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Deutschland, deine Bademeister

Antilopen Gang im Gespräch

»Jeder Revolutionär braucht nur Pizza und Gewehr«. Eine von vielen Weisheiten, die Danger Dan, Koljah und Panik Panzer auf »Anarchie und Alltag« parat haben. Die hohen Erwartungen in ihre politische Schlagkraft sabotieren sie immer wieder auf sehr amüsante Weise – und wahren trotzdem Haltung. Lars Fleischmann traf die Antilopen Gang für uns in Düsseldorf.
Geschrieben am
Man ordnet euch inzwischen ja der Speerspitze der deutschsprachigen politischen Bands zu. Dazu gehören unter Anderem noch die Goldenen Zitronen oder Feine Sahne Fischfilet. Aber habt ihr in der Richtung eigentlich eine klare Agenda?
Koljah: Generell machen wir Songs und Musik nicht, um sie als politisches Vehikel zu benutzen. Wir schreiben über die Sachen, die uns durch den Kopf gehen, interessieren und bewegen. Und da wir auch Interesse an Politik haben, wird das dann gleichgesetzt und nahezu falsch verstanden. Wir selbst verstehen uns nicht als Agitprop-Band. Normale »Politikmusik« ist ja krass langweilig.
Danger Dan: Ich würde schon sagen, dass wir uns politische Ziele gesteckt haben. Wir wollen die Fläche, die heute von Deutschland benutzt wird, umbauen in einen Riesen-Baggersee und so ein Naherholungsgebiet für die umliegenden Länder initiieren. Mitte/Ende 2017 sollten die ersten Schritte eingeleitet sein. Wir sehen uns da als Bademeister.
K: Von Deutschland ist geschichtlich betrachtet noch nie etwas Gutes ausgegangen. Wir würden der Welt gerne einen Gefallen tun – und das auf diese Weise ändern.

Ihr seid mittlerweile in der Position, mit solchen Aussagen auch gehört zu werden – aber werden diese immer richtig interpretiert?
DD: Das schaffen wir noch nicht mal intern. Man weiß ja manchmal gar nicht, was die anderen Bandmitglieder schon wieder für Wendungen und Referenzen in die Texte bauen.
K: Bei »Beate Zschäpe hört U2« waren wir mal ziemlich direkt und klar. Das verfolgt uns bis heute. Uneindeutigkeit und Doppelbödigkeit finde ich viel interessanter.
Die Gefahr, dass man missverstanden und von den »falschen« Leuten abgefeiert wird, besteht ja immer.
DD: Vielleicht müssen wir damit leben, dass uns eh alle falsch verstehen. Das ist aber auch okay.

Habt ihr denn die Hoffnung, mit genügend Geduld Leute zum Umdenken zu bewegen?
K: Ich bin da leidenschaftslos. Aber klar ist das ist eine schöne Vorstellung: Zu hoffen, dass irgendjemand von uns vielleicht den richtigen Denkanstoß bekommt. Bei mir war es in meiner Jugend eigentlich auch nicht anders.
DD: Es wär ja noch doofer, sich selbst zu zensieren, damit man bloß niemanden »agitiert«.
PP: Wir sind halt ’ne Rap-Crew, die genau so über Politik redet wie über Depression.

Der Albumtitel ist eine Referenz an »Monarchie & Alltag« von den Fehlfarben. Wie kam es dazu?
K: Das ist einfach ein super Album und ein geiler Titel. Und wir haben jetzt auch ’nen geilen Titel. 
PP: Mit dieser Referenz tüten wir ganz einfach das Feuilleton und die alten Spex-Leser ein. Und die Intro-Leser nehmen wir auch gleich mit.

Also alles nur Moves, um an möglichst viel Knete zu kommen?
DD: Wir sind wie alle aus dem HipHop-Biz: Es geht immer nur um Goldketten und tiefergelegte Autos.

Obwohl ihr im Rap-Game seid, kuschelt ihr - ähnlich wie Tarek von K.I.Z. mit der Terrorgruppe - vermehrt mit Punkern. Sind Punks und Rapper in letzter Zeit näher gerückt?
K: Das hat weniger mit Zeitgeist zu tun. Wir machen einfach die Platte, die wir machen wollen. Und wenn die punkig ist, dann ist das egal - oder sogar geil. Die Zuschreibung »Die Punk-Rapper« kommt ja von außen, wir sehen uns so nicht.
DD: Für mich gibt es eh nicht DIE Hip-Hop-Szene und DIE Punk-Szene, die man gegeneinander ausspielen könnte. Es gibt ja bei den HipHoppern so eine große Bandbreite … die bringt dann sogar so ’nen Schrott wie Die Bandbreite hervor. Das gleiche gilt beim Punk. Das ist alles so heterogen.
Soundmäßig seid ihr nochmal fetter geworden, zum Beispiel gibt es mehr Bass als früher. Hattet ihr euch das so vorgenommen?
PP: Ich versuche, vor jeder Platte musikalische Regeln aufzustellen, und fange dann an, die Beats zu bauen. Das ist der Moment, in dem ich die Regeln wieder über Bord werfe. Ich hab versucht, ein Trap-Verbot auszusprechen und am Ende hat man doch Bock Auto-Tune und Sub-Bässe einzupflegen, die einem vorher »zu modern« waren.
DD: Wir sind aber auf eine sehr angenehme Art und Weise limitiert in dem, was wir machen können.
PP: Das ist ja das Geile. Das macht Antilopen aus. Roe Beardie, der das Album co-produziert hat, hat auch nochmal Hand angelegt. Dadurch klingt's nicht modern oder oldschool, sondern wie wir uns eben gerade anhören wollen.
K: So ’ne gepimpte Hochglanz-Produktion passt halt gar nicht zu uns.

Und die Idee, mit einem geilen Feature schnell noch auf den Cloud-Rap-Zug aufzuspringen? Hat's da nicht gekribbelt?  
DD: Wir finden das toll. Also wir feiern die Musik von LGoony. Aber wenn wir jetzt mit so ’nem Scheiß anfangen, dann wär das a) peinlich, weil wir das gar nicht können und b) Trittbrettfahrerei, die alles andere als authentisch wäre. Wenn das, wie es gerade passiert ist, alte Rapper versuchen, dann ist das eher ’ne große Blamage.
Ich werde euch jetzt so HipHop-mäßig einen Diss gegen Ferris MC abringen wollen.
K: Den kennen wir nicht.
PP: Stell dir mal vor, wir hätten uns wirklich im Cloud-Rap versucht und wären mit einer Roland-808-Unterlage dahergekommen. Da hätten uns die Leute doch einfach ’nen Vogel gezeigt. Gleichzeitig bin ich persönlich in der Band der Genre-affinste. Für mich ist Cloud-Rap und Ähnliches musikalisch der größte Einfluss.

Für mich ist das Highlight auf der Platte »RAF Rentner«. Was haben die eigentlich falsch gemacht?
K: Alles. Das ist aber ein mitfühlendes Lied. Das muss man sich mal vorstellen. Die werden nie wieder ’ne Krankenversicherung haben und keine Beerdigung bekommen. 
DD: Da gibt's so ’nen Typen, Garweg, der ist der RAF mit 20 beigetreten. Voll idealistisch. Und dann lösen die sich auf und verschwinden im Untergrund. Der ist jetzt fast 50, hängt in einer Scheune ab oder sowas und hat nicht mal Facebook. Das ist ’ne Tragödie, wenn man sich das mal vor Augen hält. Und bietet Stoff für ein gutes Lied.

Antilopen Gang

Anarchie und Alltag + Bonusalbum Atombombe auf Deutschland

Release: 20.01.2017

℗ 2017 JKP Jochens Kleine Plattenfirma GmbH & Co. KG

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