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Thank You For Not Discussing The Outside World

Audiac

Kaum hörbar erklingen die ersten jazzigen Klavierakkorde. Gesang setzt ein. In würdevoller Verzweiflung soult sich ein junger Mann grenzenloses Leid von der Seele, jede blue note auslebend. Plötzlich kippt das Stück in ein disharmonisches Psychedelic-Rock-Riff um, das nach einigen Minuten in entspan
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Kaum hörbar erklingen die ersten jazzigen Klavierakkorde. Gesang setzt ein. In würdevoller Verzweiflung soult sich ein junger Mann grenzenloses Leid von der Seele, jede blue note auslebend. Plötzlich kippt das Stück in ein disharmonisches Psychedelic-Rock-Riff um, das nach einigen Minuten in entspannten Krautrock mit entrückten Mantras mündet: »The best is yet to come« – dabei geht die CD gerade zu Ende. Selbstironie oder konsequenter Abschluss eines Albums, das klingt, als habe man versucht, die Stille und Einsamkeit der Nacht zu vertonen. Audiac legen sich nur ungern fest. Vier Jahre haben Alex Wiemer und Niklas David akribisch an ihrem Album gewerkelt, ganz privat in einem Kämmerlein in Tübingen – bis der Totenschein für das hoffnungslos überladene Songmaterial unvermeidlich erschien. Man wandte sich an den alten Krautrock-Schamanen Hans Joachim Irmler von Faust, der einen Großteil des Materials erst mal von der Festplatte löschte. Das Ergebnis: sehr dichte, sparsam instrumentierte Songs, stilistisch zwischen allen Stühlen sitzend, aber oft mit einer halben Backe auf dem von Radiohead. Wie überbordend (und vielleicht auch musikalisch konventionell) das Album gewesen sein muss, bevor Irmler die Produktion übernahm, lässt sich erahnen, wenn man dessen erstes Solo-Album ›Lifelike‹ hört. Minimalistische, oft verstörende Ambient-Tracks, Soundscapes, Klangcollagen, blitzblanke Synthieflächen und lärmende Geräusch-Samples. Gelegentlich auch mal Musik im herkömmlichen Sinne, also Klanghöhen statt -farben, Melodieansätze statt Soundverfremdungen. Kein bisschen verkopft oder anstrengend, sondern angenehm irritierend. What a long, strange trip it is.