so wie hier. Doch immer nur im Output der anderen zu stöbern war ihm zu fad: Es wurde Zeit für ein eigenes Status-Update für den mittlerweile zum BBC-Radio-DJ gereiften Bisdee. "Kissy Sell Out veröffentlicht bald sein Debütalbum 'Youth' mit Geschichten aus seiner Kindheit und Jugend", würde diese Meldung auf Facebook lauten. Und die britische Musik-Presse klickte dann euphorisch auf "gefällt mir".

"Einer der Gründe, warum ich über meine Kindheitserinnerungen geschrieben habe, war, andere zu inspirieren, sich an ihre eigenen Geschichten aus dieser Zeit zu erinnern, während sie mein Album hören", kommentiert Kissy den Titel seines Debüts. Dabei ist "Youth" (nicht zuletzt wegen seines Außenseiterstatus') kein Album geworden, das wie ein gemütlicher Ohrensessel zum Schwelgen in der eigenen Vergangenheit einlädt. Eher dazu, den Ohrensessel in die hinterste Ecke zu schieben, um mehr Platz zum Tanzen zu haben. Denn aus dem etwas abenteuerlich anmutenden Mix aus Armand Van Helden, Gary Numan, Scritti Politti, Simple Minds, Sonic Youth und Arthur Russel, die Kissy allesamt zu seinen Einflüssen zählt, wird auf "Youth" - genau! - ein "Mix aus Jungle, Speed Garage und Old School Rave Music", der Electro-Pop um eine bisweilen sehr verspielte Daft-Punk-Nuance erweitert. Wobei Kissy zu diesem Mix nicht selbst die Vocals beisteuert, sondern familienintern an Cousin Dan Murtha übergibt, der sich in anderen Projekten mitunter Danimal Kingdom nennt. Wenn Dan dann über Bisdees Erinnerungen daran singt, wie mies es sich anfühlt, das Mädchen eines Freundes zu knutschen, verschwindet auch der Widerspruch zwischen Disco und Kindheitsgeschichten: "I can't ignore your kiss, I can't keep doing this, I gotta get away, there's no excuse today." Kein Kinderkram!