×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Aftershock

Aphrodite

Wer hat an der Uhr gedreht? Diese Frage stellt sich nicht nur unserem rosaroten Lieblingspanther und dessen Zuschauern, sondern sicher auch der gesundgeschrumpften Drum’n’Bass-Szene. Ohne Rücksicht auf die vielbeschworene Zielgruppe wohl selbst den Zeiger etwas zu heftig nach vorne manip
Geschrieben am

Wer hat an der Uhr gedreht? Diese Frage stellt sich nicht nur unserem rosaroten Lieblingspanther und dessen Zuschauern, sondern sicher auch der gesundgeschrumpften Drum’n’Bass-Szene. Ohne Rücksicht auf die vielbeschworene Zielgruppe wohl selbst den Zeiger etwas zu heftig nach vorne manipuliert, könnte man meinen. Siechtum? Stillstand? Rückschritt? In den Laboren wird noch an den Antworten geforscht. Um so erstaunter (und euphorisierter) neulich etwa das Publikum samt anwesendem Autor im Kölner Stadtgarten, als Patrick Carpenter von DJ Food zum Abschluss des Ninja-Tune-Partyabends die Crowd gut zwei Stunden lang mit heftigstem Trommelbass-Feuer zum kollektiven Wahnsinn trieb. Funktioniert also nach wie vor bestens, dieses D’n’B-Ding. Hat sogar eine ganze Menge echter Klassiker ans Tageslicht geschaufelt, allen Unkenrufen zum Trotz. Was passt da besser, als ein kleines Retro-Revival einzuläuten? Immerhin prophezeit das Presseinfo zu Aphrodites beeindruckend umfangreichem “Aftershock” ganz markig, dass 2002 das Jahr der Rückkehr des Jungle sein wird. Wollen wir das mal mit einem kräftigen “Booyaka” dahingestellt sein lassen: sicher ist, dass der sich inzwischen nur noch Aphro nennende Producer mit Big Daddy Kane, dem Reggae-Sänger Barrington Levy oder etwa Rah Digga von Bustas Flipmode Squad fetteste Verstärkung ans Mikrofon geholt hat. Fest steht auch, dass Aphro als Miterfinder des Jump-up-Jungle-Styles gilt und natürlich hier mal das Gelände entsprechend in beide Richtungen durchharkt (checkt dazu auch den Artikel im nächsten Heft). Da kann man nicht nur das Gras wachsen hören und die Mauern bröseln, sondern bekommt auch noch gleich einen fluffigen Downtempo-Track samt Ganja Man reingereicht – ganz, wie sich das ursuppenmäßig so gehört. Etwas Frustschutzmittel hilft immer. Weil: Trommelbass-Probehören im trauten Heim und via CD-Player hat auf Dauer was von Bahnhofshalle. Nicht nur, dass da so mancher Zug schon abgefahren ist oder heftig verspätet einläuft – es rasselt und donnert im ungünstigsten Fall permanent in den Ohren, und da gehen die Feinheiten schon mal verloren. So der Fall auf CD2 des Doppelpacks von High Contrast alias Lincoln Barrett aus Cardiff. Da hat der Mann seine bisherigen Vinyl-Maxis ineinandergemischt, dass es nur so kracht. Für Freaks und solche, die es werden wollen. CD1 dagegen hält so manche angenehme Überraschung bereit – kein Wunder, dass dieser Mensch samt seinem Output von Dons wie Roni Size oder Fabio & Grooverider hofiert wird. Soulful Drum’n’Bass mit deepen Vocalschnipseln. Rockt was weg und hat was Rührendes, irgendwie.