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Das neue Denken

Audio Bullys

Für einen Moment sind Tom Dinsdale und Simon Frank völlig abgelenkt. Durchs Fenster des Restaurants im Londoner Stadtteil Kensington haben sie einen ehemaligen Schulfreund entdeckt und können einfach nicht glauben, dass er sich kaum verändert hat. Ihre Welt hat sich gerade in den letzten Wochen verd
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Für einen Moment sind Tom Dinsdale und Simon Frank völlig abgelenkt. Durchs Fenster des Restaurants im Londoner Stadtteil Kensington haben sie einen ehemaligen Schulfreund entdeckt und können einfach nicht glauben, dass er sich kaum verändert hat. Ihre Welt hat sich gerade in den letzten Wochen verdächtig schnell gedreht. Eigentlich war es ja nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf die offensichtliche Idee kommen würde, den letzten "Kill Bill"-Soundtrack nach Samplematerial zu durchforsten. Dank des Nancy-Sinatra-Samples und eines schönen Residents-Retrostyle-Videos besetzte "Shot You Down" gleich obere Chartsregionen, und plötzlich stand das zweite Album der Audio Bullys, "Generation", im Rampenlicht. Vorbei die Zeiten, als sie mit ihrem ersten Album "Ego War" für die englische Presse einfach nur nette Geezers waren, zu deren Sound man nach einigen Pint gut tanzen konnte. Jetzt stehen sie plötzlich in der guten alten Tradition britischer Dancecombos wie Propellerheads, Chemical Brothers, Basement Jaxx, Stereo MC's oder Dub Pistols. Sie sind jetzt eine Band, ein so genannter Act - und als solcher müssen sie ein Gesicht haben.

Vor allem Simon hat in seiner Rolle als MC und Weltenbeobachter die Blickwinkeländerung wahrgenommen. "Es ist eine komische Situation: In der Vergangenheit waren unsere Texte sehr rough und handelten davon, wie man es im Leben schaffen kann. Dann hatten wir auch prompt Erfolg und jetzt sogar das Glück, gleich mit der ersten Single einen Chartshit zu haben. Aber genau genommen sind unsere Ziele nun ganz andere - wir haben es geschafft, es geht uns verdammt gut, und wir können völlig neu denken. Deswegen war es uns wichtig, zum Anfang des Albums gleich klarzustellen, dass für die Audio Bullys eine neue Zeit angefangen hat!" Die Inhalte der Texte haben sich nicht wirklich geändert - und doch merkt man den Tracks von "Generation" das neue Denken an. Gleich das äußerst entspannt rollende "Keep On Moving" macht als Opener deutlich, dass man sich auch mal zurücklehnen kann - denn zurücklehnen ist nicht wirklich die Sache der beiden, dazu leben sie zu sehr für ihre Musik, die Liveauftritte und das stetige Forschen nach Erweiterungen des eigenen musikalischen Horizontes, gerne auch mittels Kollaborationen.

Tom: "Wir wollten unbedingt mit Suggs, dem Sänger von Madness, einen Track aufnehmen und standen über mehrere Monate mit seinem Management in Kontakt. Und als wir schon gar nicht mehr damit rechneten, rief er dann tatsächlich irgendwann um zwei Uhr morgens an und erzählte uns, dass er 'We Don't Care' auf dem iPod seiner Tochter gehört habe, und fragte, wann wir denn Zeit hätten." Durch die Hintertür der Kollaboration (hier: "This Road") sind dann auch die Tempowechsel möglich, die das neue Album so interessant wirken lassen. Beispielsweise das herrlich prollige "Made Like That" oder "Eq-Ing", bei dem selbst Schooly D erblassen würde. Und mit "Bring Light" haben die Audio Bullys den Track gemacht, den Daft Punk auf ihrem letzten Album gebraucht hätten, um eine neue Richtung anzugeben. Paris liegt jetzt nicht mehr in Frankreich, es liegt ganz in den Händen der "West End Boys".