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und weitere Filmstarts und Trailer der Woche

»American Hustle«

Immer donnerstags präsentieren wir euch die wichtigsten neuen Kinostarts und weitere Trailer.
Geschrieben am

Film der Woche

 

»American Hustle«: Teures Ensemble, billiges Drehbuch

 

Regisseur David O. Russell feierte mit »I Heart Huckabees« und »Silver Linings« Erfolge. Seine Verfilmung eines Korruptionsskandals aus den Siebzigern ist nun gleich für mehrere Oscars nominiert – und trotzdem langweilig bis nervig. Da kann nicht mal Jennifer Lawrence etwas dran ändern.

 

Vor 15 Jahren startete die Mafia-Serie »The Sopranos« und nahm viel vom heutigen Verhältnis zwischen TV-Show- und Kinoproduktionen vorweg. Man muss nicht die Plattitüde von der Qualitätsserie bemühen – allgemein fallen Juwelen wie »Buffy the Vampire Slayer«, »Gilmore Girls« oder »Roseanne« ja nicht in diese Kategorie –, und man muss auch nicht »Breaking Bad« oder »True Detective« als die neuen Romane bezeichnen, so lange noch genügend gute Stephen King-Bücher ungelesen im Regal stehen.  Fernsehserien waren schon zu Zeiten von »Dallas« eine spannende Erzählform, »The Sopranos« haben das bloß betont. Heute produzieren  Regisseure wie Scorsese, Campion und Fincher TV-Serien, Tony Sopranos Protegé Christopher kämpfte in der Show noch um seinen Ausstieg, sowohl aus der Mafia, als auch aus dem Seriengeschäft. Er wurde Filmproduzent und versuchte Hollywood-Star Ben Kingsley für sein Slasher-B-Movie »Cleaver« zu gewinnen. Später erschoss er seinen Kompagnon, der für die TV-Serie »Law & Order« Drehbücher verfasste. Das Motiv: reiner Selbsthass. Aber »The Sopranos« endete mit dem Triumph des Genres und einem genialen Cliffhanger. Warum ich das erzähle? Etwas über hundert Kilometer liegen zwischen Camden und Newark im US-Bundestaat New Jersey.  Mehrere Welten sind es, wenn man vergleicht, wie bei »The Sopranos« Korruption, Gewalt und Liebe rund um Newark verhandelt wurden, und wie Regisseur David O. Russell all das in »American Hustle« nach einer wahren Begebenheit in Camden verwurstet.

Es handelt sich um die aufgemotzte Verfilmung des realen Abscam-Skandals aus den 1970ern. Christian Bale, der in seiner Aufmachung so aussieht wie Chevy Chase beim Kostümball, und Amy Adams, als betrügerische Schlange so fehlbesetzt wie die Rolle der prüden Sektenqueen in »The Master« zu ihr passte, sind das Gaunerpärchen Irving Rosenfeld und Sydney Prosser. Die beiden sollen einem FBI-Beamten (Bradley Cooper) helfen, bestechliche Politiker dingfest zu machen, wobei jeder jeden verarscht.  Russell kompensiert den mangelnden Witz der Dialoge mit viel Gelaber, die fehlende Handlung mit dem Overacting der teuren Schauspieler und diese Übersteuerung auf allen Kanälen wiederum mit dem Label »Satire«. Ein paar nette kleine Ideen können das Desaster nicht kaschieren. In einer größeren Nebenrolle tritt Jennifer Lawrence auf, deren Talent untergeht, da ihre und Coopers Präsenz offensichtlich nur Russells Vorjahreserfolg »Silver Linings« aufleben lassen sollen. Überflüssiger als der einfallslose Soundtrack, der an die Werbung für Compilations mit den 100 besten Songs der Sixties und Seventies aus dem Dauerwerbefernsehen erinnert, dürften nur die Floskeln sein, die Regisseur und Akteure auf dem roten Teppich der Academy Awards zu »American Hustle« verbreiten werden. Jede noch so gute TV-Serie hat mindestens eine missratene Folge, »American Hustle« ist die langatmige Kinofassung solch einer schlechten Episode. Man könnte auch sagen: Fast so schlimm wie zeitgenössisches deutsches Kino, das Hollywood sein will.

 

R: David O. Russell, D: Christian Bale, Jennifer Lawrence, Amy Adams, Bradley Cooper

(Wolfgang Frömberg)

 

 

Auf der nächsten Seite: »Madame empfiehlt sich«, »Winter's Tale« und »Das finstere Tal«

»Madame empfiehlt sich«

Regisseurin Emanuelle Bercot reiht in ihrem Road Movie einen Haufen von Laien um die große Volksschauspielerin des französischen, des euroäischen Kinos: Catherine Deneuve als Restaurantbesitzerin Bettie. Den Freund an eine jüngere verloren, bricht diese mit einer Mischung aus Trotz, Lebenswillen und Alkohol gen Süden auf. Deneuve gibt die aufbegehrende Provinzschönheit in einer Hommage an sich selbst und die authentisch gestreuten Zufälligkeiten des Alltags.

 

 

 

 

 

»Winter’s Tale«

Colin Farrell als Traumprinz einer Fantasy-Romanze, die mit ausdauernd zitternden Lippen aus der schon nicht an Pomp, abstruser Mythologie und Schmalz knausernden Romanvorlage »Winter’s Tale« eine Popkornkino-geeichte Filmversion macht. Dass die ausgerechnet zum Valentinstag erscheint, ist dabei nur logisch.

 

 

 

 

 

»Das finstere Tal«

Andreas Prochaskas Film versucht mit Sam Riley als Einzelkämpfer zu Pferde und an vorderster Front dem raffinierten Rachedrama von Thomas Willmann in seinem düsteren Schneewestern-Setting gerecht zu werden. Österreichs hinterste Alpenwinkel liefern das Panorama für einen Mix aus klassischem Western und Heimatfilm.

(Sven Riehle)