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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Stereo

Astra Kid

Es ist nicht einfach Rockmusik. Reduktion auf der einen, Feinziselierung auf der anderen Seite macht die Klasse des neuen, des dritten Albums der Ruhrpottler aus, und dies sei, so Sänger und Gitarrist Stefan „Pele“ Götzer, „die Essenz dessen, was die Band ausmacht.“ Und wirklich: Es ist ein bemerken
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Es ist nicht einfach Rockmusik. Reduktion auf der einen, Feinziselierung auf der anderen Seite macht die Klasse des neuen, des dritten Albums der Ruhrpottler aus, und dies sei, so Sänger und Gitarrist Stefan „Pele“ Götzer, „die Essenz dessen, was die Band ausmacht.“ Und wirklich: Es ist ein bemerkenswerter Schritt in Richtung eines eigenständigen Sounds und eines festen, aber zugleich weiter gesteckten Referenzrahmens gemacht worden. Das meiste geht extrem nach vorn und rockt – nicht zuletzt aufgrund der vorzüglichen Produktion, die auf Schnickschnack und aufgeblasenes Brimborium verzichtet und stattdessen auf einen warmen, entschlackten Klang setzt. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn da nicht mindestens fünf Collegeradio-Hits drin wären. Herausragend wird es immer dann, wenn, wie in „Unsinkbar“ und „Immer Heute“, famose Harmoniegesänge und wunderschöne melodische Wendungen zum Einsatz kommen. Schwierigkeiten habe ich allenfalls mit dem agitatorischen Duktus mancher Texte, die arg ins Plakative abgleiten wie etwa in „Monokultur“, wo ironiebefreit Sinnberatung betrieben wird. Die von starken Schweine-Lobbys gesteuerte Konformisierung von Kultur und Gesellschaft bei gleichzeitiger Behauptung einer grenzenlosen Individualisierung könnte sicherlich subtiler verarbeitet werden. Den Kontrapunkt dazu bildet das zu Tränen rührende „Morgen Sagen Wir“, in dem das alltagssprachliche Korsett endlich gesprengt wird: „Und morgen sagen wir, wir haben in der letzten Nacht die besten Jahre unseres Lebens verbracht.“ Großartig. Du musst bestimmt nicht die „Leute, die nicht singen, zum Singen zwingen“, wie Götzer proklamiert, aber du musst dich durch den ganzen Wust deutschsprachiger Popmusik, mit der jetzt gerade wieder der Markt zugeschissen wird, durchwühlen, um die Perlen zu finden, die einst vor die Säue geschmissen wurden. Per aspera ad Astra Kid.