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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

National Anthems Of Nowhere

Apostle Of Hustle

Ein Sonntagvormittag im März: Kein Wölkchen wagt sich ins Sichtfeld, stattdessen die dicke Nachbarin von gegenüber auf den Balkon. Weil ja das Grünzeug fürs Frühjahr hergerichtet werden muss. Die Vögel zwitschern, die Bäume schlagen aus, sogar schon etwas Sonne vor Ort. Um der ganzen Bilderbuchszene
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Ein Sonntagvormittag im März: Kein Wölkchen wagt sich ins Sichtfeld, stattdessen die dicke Nachbarin von gegenüber auf den Balkon. Weil ja das Grünzeug fürs Frühjahr hergerichtet werden muss. Die Vögel zwitschern, die Bäume schlagen aus, sogar schon etwas Sonne vor Ort. Um der ganzen Bilderbuchszenerie die Krone aufzutun, läuft gerade die Zweite vom Apostle Of Hustle Andrew Whiteman. Wow, mit so viel Lenz-Destillat wie auch Latin-Flair hatte wohl niemand gerechnet, nachdem der Broken-Social-Scene-Führgitarrist vor zwei Jahren Schlagzeilen für experimentelle Postfolk-Tagträumereien geerntet hatte. Diesmal nahmen sich der unter Castro geborene Arrangeur und seine zwei Mitmusiker aber die Zeit, ihren Jazz-induzierten Kopfgeburten das Laufen beizubringen. Denn “National Anthems Of Nowhere” strotzt vor verhältnismäßiger Kompaktheit und Songformat. An allen Ecken hilft Whitemans Toronto-Buddy Daniel Stone mit Conga-Trommelfeuern nicht nur aus, sondern prägt die Stücke mehr denn je. Gesang und (Tres-) Gitarrenspiel bilden eine einnehmende, kaum durchschaubare Einheit. Darin feiern countryeske Trompeten das Leben, Flamenco-Motive die Kindheit und bockige Saitenwerkzeuge den Triumph, wenn sie sich mitunter mal richtig selbstständig machen dürfen. Ohne Sinn und Sinnlichkeit in die Verbannung zu schicken, halten beizeiten auflodernde, dämmerig gehaltene Versuchsanordnungen (“The Naked And Alone”) das intellektuelle Moment aufrecht. Das Titelstück etwa darf die 5-Minuten-Mauer durchbrechen, weil es zugleich das Unterfangen KK-Pop (Kanada/Kuba) am konsequentesten predigt. Hier scheint eine clevere Sonne. Besser geht’s doch kaum.