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»Tranquility Base Hotel & Casino«

Arctic Monkeys

Die Arctic Monkeys waren die letzte verbliebene Band, die es vermochte, den Indie-Rock-Kult der mittleren 2000er aufrechtzuerhalten. Nun hat die Band aber ein Lounge-Album eingespielt, zu dem Brandy besser schmeckt als Bier.

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»I just wanted to be one of The Strokes. Now look at the mess you made me make«, schickt Alex Turner im Opener »Star Treatment« dem sechsten Album der Arctic Monkeys voraus. Ist das bloß ironisches Augenzwinkern? Denn ein Fiasko ist »Tranquility Base Hotel & Casino« keinesfalls. Enttäuschen wird die LP höchstens die, die sich durch das Comeback der Alternative-Ikonen eine Rehabilitation des Indie-Rock der 2000er versprachen. Damals, nachdem die Band erste Meriten bei MySpace eingeheimst hatte, lieferten die Monkeys mit »Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not« das epochalste Brit-Debüt seit Oasis’ »Definitely Maybe« ab. Ich selbst lernte die Scheibe damals durch Intro kennen, das ich damals als pickeliger Parka-Punk zu suchten begann. Kurz nachdem mich der wachsam patrouillierte Stream zu »Tranquility Base Hotel & Casino« erreicht hatte, ging die News um, das Intro werde eingestampft. Zufall? Gar Schicksal?

Während ich also erwartungsvoll meine Dancing Shoes schnüre, stelle ich mich auf Wah-Wah-Kriege, Bulldozer-Riffs, Desert-Rock à la »Humbug«, Turners ikonisches Dunkelkammer-Crooning und massig Partykeller-Nostalgie ein. Wieso auch nicht? Seitdem The Killers ihre Schlager-Pop-Metamorphose vollzogen haben, We Are Scientists immer noch den Ruf als ewige, aber niemals durchbrechende Talente ertragen müssen, der Lenor-Rock der Editors so handzahm wie ein Stubentiger ist und sich die irgendwann mal gottgleich gehandelten Bloc Party samt »Silent Alarm«-Revival-Tour in falscher Besetzung nur noch als ausgediente Kassenwarte ihres einstigen Erfolgs beweihräuchern, läge es doch an den Monkeys, die flau flatternden Indie-Segel wieder in den Wind zu halten. Aber es kommt anders: Die neue Platte ist ein ambitionierter Stilexkurs in Richtung Jazz- und Downtempo-Rock mit cooler Synthie-Prägung, vor allem in »Batphone«. Wenn Turner dem vermeintlichen Durcheinander, das er angerichtet haben will, »Tranquility Base Hotel & Casino« voranstellt, dann bloß deshalb, weil auch er es ist, der das Album ganz allein am Piano komponiert hat – und auch die Lorbeeren einstreicht, sollten sich seine Abgrenzungsbemühungen vom Indie-Spektrum bezahlt machen. Anders gesagt: Man hat die Arctic Monkeys nicht nur so noch nie gehört, man hätte auch niemals gedacht, dass sie überhaupt derart loungig Sinn machen könnten. »The Ultracheese« steht im klammen Spotlight eines Vocal-Swing-Kabaretts, und das feucht verträumte »Star Treatment« verflüssigt sich zu einem Soft-Soul-Absacker. Der Titeltrack nistet sich samt E-Orgel zwischen Soft Rock und psychedelischer Endzeit ein, wobei Turners verschlafene und verzerrte Vocals hier auffällig an Gorillaz-Vordenker Damon Albarn erinnern. Manchmal wirkt die entschleunigte Geruhsamkeit der Platte gar ein bisschen kitschig, so, als hätte sich die Band dieses Mal nicht gerade ein Bein ausgerissen. Man muss das Album jedoch ungeachtet jeder retromanischen Bewunderung für die Boys aus Sheffield hören. Dann, und nur dann, wird man mit einem verblüffend gelungenen Experiment belohnt.

Arctic Monkeys

Tranquility Base Hotel & Casino

Release: 11.05.2018

℗ 2018 Domino Recording Company Ltd

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