×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Das komplette Interview

Art Brut

Das ganze, ungekürzte Interview zur aktuellen Heft-Story.
Geschrieben am

Eddie Argos wird nicht müde zu betonen, dass seine Band Art Brut nicht witzig sein will, sondern im Idealfall einfach aufrichtig. Dass das die Leute wiederum oft sehr witzig finden, ist für den gefühlt drei Meter großen Hünen aber ein netter Nebeneffekt. Das ganze, ungekürzte Interview.


The Smiths haben mal gesungen "That Joke Isn't Funny Anymore". Aber es gibt ja auch die guten Witze, die immer besser werden, je öfter man sie erzählt. Wie sieht es mit dem aus, in dem eine junge DIY-Band auf einmal um die Welt tourt?

Eddie Argos: Der ist gut, oder? (lacht) Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte. Wir versuchen einfach, uns selbst ständig zu überraschen…

...immerhin habt ihr vor zwei Jahren mit "Formed A Band" keck prophezeit, bei Top Of The Pops aufzutreten, was euch auch prompt gelang. Spinnt man das weiter, müsste euer Song "Direct Hit" jetzt der nächste Volltreffer werden…
Das ist der Plan! Genauso soll und wird es laufen: Wir sagen etwas und das tritt dann ein. Diese self fulfilling prophecies scheinen unser Ding zu sein. Top Of The Pops ist ja nun leider buchstäblich Geschichte, also ziehen wir weiter.

Ihr scheint das aber auch selbst immer noch als großen, gelungenen Witz zu begreifen. Als ich euch vor einem Jahr auf dem Melt! traf, erzähltet ihr mir, dass ihr am darauf folgenden Tag in New York spielen würdet und kommentiertet das mit "That's fine. We're international popstars"…
(alle lachen)

Ihr infiltriert ja geradezu das ganze System. In einem eurer neuen Songs, I Will Survive, gibt es die Textzeile "I don't know what I'm doing but it feels like success". Fasst der die Band nicht wunderbar zusammmen?
Mikey B: Ein bisschen schon, ja. Wir planen nie etwas. Wir setzen uns nicht hin und sagen, dieses oder jenes muss jetzt der nächste Schritt sein, denn das würde wohl auch nicht klappen, zumindest nicht bei uns. Wir haben keine Ahnung, also machen wir einfach irgendwas, ohne einem konkreten Plan zu folgen. Auf diese Weise überrascht man sich selbst am häufigsten und das ist wirklich nett.


Ihr habt ja fast als Guerilla-Band angefangen, habt Demos kostenlos in der Stadt verteilt, an Bushaltestellen ausgelegt und wolltet eure Single ursprünglich mal nur in Second-Hand-Shops verkaufen, damit die Leute sich fragen: Art Brut, wer war das denn noch mal…? Und jetzt habt ihr einen Major-Vertrag…
Eddie Argos: Das ist schon wirklich verrückt. Der Plan - und da hatten wir wohl mal einen - war ja, dass Leute die CDs finden und uns dann kontaktieren. Nicht eine Antwort haben wir bekommen. Da sieht man ja mal, dass man derlei Dinge eben nicht planen kann.Hat sich Geoff Travis von Rough Trade eigentlich mittlerweile dafür entschuldigt, dass er bei einer eurer ersten Shows nach zwei Songs frustriert den Club verlies, weil er euch kindisch fand?
Mikey B: Nein, nicht dass ich wüsste. Aber wir wurden dann ja trotzdem vom Rough Trade A&R gesignt...
Eddie Argos: Ohne Rough Trade wären wir nie so weit gekommen. Sie haben unser Demo releast (die Ursprungsversion wurde auch die erste Single ‚Formed A Band', Anm. d. Autors), von daher dürfte das Verhältnis mit Geoff Travis auch problemlos sein…Jetzt sind wir bei Mute (EMI) und das Gute ist: Auch da kümmert sich niemand um uns, niemand schenkt uns seine Aufmerksamkeit, deswegen können wir tun und lassen, was wir wollen…Eigentlich ist es immer noch genau wie früher.


Die Beatles haben einmal sinngemäß gesagt: Wenn wir unseren Humor nicht gehabt hätten, wären wir verrückt geworden. Schützt euch euer Humor vor dem Business, wenn man alles nicht so ernst nimmt, kann einem schließlich auch nicht viel passieren?
Eddie Argos: Irgendwie schon. Wir haben uns immer schon sehr viel mit Musik beschäftigt, haben Bücher gelesen, über Bands die am Business, am Erfolg oder sich selbst zerbrochen sind. Man darf all diese Dinge nicht zu sehr an sich heranlassen und sollte es als das begreifen, was es ist: Eine gute Zeit, die auch irgendwann schnell vorbei sein kann. Gerade auf Tour langweilt man sich oft, trotz der vielen Eindrücke, dann albert man rum und spielt seine Spielchen, sonst würde man wohl schnell durchdrehen. Also haben die Beatles wohl recht gehabt, zumindest in diesem Fall (lacht).

Auf eurem neuen Album gibt es einen Song, People In Love, in dem heißt es: "People in love lie around and get fat". Was für die Liebe gilt, gilt auch für jedes andere temporäre Hochgefühl: Wenn man Erfolg hat, wird man ja auch schnell genügsam, zumindest ist die Gefahr da, sich zu sehr einlullen zu lassen…
Eddie Argos: Ich bin ja auch fett (lacht). Nein, im Ernst: Das wird uns nicht passieren, dass wir langweilig werden und irgendwann auch Risiken scheuen, weil wir es uns so gemütlich gemacht haben. Im Übrigen haben wir alle nur eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne, uns wird also schnell langweilig, wenn wir uns zu lange mit einer Sache beschäftigen…

Euer Album heißt It's A Bit Complicated. Das klingt fast, als versuchtet ihr vergeblich, jemandem etwas zu erklären…?
Der Titel schrieb sich von selbst, denn immer wenn wir zusammenkamen, um an den neuen Songs zu arbeiten, sagten wir: "Das ist jetzt ein bisschen knifflig", das wurde ein echter Running-Gag.
Mikey B: Beim ersten Album haben wir ja nur die Songs zusammengeworfen, die wir über einen langen Zeitraum geschrieben hatten, jetzt mussten wir erstmals bei Null anfangen und Songs konkret für ein zweites Album schreiben…während wir auf Tour waren und eigentlich kaum Zeit hatten.
Eddie Argos: Der Titel lässt sich ja auch wunderbar auf's ganz normale Leben übertragen: Freundinnen, Ex-Freundinnen: Alles etwas kompliziert. Wobei "etwas" ja schon impliziert: Wir kriegen das schon irgendwie hin, es ist nicht wirklich kompliziert, schon gar nicht "zu" kompliziert, aber eben: Ein bisschen. Wir wissen, was wir tun, wir hatten nur etwas anderes erwartet.Dennoch klingt das Album sehr direkt, jedenfalls nicht so, als wenn ihr euch viele Gedanken gemacht hättet. Habt ihr gar keinen Druck gespürt?
Mikey B.: Wir waren so lange unterwegs, das schweißt natürlich auch zusammen. Man entwickelt da schon ein wenig Selbstvertrauen in das eigene Können.
Eddie Argos: Es war schon komisch, so viel unterwegs zu sein und im Hinterkopf zu haben, dass wir Songs für ein neues Album schreiben mussten. Auf Tour kann man das nicht machen, zumindest wir können es nicht, ich schon gar nicht, mit meinen Texten.
Mikey B: Ein bisschen zeitlicher Druck war vielleicht da, aber letztlich hatten wir dann doch knapp sechs Monate off, um an neuen Songs zu arbeiten und dann haben wir uns auch irgendwann gesagt: Wahrscheinlich reichen ein paar Wochen, was wir dann nicht haben, kommt wohl auch nicht mehr. Ein bisschen Druck braucht man ja, denn sonst wird man faul und kriegt gar nichts mehr auf die Reihe.

Hast Du, Eddie, denn nicht den Druck verspürt, jetzt witzig sein zu müssen und mit ein paar guten One-Linern um die Ecke zu kommen?
Eddie Argos: Ein wenig vielleicht, um ehrlich zu sein. Dann dachte ich: Fuck it. Ich mache, was ich immer mache. Ich musste nur bisher noch nie schreiben, im Sinne von: Du musst jetzt Texte zu zwölf neuen Songs schreiben. Bisher kamen die Texte einfach oder waren schon da. Ich liebe es zu schreiben, das war dann eben mal eine neue Herausforderung, unter Druck zu schreiben…

Einer meiner Lieblingssong auf It's A Bit Complicated ist ein Song namens "Blame It On The Trains". Geht es bei euch, wie in dem Song, auch darum, kompromisslos zu sein und auch manchmal sagen zu können: Ach, scheiß drauf: Wir sagen einfach, der Zug hatte Verspätung?
Das ist eigentlich eine wahre Geschichte. Ich lag noch im Bett, meine Freundin sagte: "Beeil Dich, wir müssen los". Ich sagte: "Gib mir eine halbe Stunde, wir sagen einfach, der Zug hatte Verspätung". Es geht eigentlich nicht darum, sich einen Dreck zu scheren, es ist vielmehr ein richtiges Liebeslied: Ich möchte hier im Bett bleiben und nicht da raus. Viele unserer Songs spielen übrigens im Bett. Das mag ich (lacht). Nebenbei: Wir haben auch eine B-Seite aufgenommen, die heißt Don't Blame It On The Trains. Da sagen wir dann: Keine Ausflüchte, wir waren zu spät, nicht der Zug.

Eine schöne Idee, verschiedene Versionen eines Songs aufzunehmen, so als Director's Cut. Themenwechsel: Nervt es Dich, wenn Leute Deine Texte ironisch nennen?
Es hat mich mal genervt, aber mittlerweile eigentlich nicht mehr. Ich habe halt immer gedacht: Ich erzähle die Wahrheit, es ist vielleicht lustig oder launisch, aber es ist die Wahrheit, ich meine das ernst. Ich bin darüber hinweg, ich weiß ja, dass es die Wahrheit ist.

Kannst Du Dir denn vorstellen, warum Leute auf die Idee kommen?
Mikey B: Ich glaube, weil wir ehrliche und direkte Texte haben. Es sind Geschichten, die Du sonst vielleicht nicht oft in der Popmusik findest und das irritiert die Leute dann. Nach dem Motto: Es ist so direkt und auf den Punkt gebracht, das muss ja augenzwinkernd gemeint sein. Es ist wahre Geschichten und die ist niemand gewöhnt.
Eddie Argos: Wenn die Leute sagen, "euer Text ist ironisch" dann sage ich: "Nein, unsere Texte sind aufrichtig."

Das ist ja oft das Problem: Das Leute mit Aufrichtigkeit nicht klar kommen. Sobald jemand die Wahrheit erzählt, schöpft man Verdacht. Bei der deutschen Band Blumfeld gab es in den letzten Jahren von unwissenden Menschen den Generalvorwurf: Sie singen über Liebe und die Blumen auf der Wiese -das können sie doch nicht ernst meinen, schon gar nicht mit ihrem Hintergrund…Und um da mal die Brücke zu schlagen: Ihr habt schon auf der letzten Tour einen Song namens "St. Pauli" gespielt, der jetzt auch auf dem Album ist. Du zitierst darin die Hamburger Schule und singst auf deutsch: Punkrock ist nicht tot. Wie kam es denn nun dazu?
Das war der einzige Satz, den ich kannte, als ich das erste Mal in Deutschland war. Das war in Hamburg, ich stand in einer Gruppe von Leuten, die sich alle nur auf Deutsch unterhielten. Ich verstand kein Wort und wollte doch neue Freunde gewinnen, also sagte ich immerzu: "Punkrock ist nicht tot". Ich sah die Leute in ihren St. Pauli-Shirts und dachte: "Das passt. Ich will auch so ein Shirt, ich möchte Teil der Gang sein! Ich möchte Teil der Hamburger Schule sein." Mikey hatte mir auch mal Songs von Tocotronic vorgespielt, ich mochte die sehr. Vielleicht werden wir die erste britische Hamburger Schule-Band.Also ist es wahr, dass Du - wie Du singst - Dein Deutsch einer 7" verdankst?
Ich kann wirklich nur einen Satz und "danke" sagen. Vielleicht ein, zwei Wörter mehr.
"Es ist ein bisschen kompliziert"…
Äh, "Alles klar" (alle lachen)
Mikey B.(erklärt Eddie Argos): Das war "It's A Little Bit Complicated" auf deutsch.

Was sind denn eure Haupteinflüsse?
Eddie Argos: Ich mag Tocotronic!
Mikey B.: Ich würde sie vielleicht nicht gerade als Haupteinfluss bezeichnen…(lacht)
Eddie Argos: Ich weiß nicht, wir hören wirklich verdammt viel Musik. Ich mag z.B. Billy Childish oder Jonathan Richman.
Mikey B.: Unser Gitarrist hört Iron Maiden und so. Wir fangen ja auch meist unsere Shows mit einem Metalriff an: AC/DC oder "Enter Sandman" oder so. "Welcome To The Jungle" haben wir auch mal gemacht.

Es gibt im Moment ja schon einige Bands, die diesen Kitchen Sink-Realismus verfolgen, insofern stimme ich Dir, Mikey, da gar nicht unbedingt zu: The Streets, Arctic Monkeys, The Rakes oder Little Man Tate. Warum hat sich das eurer Meinung nach in den letzten Monaten so entwickelt?
Mikey B: Nun, man kann sich leicht damit identifizieren. Jeder kennt es, aber man hat es noch nicht so interessant gehört, wie z.B. in einem The Streets-Song. Macht lacht darüber und denkt: Hey, das ist mein Wochenende.
Eddie Argos: Ich mag das sehr, wenn man sich in den Texten konkret wieder findet.

Ich habe vor ein paar Monaten Noel Gallagher getroffen und der sagte, dass die Bands aufhören sollten, über den "verdammten Walfang" zu singen. Er bevorzuge die universellen Themen…
So habe ich das auch noch nicht gehört. Aber Noel Gallgher hat per se natürlich immer recht (lacht). Keine Ahnung, ich mag einfach direkte Texte, Always have, always will.

Bei eurem Song Post Soothing Out gibt es ja auch die Textzeile: "River deep and mountain high, there's some lyrics that'll never apply. "...
Genau! Das trifft es doch. "Post Soothing Out" kommt übrigens raus, wenn man betrunken auf seinem Handy rumtippt und eigentlich "Sort Something Out" schreiben will. Die T9-Spracherkennung macht Dir dann diesen charmanten Vorschlag. Auch wieder so eine Geschichte: Ich war unterwegs und schrieb meiner Freundin, mit der ich damals zusammenlebte. Es ging irgendwie um Geld, eine Rechnung oder die Miete, und ich schrieb: "Don't worry. I'll post soothing out". Das war dann auch irgendwie tragisch: Meine Freundin beschwert sich, dass wir kein Geld mehr haben, und ich schreibe ihr betrunken und kriege nicht mal eine richtige Antwort hin. Bezeichnend, oder? Sie verließ mich übrigens. Ich zog zu meinen Eltern. Das Leben ging weiter.

Auf der letzten Platte hast Du noch verkündet: Popular culture no longer applies to me. Auf dieser gibt es nun viele Popmusik-Referenzen: Allein drei Songs - "Pump Up The Volume", "Sound Of Summer" und die schon bekannte Single "Nag Nag Nag Nag" handeln von Mixtapes, dem perfekten Soundtrack eines Sommers, kurzum: Von emotionaler Bindung durch Musik.
Ich liebe Popmusik. Aber in der Popkultur selbst dreht es sich nicht mehr um Musik: Es geht um Celebrities, um Computerspiele und dämliche Fernsehshows. Popmusik ist keine Populärkultur mehr. Deswegen schrieb ich damals den Song. Die Plattenverkäufe brechen ein, niemanden interessieren mehr die Bands. Wir führen ein Nischendasein, das ist schon etwas traurig.Die Leute kaufen ja auch immer weniger Alben, gerade iTunes ist ja darauf angelegt, sich seine individuellen Listen zusammenzustellen und eben auch zu kaufen.
Genau, man kauft Tracks, aber keine Alben mehr. Dabei verbringen so viele Bands so viel Zeit damit, die Songs nach einer gewissen Dramaturgie in Albumlänge zusammenzustellen. Man macht sich derlei Gedanken und letztlich kaufen die Leute dann einen Song und reißen ihn aus dem Kontext. Ich mache das nicht, ich kaufe immer noch mit Freude ganze Alben. Außer Girls Aloud, da interessieren mich meist nur einzelne Stücke (lacht).

Würdet ihr euch als Musik-Nerds bezeichnen, die sich mit ihrer Sammlung beschäftigen?
Auf jeden Fall, wir alle liebe Popmusik. Auch wenn wir für eine intensive Beschäftigung mit unseren Platten kaum noch Zeit haben. Dafür spielen wir auf unzähligen Festivals und sehen so viele tolle Bands, und das alles umsonst! Das ist ja überhaupt auch einer der wichtigsten Gründe, eine Band zu gründen: Um umsonst auf die Konzerte der anderen Acts gehen zu können und auf Festivals rumzuhängen. Wir suchen uns ja auch unsere Supportbands selbst aus, weil wir Fans sind.

Würdest Du sagen, dass "It's A Bit Complicated" ein nostalgisches Album geworden ist?
Ich pflege immer zu sagen: Das letzte Album handelte von mir als 17-jährigen, auf diesem bin ich vielleicht 21 und auf dem nächsten werde ich dann 23 sein. Ich singe über meine Erlebnisse, insofern: Ja, es ist schon ein wenig Nostalgie dabei. Ich singe ja z.B. auch immer über Tapes, die es bekanntlich nicht mehr gibt (lacht). Von dieser Mixtapesache bin ich auch echt besessen: Ich habe das geliebt, für Mädchen Mixtapes zu kreieren. Nicht nur, dass man sich intensiv mit der Musik beschäftigt, man hört das ganze Tape ja schließlichin Real Time, während man es aufnimmt. Auch diese vermeintlich versteckten Botschaften, die man immer darin las, wenn man selbst eins bekam. Dieses Sprechen durch Musik, wahnsinnig toll: Heißt dieser oder jener Song jetzt was? Mag sie mich? Fantastisch.

Ist es vielleicht auch eine Platte über das Heranwachsen oder besser: Das Nicht-Heranwachsen geworden? Du singst ja auch z.B. "I might be growing up, but I refuse to learn".
Definitiv über das Nicht-Heranwachsen-Wollen. Ich bin immer noch der Typ, der ich mit 17 war. Ich tue nur erwachsener. Vielleicht verpasst man gerade in einer Band einige wichtige Dinge des Lebens, man bleibt ja Teenager.

…während um einen rum alles in wahnsinniger Geschwindigkeit abläuft.
Es ist wirklich verrückt, man hat eigentlich keine Zeit, all die Eindrücke auch zu verarbeiten. Ich hatte neulich ein Telefongespräch mit meiner Mutter und ich erzählte ihr, wo ich überall war: Japan, Brasilien. Da habe ich erstmal realisiert, was im Moment mit uns passiert. Ich war danach so aufgeregt, dass ich nicht schlafen konnte: "Oh, mein Gott. Ich reise um die Welt. Es ist fantastisch."

Um mal einen harten Schnitt zu machen, wir arbeiten ja im Moment an unserer Interviewausgabe. Was war denn euer bestes Interviewerlebnis bisher?
Wir waren mal im Zoo, das war toll. Oh, Moment, mit Dir waren wir auch mal im Zoo, richtig?

Im Kölner Zoo, ja.
Ich erinnere mich. Aber das war im Londoner Zoo. Sie fragten uns, was wir machen wollten. Wir schlugen das dann vor und haben eine Extratour gekriegt. Wir haben die Giraffen gefüttert, wir waren im Löwengehege, sie haben uns alles über die Tiere erzählt. Das war unglaublich, wir waren wie die Kinder.Wo es eine beste gibt, gibt es auch eine schlimmste. Was war eure beschissenste Interviewsituation.
Mikey B: Ich hatte mal ein Telefoninterview mit einer Prager Tageszeitung, vor dem Prague Festival. Der Journalist konnte nur überhaupt kein Englisch und ich habe wirklich überhaupt nichts verstanden. Zu allem Überfluss stellte er dann noch Fragen wie: "Was habt ihr den Prager Bürgern zu sagen?". Nun, was sagt man in so einer Situation den Prager Bürgern? Es war wirklich unangenehm.
Eddie Argos: Ich erinnere mich an einen Promotag in Paris. Ich hatte einen schlimmen Kater, denn wir hatten in meinen Geburtstag hineingefeiert. Wir saßen ungefähr zehn Stunden in einem Kellerloch, ohne Fenster. Es war kein Hotelzimmer, es war buchstäblich irgendwo unter der Erde. Ich war schrecklich durstig und sie haben uns nicht mal was zu trinken gegeben, geschweige denn zu essen. Das war grauenhaft. Ich übertreibe nicht. Und es war mein Geburtstag.

Abschließend: Die nervigste Interviewfrage?
Eddie Argos: Ist Emily Kane echt?

Ist Emily Kane echt?
Ja.

Vielen Dank.