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Bloodhound Gang und Spitting Off Tall Buildings live

And Along Comes Männer

29.11.2005, Köln, Live Music Hall Oh, als Haupt-Act eine tv-berühmte Alte-Säcke-Band, die trotzdem uns Jugendliche anspricht. Mit "Jugendliche" seien dabei natürlich die anderen Besucher gemeint. Und wer die Bloodhound Gang für einen hässlichen pubertierenden Hort des White Trashs hält, wird ni
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29.11.2005, Köln, Live Music Hall

Oh, als Haupt-Act eine tv-berühmte Alte-Säcke-Band, die trotzdem uns Jugendliche anspricht. Mit "Jugendliche" seien dabei natürlich die anderen Besucher gemeint. Und wer die Bloodhound Gang für einen hässlichen pubertierenden Hort des White Trashs hält, wird nicht enttäuscht. Gerade viele feiste bis korpulentere Typen-Cliquen finden sich hier anscheinend sehr willkommen und machen einen Großteil der anwesenden Menge aus.

Aber los geht es erstmal mit Spitting Off Tall Buildings. Die haben sich live ja schon einiges draufgeschafft in den letzten Jahren. Das hilft natürlich, wenn man in ausverkauften Hallen vor nur so halbguten Fans einer leicht anrüchigen Rockband auftritt. Die Berliner Rocksters sind an den entscheidenden Stellen allerdings etwas zu subtil. Das stellt ja eigentlich die Stärke jeder guten Rockband dar, aber das Oberthema des Abends heißt ja "Trash, der sich auch noch für die eigene dezidierte Tumbheit liebt". Und daher bleibt es beim Anerkennungsapplaus für einen hübschen Gig und vor allem für den furiosen Schlusssong "Die Yuppiescum!". Danach dann die Japaner von Electric Eel Shock. Die haben sich dem Kanon schon weit mehr angenähert. In begeisterter Redundanz deuten sie zu einem Riff ins Publikum und skandieren: "You bastard! I Bastard? No, you bastard!" Dazu gibt es bekannteste Hooklines aus der Metal-Nummernrevue-Kiste. Vornehmlich Iron Maiden und Black Sabbath. Aus den Zitaten werden dann semi-eigene Songs gestrickt. Schön krude, schön Promille-Jukebox.

Dann die Herren des Hauses. Die lassen gleich keine Zweifel aufkommen, wer sich das geographische Segment Deutschland ganz bewusst erschlossen hat. Sie, Hasselhoff und Adam Green. Alles Ami-Characters, deren Ruhm zu Hause dem hierzulande ziemlich nachsteht. Und dafür legt man sich in jenem Kernland dann auch gern ins Zeug. Jimmy Pop freut sich zu verkünden: "Der nächst' Song ist für deine fett' Mutt'r!" Und im Hintergrund schreibt die Schrift des Visuals-Department metergroß auf den Bühnenhintergrund: "Go back to Düsseldorf!" Also viele poussierliche Krawallgesten, die die Mittelfinger in die Höhe treiben - aber provoziert fühlt sich natürlich keiner. Eher diffus geschmeichelt bis begeistert, wenn die Band immer wieder deutschen TV-Junk raushaut. Der mit he-man-esken Muskeln bespackte Bassist Evil Jared Hasselhoff verkündet zum Beispiel, dass ihr Gitarrist Übergewicht habe: "Er wiegt määär als Ottfried Fischer, der fette Bastard!" (No, you bastard!). Das kommt an, genau wie die alten Gassenhauer ("Along Comes Mary"), die neuen Songs (so viele hat die Band ja trotz ihres Alters auch gar nicht geschrieben) und der Fäkal-Fun, wie ausziehen und anpinkeln. Alles eklig, aber letztlich viel mehr show-eklig und in einen kontrollierten Ablauf eingebunden als zum Beispiel bei den Kassierern. Als Jimmy Pop stolz einen Schal anzieht, der ihm zugeworfen wurde, ruft Evil von der Seite "Du siehst aus schwul!", darauf der irritiert: "Of course". Selbstironie sei Dank ist dieses derbe Spektakel also auch was für uns bebrillte Studienräte auf der Elterntribüne.