×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Ween live in Köln

Anmaßung als Leistung

11.12., Live Music Hall It's gonna be a long night. Oh, wie schön! Ab und zu fällt einem unverhofft ein Gästelistenplatz in den Schoß. Für mich durchaus dankenswerte Chance zum für mich ersten Mal auf eines der berühmten Marathon-Konzerte der Ween-Brüder zu kommen. Interessante Feststellung mein
Geschrieben am

11.12., Live Music Hall

It's gonna be a long night. Oh, wie schön! Ab und zu fällt einem unverhofft ein Gästelistenplatz in den Schoß. Für mich durchaus dankenswerte Chance zum für mich ersten Mal auf eines der berühmten Marathon-Konzerte der Ween-Brüder zu kommen. Interessante Feststellung meiner Freundin gleich zu Beginn des Abends: Die Ween T-Shirts für Männer am Merch-Stand sind schicker als die für Frauen. Stimmt. Leider habe ich nicht genug Geld dabei, um betrunken UND hübsch verpackt nach Hause zu gehen. So, Konzert geht los, schnell nach vorne drängeln. Gene und Dean und Band kommen auf die Bühne. Gene wirkt wie eine Art zwergwüchsiger Rolf Zuckowski. Auf jeden Fall nett und auf sympathische Weise therapiebedürftig. Er scheint das erste Mal auf einer Bühne zu stehen. Aha, und Gene ist also Sänger. Und Dean Gitarrist. Wenigstens der benimmt sich wie ein Rocker und spuckt gelegentlich aus. Hättet ihr, liebe Fans, das gewusst?

Das erste Lied erklingt. Und, aha, das kenn' ich! Offensichtlich hat sich Ween über die Jahre bereits in mein musikalisches Gedächtnis eingeschlichen. Diese Vermutung wird sich im Laufe des Abends noch des Öfteren aufs Angenehmste bestätigen. Und immer bin ich positiv überrascht, welche Perlen des Pops dem Weenschen Werk zugerechnet werden dürfen. Die Fans, die bis hierher gelesen haben, nicken spätestens jetzt mit Kennermine. Die Band funktioniert bestens: Dean liefert ganz großes Gitarrenkino, der Keyboarder, verschanzt hinter reichlich Gerät, hält sich meist zurück. Nur einmal reinkarniert er in einem großartigen und an Soundgigantomanie nicht zu erwartenden Solo zu einer Ein-Mann-Emerson, Lake & Palmer-Reunion und beweist so wahre Könnerschaft. Überhaupt: Die Band liebt die Anmaßung und das Zitat. Aber trotz jeder Menge Anleihen quer durch die Rock- und Countrygeschichte verfallen sie dankenswerterweise sie nie ins bloße Posieren oder Parodieren. Ein Weenstück bleibt immer ein Original.

Das Konzert ist ein langes (fast drei Stunden!). Mit Mühe schaffe ich es, meinen Bierbecher vor einigen, mittlerweile vor Glück wahnsinnig gewordenen, Ween-Hooligans durch gezielten Ellenbogeneinsatz zu schützen. Ich will nicht weichen. Weiterspielen! Zum Ende viele Zugaben. Der Bassist gibt Lemmy Kilmister (immer wieder ein kleines Wunder, was ein zu hoch hängendes Mikro ausrichtet...) und die Band prügelt sich dazu durch 'Ace of Spades'. Wenig später versucht sich Gene Ween an Cat Stevens und scheitert wie nur großartige Musiker scheitern: Auf höchstem Niveau.