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Noon Chill

ARTO LINDSAY

Es ist wie verhext. Seit zwei Jahren - beginnend mit "O Corpo Sutil", fortgeführt mit "Mundo Civilizado" und nun mit "Noon Chill" aktualisiert - setzt uns ARTO LINDSAY konstant neues Material vor, eine bis dahin nie gehörte Fusion aus zurückgelehntem Pop, brasilianischer Harmonik und dem Moloch New
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Autor: intro.de

Es ist wie verhext. Seit zwei Jahren - beginnend mit "O Corpo Sutil", fortgeführt mit "Mundo Civilizado" und nun mit "Noon Chill" aktualisiert - setzt uns ARTO LINDSAY konstant neues Material vor, eine bis dahin nie gehörte Fusion aus zurückgelehntem Pop, brasilianischer Harmonik und dem Moloch New York entspringenden Loops, am eindrucksvollsten auf das Material des '97er Albums angewendet und hernach als Remix-Album mit dem Titel "Hyper Civilizado" veröffentlicht. Hatte sich Herr Hexer in den 90ern bis dahin eher rar gemacht und nur hin und wieder mal avantgardistischere Projekte wie sein Trio vor unsere Füße geschmissen, reitet es ihn im Moment, will ein riesiger Berg von Liedern aus ihm heraus. Was er auf "Noon Chill" zusammen mit "Hyper Civilizado"-Produzent Andres Levin geschaffen hat, ist der Gipfel der Reduktion. Zwar liest sich die Personalliste am besten in Erwartung großer Namen (SAKAMOTO, VASCONCELOS, SCHERER, GIBBS ...), dennoch sind die Kompositionen inzwischen beschränkt auf Essentielles, leben alle Stücke auf in der Besetzung Akustikgitarre-Bass-Perkussion plus überlegen bewegungsanimierende Beigaben. Ein gleichsam unbeteiligter, an Larmoyanz kaum zu überbietender ARTO LINDSAY schüttelt zuckersüße Melodien aus den viel zu weiten Hemdsärmeln in den kleinen Raum, in dem er, seiner brasilianischen Wurzeln gedenkend, an einem mit Papierschirmchen geschmückten Batida De Coco schlürft ("Simply Are"). Lyrische Unbekümmertheit, das kleine Leben, in sich ruhende Alltäglichkeit: "Noon Chill" ist vielleicht Perfektion der Entwicklung, mutmaßlich aber nur eine weitere Station auf der Suche nach dem perfekten Popsong. Freiwillig tanzbar, unfreiwillig überwältigend, den Frühling unumgänglich machend (... und die Sonne scheint in "Why Compare")!
Aus vorsichtiger Delegation seines Materials an Illbient- und andere DJs (SPOOKY, OLIVE, SOUL SLINGER, MUTAMASSIK u. a.) wurde auf diesem Album zudem der Mut zum Selbstremix, zur selbst vorgenommenen Editierung und Nachbearbeitung, dokumentiert auf der EP "Re-Entry", die "Noon Chill" in limitierter Auflage zum gemischten Doppel aus Album und Remix-Album macht. Geht da noch mehr? Das wäre ja nicht auszudenken!