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So war's: Zwischen Kirche und Krach

Anna von Hausswolff live

Keine Besprechung zu Anna von Hausswolff und ihrem gewichtigen und sakralen Orgelsound kommt ohne Begräbnis- und Kirchenmetaphern aus. Bei ihrem Konzert im Gebäude 9 kann sie jedoch noch andere, ganz weltliche Qualitäten aufweisen.
Geschrieben am

30.09.2013, Köln, Gebäude 9

 

Wer nur die Musik von Anna von Hausswolff kennt, stellt sich die junge Schwedin eher als weiblicher Robert Smith/Ian Curtis-Verschnitt mit Fetisch für schwarze Symbolik vor. Umso bemerkenswerter, dass sich eine zierliche Frau mit goldblondem Haar auf der Bühne für die Entstehung dieses bedeutungsgeschwängerten Begräbnissoundtracks verantwortlich zeigt. Nichtsdestotrotz scheint von Hausswolff ein Faible für sakrale Rituale zu hegen.<br /><br />Neben dem dominanten Orgelsound ihres E-Pianos erscheint Anna von Hausswolff auch durch ihre Texte als Inszenatorin einer Messe: Wenn sie in »Liturgy Of Light« die Zeile »All together now / Can we recite it« in ihrer Engelsstimme durch das in ein Kirchenschiff verwandelte Gebäude 9 hallen lässt, nimmt man ihr die kirchliche Predigerin vollends ab. Auch die sich auf der Leinwand immer wiederholenden Bilder vom Mond und wuchernden Blumen tragen ihren Teil zur düsteren Feierlichkeit des Konzerts bei.

 

Umso überraschender, dass bei all dieser sakralen Herangehensweise sich die Songs immer wieder in eindeutig an Post-Rock angelehnten Song-Strukturen verlieren, die nach einigen Minuten in ganz weltlichem Noise- und Drone-Geballer enden. Dieser ohrenbetäubende Krach erinnert weit mehr an Godspeed You! Black Emperor als an die Paradebeispiele des Düster-Pops wie Kate Bush, Nico und Soap&Skin. Dies schlägt sich auch in den Songlängen wieder. Mit zehn Songs in knapp 90 Minuten ist von Hausswolff in etwa soweit ab vom Radio-Pop, wie die katholische Kirche von der Homo-Ehe. Dann ist die Messe gelesen und während sowohl Orgel, als auch Ohren noch nachklingeln, bittet Anna von Hausswolff zu Seelsorge-Einzelgesprächen an den Merchtisch.