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Wonder Woman

Andra Day im Gespräch

15 Jahre sind eine lange Zeit. Einzig und allein das Release des eigenen Debüts kann diese Dauer von einem Augenblick auf den anderen vergessen machen – oder besser: dokumentieren. Andra Day hat lange auf eine Chance hingearbeitet und sie mit »Cheers To The Fall« nun erhalten. Man kann Gott, äh, Stevie Wonder danken, dass er ein enges Verhältnis zu seinen Ex-Ehefrauen pflegt.
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Als im Februar die Grammy Awards in Los Angeles verliehen wurden, gehörte ihr Auftritt zu den Highlights der Gala. Andra Day teilte sich die Bühne mit Sängerin Ellie Goulding, die Day mal eben mit ihrem Song »Rise Up« in den Schatten stellte. Die Musikwelt war verzückt und ist es noch. Denn obwohl Andra Day mit ihrem ersten Album als Newcomerin gilt, haftet der 31-Jährigen schon jetzt die Gelassenheit einer erfahrenen Soul-Diva an. In San Diego geboren, sang Day im Kirchenchor, lernte an ihrer Highschool Tanz und Musik und versuchte es mit Anfang 20 in ihrer Wahlheimat Los Angeles als Straßenmusikerin. Nicht allein wegen ihres klassischen Erscheinungsbildes fällt es leicht, in ihr das Mädchen zu sehen, das von Kindesbeinen an im Schaukelstuhl wippend mit Kopfhörern Ikonen wie Billie Holiday, Nina Simone, Etta James, Lauryn Hill und Janis Joplin hörte, während der Rest ihrer Familie nebenan Football schaute. Aber erst mit dem Wissen, dass Stevie Wonder die Sängerin entdeckte, nachdem dessen Ex-Ehefrau Kai Millard Morris ihm Live-Aufnahmen von Day zugespielt hatte, wird das Bild der leidenschaftlichen Sängerin komplett. 

Und wenn Motown-Legende Stevie Wonder fragt: »Isn’t she lovely?«, dann ist das rhetorisch gemeint und im selben Augenblick Gesetz. Ein Erfolgserlebnis und Befreiungsschlag zugleich. Denn wie viele Künstler vor ihr hat auch Day schlechte Erfahrungen mit dem Musikgeschäft gemacht. Erlebnisse, über die sie heute nur verhalten spricht: »Wenn man jung ist und Karriere machen möchte, ist man geneigt, Leuten zu vertrauen, die einem vieles versprechen, aber am Ende wenig davon halten. Es ist traurig, darauf zu hoffen, dass etwas passiert, und dann geschieht lange Zeit nichts.«

Nachdem Day sich aus den Fängen ihres alten Managements befreien konnte, stellte Wonder ihr Adrian Gurvitz vor, der unter anderem für den Soundtrack von »Bodyguard« verantwortlich zeichnet. Mithilfe von Gurvitz, Produzenten wie Raphael Saadiq und Roots-Schlagzeuger ?uestlove feilte Day an ihrem musikalischen Stil. Mit ihrem Debüt ist ihr nicht nur ein wunderbarer Genre-Ritt durch Pop-, Soul- und Jazz-Landschaften gelungen, sie widmet diese auch ganz nach Wonder’scher Tradition: der Liebe. Eine Reife, die Andra Day auch im Umgang mit den ständigen Vergleichen mit Amy Winehouse und Adele lebt. Schließlich ist Gelassenheit immer noch die schönste Form des Selbstbewusstseins und »Cheers To The Fall« ein Debüt, das vermeintliche Konkurrentinnen ganz sicher vor Neid erblassen lässt.

Andra Day

Cheers to the Fall

Release: 28.08.2015

℗ 2015 Warner Bros. Records Inc.

— Andra Day »Cheers To The Fall« (Warner / VÖ 15.04.16)