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Messe im ganz großen Stil

Arcade Fire live

Der Verlegung des Konzerts in eine größere Halle und der anschließenden Tourabsage im März folgte die finale Weihehandlung.
Geschrieben am
22.08.07, Köln, Palladium.

Oh man, was war ich wütend. Erst die Ankündigung, dass das Kölner Arcade Fire-Konzert von der Live Music Hall in das größere Palladium verlegt wird und dann auch noch das: Singverbot für Win Butler. Eine Stirnhöhlenerkrankung zwang ihn und den Rest der Band, alle Konzerte in Deutschland abzusagen. Vorgestern, ein paar Monate später, dann der lang ersehnte zweite Anlauf; wenn auch immer noch mit dem unguten Gefühl, da im ungemein großen Palladium.

Fast unvorstellbar früh, um zehn vor acht, beginnen zunächst die sympathischen Anti-Folker von Herman Dune ihr Konzert. Ein halbe Stunde und ein paar Bläser- und Flöteneinlagen später bedankt sich dann auch schon der schlaksig-bärtige Andre Herman Düne höflich beim Publikum. Ein nettes Set mit netten Songs ist wie im Flug vergangen. Nett, aber eben auch nicht mehr. Schließlich wartet man ja schon seit mehren Monaten auf den kanadischen Hauptact.

Schnell noch ein Bier geholt, in die schwitzende Menge gestellt, warten, schwitzen, warten, und endlich dunkelt sich das Licht. Und dann ganz schnell: Die Reue über den Irrtum, dass Arcade Fire unbedingt in einem kleinen, möglichst intimen Umfeld spielen müssen. Nein, es ist nicht nur nicht schlimm, dass Arcade Fire in den großen Hallen auf den größen Bühnen spielen; nein, ganz genau da gehören sie hin. Und das nicht nur aufgrund ihrer zahlenmäßigen Präsenz mit insgesamt acht Musikern und Musikerinnen. Arcade Fire brauchen die ganz große Bühne, weil Arcade Fire eine ganz große Band sind und ein ganz großes Album herausgebracht haben. Und weil sie die ganz große Show beherrschen.

Das Konzert wird mit einer Videoprojektion einer durchgeknallten Predigerin, die hektisch hin- und herlaufend kaum noch Luft bekommt und sich zum Ende hin fast überschlägt, eingeleitet. Die eingespielte Predigt kulminiert schließlich in den ersten Akkorden von 'Keep The Car Running' vom aktuellen Album 'Neon Bible' und in den Vorschlusslorbeeren, die das Publikum jubelnd an die Band austeilt. Kein Wunder, die Videoprojektionen des 'Neon Bible'-Covers und die riesige Kirchenorgel, die auf der Bühne majestätisch thront, verleihen dem Palladium einen sakralen Charakter, für den allein man diese Band und diesen Auftritt lieben müsste. Es folgen der Song 'No Cars Go' und das ältere Stück 'Haiti' und man merkt an dem energiegeladenen Einsatz der Band, dass ihr jedes einzelne Konzert eine Herzensangelegenheit zu sein scheint. Und dass beinahe die komplette Band untereinander immer wieder munter die Instrumente tauscht, der Schlagzeuger wahlweise an der Gitarre, am Keyboard oder an sonst einem Instrument vorzufinden ist, hat so etwas verdammt Sympathisches. Es ist wie bei kleinen Kindern: jeder will einmal alles in der Hand gehabt und alles gemacht haben.Bläser, Streicher und chorale Refrains. Nach knapp einer Stunde Ekstase endet das reguläre Set schließlich in dem Überhit 'Rebellion (Lies)', der vom Publikum frenetisch beklatscht wird. Und apropos Klatschen: Ich habe selten erlebt, dass das Publikum bei einem Konzert bei so vielen Songs mitgeklatscht hat - und mir gleichzeitig dieses Mitklatschen selten so wenig dumpf vorgekommen ist. Als Zugabe folgte dann das Gänsehaut einflößende 'My Body Is A Cage', das Win Butler wie von einer Kanzel auf der erhöhten Kirchenorgel begleitete. Zum Schluss dann natürlich noch 'Wake Up', das Lied mit dem Refrain, den man so herrlich mitgrölen kann; und den man auf der kompletten Heimfahrt nicht aus dem Kopf bekommt. Diese Band muss man einfach lieben.



Und das sagt das Forum:

Nämlich frostpfote: "Vor allem die zweite Hälfte war richtig, richtig gut, davor hat sich die Band desöfteren verspielt und des Sängers Stimme war ziemlich angekratzt. Für den Soundmann muss die Band eine Riesenherausforderung und ein Albtraum sein, auch hier: nach ein bisschen Soundbrei zuvor war die zweite Konzerthälfte richtig gut abgemischt. Großer Sympathiepunkt: man entschuldigte sich für das ausgefallene Konzert im April - süß!"

Und instant street: "Die Stücke von der 'Funeral' in der zweiten Hälfte gingen einfach viel mehr nach vorne, besonders 'Neighborhood 3 (Power Out)' hat mich umgehauen. Insgesamt fehlte vielleicht ein wenig das Weirdo-Rumgehüpfe wie noch beim Monsters of Spex 2005, das damals den besonderen Charme ausgemacht hat. Trotz alledem: Ein wunderbares Konzert - trotz Palladium."