×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

in Köln: Vogelneid

Andrew Bird live

Anspruch und Pop, perfekt ausgeklügelte Arrangements und Raum für mitreißende, wunderbar warmherzig Songs. Thomas Markus fand all das beim Kölner Konzert.
Geschrieben am
Anspruch und Pop, perfekt ausgeklügelte Arrangements und Raum für mitreißende, wunderbar warmherzig Songs. Thomas Markus fand all das beim Kölner Konzert.


01.05.09, Köln, Luxor.


Seine Warm-Up-Show zur Tour spielte Andrew Bird in seiner Heimatstadt Chicago in einer Hafenpinte namens Hideout, die gerade mal um die 70 Leute fasst. Die Veranstalterin meinte im Vorfeld lapidar: "When Andrew plays (...), we can squeeze in a lot more because so many of them are skinny girls with glasses."

Bedenkt man, dass Bird in Amerika für Venues mit einer Kapazität von 3.000 Gästen gebucht wird, lässt das für das Fassungsvermögen des Luxors nur hoffen. Wie erwartet sind nicht Wenige gekommen, um den pfeifenden Tausendsassa zu bestaunen. Und an diesem Abend tragen nicht nur kleine Mädchen große Brillen, sondern auch ganze Kollegien von Musiklehrern in den besten Jahren. "Thank you for coming in this... cave" bedankt sich Andrew Bird nuschelnd und grinsend während seines Sets. "Cave" ist definitiv nicht übertrieben. Es ist eng, stickig und heiß. aber man ist ja auf einem Andrew Bird-Konzert, und dieser versteht es wie kein Zweiter seinem Publikum Behaglichkeit zu vermitteln.





Genau das ist sein Anliegen: "The record I want to make here and now (...) is a gentle, lulling, polyrhythmic, minimalist yet warm tapestry of acoustic instrument. (...)", schreibt er im März letzten Jahres über die Produktion von "Noble Beast" im Made For Measure-Blog. Ein Jahr später stehen wir mit offenem Mund vor aktuellen Songs wie "Tenvousness" oder "Natural Disaster" und bestaunen wie virtuos Bird Violinen, Loops, perkussive Elemente und griffige Melodien zu einem Ganzen verwebt.

Souverän wechselt Bird zwischen den Spielweisen auf seiner Violine. Er zupft, spielt sie wie eine Ukulele, setzt rhythmische Akzente, greift zum Bogen, um in Sekundenschnelle einen Lauf zu spielen. Doch nicht nur handwerklich ist Bird auf der Höhe, er hat auch absolute Entertainer-Qualitäten. In retardierenden Momenten, wenn nur noch ein ausklingender Geigenton und seine Stimme zu hören ist, in den Momenten, in denen man Stecknadeln fallen hört, kann er sich ein Grinsen nicht verkneifen. Das beschert ihm etliche Sympathiepunkte und trotzdem merkt jeder im Raum, dass er in der Lage ist, die aufgebaute Spannung seiner Songs auch zu halten. Geradezu perfekt fügen sich Einspieler, das Soundgerüst seiner Backing-Band und Birds einfühlsames, abwechslungsreiches Spiel zusammen.

Wenn die Spuren sich überlagern, die Soundebenen vielschichtiger werden und alles zu zerfasern droht, holt er den Song in seine Pop-Grenzen zurück. Es sind dann Stücke wie "Fake Palindromes" vom 2005er Album "Andrew Bird & The Mysterious Production Of Eggs" die das Publikum zum Johlen und in Bewegung bringen. Es geht beides einher: Anspruch und Pop, perfekt ausgeklügelte Arrangements und Raum für mitreißende, wunderbar warmherzig Songs. Und pfeifen kann der Mann. "Da werden die Vögel neidisch", meint jemand neben mir.