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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mein lieber Herr Gesangsverein

Anajo

"Das Beste an Augsburg ist der Zug nach München", hat Bertolt Brecht einmal gesagt. Doch fast genau 50 Jahre nach dem Tod des gebürtigen Augsburgers muss man feststellen, dass diese Aussage heute so nicht mehr zutrifft. Zumindest nicht uneingeschränkt. Denn während man in München "mit dem Herz in de
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"Das Beste an Augsburg ist der Zug nach München", hat Bertolt Brecht einmal gesagt. Doch fast genau 50 Jahre nach dem Tod des gebürtigen Augsburgers muss man feststellen, dass diese Aussage heute so nicht mehr zutrifft. Zumindest nicht uneingeschränkt. Denn während man in München "mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein" jegliches Niveau in die Tonne kickt und nur noch in bierseliger Stadionlaune Bestand haben will, sind die Augsburger von Anajo weitaus weniger mit Selbstaufgabe beschäftigt. Stattdessen wird in den Echolot Studios am Nachfolger zu "Nah bei mir" gearbeitet.

"Auch wenn draußen die Sonne brennt und der Fußball alles Leben in Deutschland fest im Griff hat, bleiben wir standhaft und schließen uns Tag täglich im Studio ein und arbeiten fieberhaft an der Fertigstellung des nächsten Albums", meldete die Band dann auch unlängst auf ihrer Homepage. Am 08. September soll "Hallo, wer kennt hier eigentlich wen?" via Tapete Records erscheinen und die ersten sechs Songs, die wir bereits hören konnten, deuten darauf hin, dass das Selbstvertrauen, das beispielsweise bei "Mein lieber Herr Gesangsverein" formuliert wird, durchaus seine Berechtigung hat. "Ihr könnt euch schon mal drauf freuen / Mein lieber Herr Gesangsverein / Ich wette das geht steil / Da gibt’s kein Wenn und Aber und kein Nein / Das schlägt wie eine Bombe ein", heißt es da und hat Recht. Denn auch wenn in besagter Bombe dieses Mal ein kleiner Zeitzünder eingebaut ist – spontane Instant-Hits vom Schlage "Monika Tanzband" mag man zumindest beim ersten Hören nicht ausmachen – knallt es doch schon beim zweiten Durchgang ganz ordentlich.

Bleibt die Frage, warum Augsburg noch immer vielerorts als ein Vorort Münchens wahrgenommen wird. Allein am eingangs zitierten Satz kann das ja nicht liegen. Vielleicht ist es ja der süddeutsche Dialekt, der die Menschen die beiden Städte immer in einen Topf werfen lässt – auch wenn es das nicht war, was Brecht mit dem "dialektischen Theater" gemeint hat. Zumindest will mir das die bruchstückhafte Erinnerung an mein abgebrochenes Germanstikstudium in Augsburg Glauben machen.