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Funken fliegen nicht

Angel Olsen live in Köln

Eigentlich passt an diesem Konzertabend von Angel Olsen alles. Warum es trotz einwandfreiem Gesamtpaket kein unvergesslicher Auftritt wird, könnte an diversen kleinen Begebenheiten liegen.
Geschrieben am
28.10.2016, Köln, Stadtgarten  

Der Funke will nicht so recht überspringen. Trotz großartiger Songs, detailgetreuer und akkurater Ausführung und einwandfreiem Sound schafft es Angel Olsen nicht, das Publikum restlos zu begeistern. Dafür könnte es mehrere Gründe geben, die musikalische Performance ist es definitiv nicht, denn diese ist über jeden Zweifel erhaben: Angel Olsen ist wohl eine der komplettesten, konstantesten und kreativsten Songwriterinnen, die momentan über diesen Erdball spazieren. Zu hören nicht zuletzt auf ihrem kürzlich veröffentlichten Album »My Woman«, auf dem sie ihr bisheriges Schaffen noch einmal konsequent weiterdenkt, sowie gleichzeitig erweitert und aufs Wesentliche destilliert: Großartige Arrangements, gefühlvolle Texte und ein eigentlich nicht zu begrenzendes Amalgam aus Pop, Folk, Indie-Rock und Grunge-Einflüssen.
 

Der Grund dafür, dass der Abend im gut gefüllten Stadtgarten jedoch nicht in ähnlicher Weise herausragt, ist schwer zu ermitteln. Es könnte der Support-Act Little Wings sein, der vielleicht ein bisschen zu humorig und leichtfüßig daherkommt, um auf die zuweilen tieftraurigen Olsen-Songs angemessen einzustimmen. Die klangliche Mischung aus Glen Hansard und Devendra Banhart gepaart mit tatsächlich lustigen Ansagen, Tanzbewegungen und Choreographie-Miniaturen ist eine mögliche Erklärung. Eine andere wäre aber das Publikum selber.  

Denn dieses applaudiert zwar über die knapp 90 Minuten des Konzerts immer wieder höflich; nickende Köpfe oder tanzende Beine erspäht man aber nur selten. Als ob man gedanklich noch dem Support-Act anhängt (Angel Olsen verzichtet nahezu komplett auf Ansagen) oder schon den Freitagabend weiter plant. Hinzu kommt zum Ende des Konzerts ein kleiner Disput mit einem »Fan« in den vorderen Reihen, dem Angel Olsen eine nicht gerade feine Geste zeigt, woraufhin dieser stampfend den Saal verlässt. Was genau vorgefallen ist, lässt sich für den hier Schreibenden nicht klären; zur generellen Stimmung dürften das Vorgefallene jedoch auch nicht beigetragen haben.

So bleibt nach dem Konzert die Frage immer noch ungeklärt, warum Angel Olsen nicht komplett überzeugen kann. An der Setlist, der musikalischen Qualität, der abendlichen Ausführung und der klanglichen Qualität des Konzertsaals kann es jedenfalls nicht liegen. Man wird sich die vielversprechende Amerikanerin wohl demnächst noch einmal live anschauen müssen. Bis dahin müssen die großartigen Alben ausreichen.