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Just After Sunset - The Poetry Of Rainer Maria Rilke

Anne Clark & Martyn Bates

Einen super Essay von Rilke gibt es: "Das Urgeräusch" heißt er. Rilke fragt hier: Was würde geschehen, zöge man den "Stift" eines "Phonographen", die Nadel eines Schallplattenspielers also, über die Krohnennaht eines menschlichen Totenschädels? "Ein Ton müsste entstehen, eine Tonfolge, eine M
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Einen super Essay von Rilke gibt es: "Das Urgeräusch" heißt er. Rilke fragt hier: Was würde geschehen, zöge man den "Stift" eines "Phonographen", die Nadel eines Schallplattenspielers also, über die Krohnennaht eines menschlichen Totenschädels? "Ein Ton müsste entstehen, eine Tonfolge, eine Musik..." Wow, Rilke ein Pionier der Klangforschung und des Turntableism, gut 100 Jahre bevor Projekte wie Institut Für Feinmotorik Schmirgelpapier unter die Plattennadel plazieren. Gegen Vertonung von Lyrik hat Rilke sich jedoch stets gewehrt. Dass, wie kürzlich, ZDF-Champagner-Ikonen wie Veronica Ferres, Iris Berben oder Klaus Meine seine Texte zu Pop-Eso-Geblubber "interpretieren" durften – dieser Kelch ging aufgrund seines frühen Todes an ihm vorüber ("Rilke Projekt Vol. I und II"). Ein wahres Angestelltenkultur-Massaker. Oder, um mit einem berühmten Diktum Rilkes zu sprechen: "Überstehen ist alles." Zöge man Scorpions-Frontmann Klaus Meine, weit nach seinem Ableben oder meinethalben zu Lebzeiten, eine Plattennadel durch seines Schädels Krohnennaht, was würde man wohl hören? Knistern würde es; und füllte man dies gewonnene Knochenknurpseln in einen Translationsfilter, unten würde der Satz herauspurzeln: "Lieber Rezensent, wann sagst Du endlich was zur Anne-Clark-Platte?" Jetzt. "Just After Sunset" mahnt in seinen besten Momenten an das große "Thunder Perfect Mind" von Current 93 (ein wenig mehr Räucherstäbchen-Alarm dazwischengeschaltet), und das liegt nicht nur am akustischen Klangbild "Gitarre-Piano-Streicher" – auch Clarks Stimme erinnert in diesem Soundbett gern an jene David Tibets. Martyn Bates' nicht zu oft auftretendes, aber betulich-mystisches "Aaaahaaaahh"-Geschwurbel muss man allerdings schon mögen, möglichst mehr als Klaus Meine. Einen Pop-Diskurs wird diese Platte freilich nicht bereichern, will sie auch nicht, eher ein paar Dark-Wavern den Weg von der Plattenbausiedlung zum nächsten Mittelaltermarkt ebnen. Auch aber wertkonservative Pathos-Wimps wie ich finden das gut. Die Texte Rilkes – hier auf englisch – sind ohnehin unkaputtbar. Und Rilke als Pop, da sei auch bitte Gott und Intro und was weiß ich vor. Ja, und eine schöne Weihnachtsplatte eigentlich.

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