×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Antifamily

Antifamily

„Improvised straight to hard drive“ – und dann nur noch minimale Overdubs angefügt, fertig. Das ist die DIY-Ideologie des Londoner Musikkollektivs Antifamily, die nach einer EP jetzt auch auf Albumlänge zum Tragen kommt. Die arty Antifamilie, die im Kern aus vier bis fünf Leuten besteht, bei einzeln
Geschrieben am
„Improvised straight to hard drive“ – und dann nur noch minimale Overdubs angefügt, fertig. Das ist die DIY-Ideologie des Londoner Musikkollektivs Antifamily, die nach einer EP jetzt auch auf Albumlänge zum Tragen kommt. Die arty Antifamilie, die im Kern aus vier bis fünf Leuten besteht, bei einzelnen Projekten aber auch bis zu 15 umfassen kann, sieht sich von den Frühsiebziger-Werken von Brian Eno beeinflusst. Für uns tumbere PopkonsumentInnen klingt das in erster Linie aber nach dem kunstvoll zerfahrenen, Rhythmus-betonten Postpunk der Slits und der Raincoats – was bestimmt auch an den (stets wechselnden, Englisch, Französisch, Italienisch und mit deutschem Akzent gesungenen) Frauenvocals liegt – oder auch nach sägendem und Saxofon-trötendem New York No Wave. Alle Stücke werden aus dem Improvisationsprozess heraus aufgenommen, wobei bewusst Leute mit Instrumenten betraut werden, die sie vorher noch nie in der Hand hatten – gemäß dem klassischen Punk-Selbstermächtigungs-Gestus, dass Connaisseurtum das Klo runterzuspülen sei. Das erinnert mitunter an die Haltung des in den 70ern und 80ern aktiven radikalen Punk-Kollektivs Crass, wie auch die gesamte Platte wie aus einer vergangenen Dekade hochgespült und gerade deswegen so reizvoll entfernt klingt: Beinahe wehmütig wird man dabei – trotz durchaus zeitgemäßer Sounds und undilettantischer Produktion – an eine Zeit erinnert, in der radikale, antikommerzielle Bandentwürfe noch unerlässlich waren.