×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Drukqs

Aphex Twin

Es ist soweit: Richard D. James, die nahezu religiös verklärte Elektronik-Ikone aus Cornwall, hat unter seinem am häufigsten verwendeten Pseudonym Aphex Twin ein neues Album veröffentlicht. Nach den nur als Internet-Download erhältlichen “Melodies From Mars” von Anfang 2000, die aber grö
Geschrieben am

Es ist soweit: Richard D. James, die nahezu religiös verklärte Elektronik-Ikone aus Cornwall, hat unter seinem am häufigsten verwendeten Pseudonym Aphex Twin ein neues Album veröffentlicht. Nach den nur als Internet-Download erhältlichen “Melodies From Mars” von Anfang 2000, die aber größtenteils aus älterem Material bestanden, gibt es nun erstmals seit 1996 ein wirklich neues Album des skurrilen Genies. Und auf dem zeigt sich Aphex so vielfältig wie nie zuvor. Die Bandbreite der insgesamt 30 Tracks auf zwei CDs reicht von düster-bedrückenden Ambient-Soundscapes über abstrakten Drum’n’Bass bis hin zu bizarren, zum Teil experimentellen Klangcollagen harten Tobaks, die manchmal an die Geräuschkulisse eines C64-Ballerspiels erinnern (“54 Cymru Beats”). Dazwischen blitzen immer wieder sonnige Kindermelodien und naiv-verspielte (Synth?-) Piano- und (Synth?-) Cembalo-Interludes auf. Besonders in diesen ungewohnt organisch menschelnden Zwischenspielen offenbaren sich im Gesamtkontext des Albums die beiden Pole seiner kreativen Persönlichkeit so deutlich wie nie zuvor. Wie bereits bei älteren Werken lassen seine akribisch programmierten, aber völlig untanzbar und schwerverständlich verschachtelten Breakbeat-Konstruktionen in ihrer kühlen, perfektionistischen Komplexität das nüchterne Kalkül des ehemaligen Elektrotechnik-Studenten, in ihrem überdrehten Wahnwitz hingegen den unbefangenen Spieltrieb des Kindes durchscheinen. Ein Kind, das übermütig seine Klang-Bauklötze zu immer verwegeneren Türmen aufstapelt. Doch durch die scheppernden Lo-fi-Intermezzi bekommt diese Spannung eine neue Qualität: ganz unspektakulär und zurückgenommen zeigt sich hier der Knirps im Manne, klimpert auf (dem Cover-Artwork nach zu urteilen) konventionellen Tasteninstrumenten herum und fügt die wenigen Einzelspuren dann zu kleinen, schönen Etüden zusammen. Da ist die Mama sicher stolz auf ihren “little 28-year-old son”, wie sie ihn auf “Lornaderek” nennt. Ob der Junge es schaffen wird, mit “Drukqs” in die Charts zu kommen, ist auch angesichts des mini Promo-Aufwandes fraglich. Verdient hätte er es mit diesem fantastischen Album auf jeden Fall.