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Bildergalerie: Hut ab!

Amanda Palmer live

Die Sängerin der Dresden Dolls zaubert auch solo in Köln das ein oder andere Kaninchen aus dem Hut. Azhar Syed war für Intro dabei und ist heute noch begeistert.
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Die Sängerin der Dresden Dolls zaubert auch solo in Köln das ein oder andere Kaninchen aus dem Hut. Azhar Syed war für Intro dabei und ist heute noch begeistert.

20.08.08, Köln, Gebäude 9.

Wie die Palmer bereits Juli im Video-Interview mit Intro verriet, wollte sie mit ihrem Solodebüt zunächst alleine, dann später mit einem üppigeren Ensemble touren, nun also war ersteres dran. Um 20.30 Uhr sind die vorderen Reihen des Kölner Gebäude 9 schon gut gefüllt. Das Zentrum der Bühne bildet ein großes Keyboard. Das Publikum ist äußerst gemischt und zu Swingmusik füllt sich langsam der Rest des Saals. Auftritt: ein gediegen angezogener Zauberkünstler, der sehr schön mit dem Publikum interagiert und mit bemerkenswerten Deutschkenntnissen zu punkten weiß. Netter Typ, der Paul. Nach einigen Tricks macht er Platz für den Support Lichtzwang.

Diese entpuppen sich als dynamisches Duo aus Köln. Zu dumpfen Beats aus der Konserve gesellt sich wildes Gitarrengeschrammel, die Sängerin konzentriert sich dabei leider mehr auf Gestik und Mimik (Billy Idol lässt grüßen) als auf den eigentlichen Gesang. Abgeschlossen wird der dennoch positiv quittierte Auftritt mit einem Akustikepos. Es folgt wiederum ein kurzweiliges Intermezzo mit Paul. Danke, ich werde Dich auf jeden Fall bei MySpace adden.

Doch nun ist es soweit, Musik vom Band ertönt und die eine Hälfte der Dresden Dolls erscheint. In guter alter Stummfilmtradition begrüsst Amanda Palmer uns mit Schildern und bedankt sich fürs Kommen, dazu betreibt sie Lip-sync zum ertönenden Song. Zuvor bereitgelegte Blumen werden verteilt und sowieso ist jeder jetzt schon begeistert, spätestens wenn sich das Lied als "Cologne", ein Track vom neuen Album "Way To Normal" des Palmer-Produzenten Produzenten Ben Folds entpuppt. Was für ein Einstand, Hut ab. Das Live-Set wird sogleich mit "Ampersand" eingeläutet, man lauscht gebannt. Wie sich im weiteren Verlauf des Abends zeigen wird, braucht diese Frau nichts anderes als Klavier und Stimme, ihr Spektrum reicht von leise und zurückgehalten, gar geflüstert, bis ungestüm und fast gebrüllt. Virtuos agiert sie, kann sich vor Spielfreude manchmal kaum auf ihrem Hocker halten. Ein Genuss, der wehmütig an eigene und gescheiterte Klavierstunden denken lässt. Als kleines Highlight schallt einem irgendwann "Die Seeräuber-Jenny" in astreinem Deutsch entgegen. "Coin-Operated Boy" ist lediglich eins von zwei Covern des Abends.
Das Publikum freut sich und Nichtkenner des Soloalbums können fleißig mitsingen. Mit "I Google You", mit Lyrics von Kollaborateur Neil Gaimen, gibt’s auch einen Beitrag zum Fluch des Web 2.0. Was folgt ist u.a. das schöne Dillie Keane-Cover "Look Mummy No Hands". Doch was ist das? Die Gute verabschiedet sich, zwar lieb und nett aber dennoch. Das übliche Spielchen halt, natürlich kommt sie wieder und spielt uns "Astronaut" vor. Danach befürchtet man schon das wirkliche Ende, aber nach kurzem Bangen gibt sie unverstärkt, schweißüberströmt aber sichtbar gutgelaunt "Creep" von Radiohead zum Besten, lediglich mit einer Ukulele begleitet. Mit einem Riesenapplaus wird dieses Unterfangen zurecht quittiert. Die Lichter gehen an, was bleibt ist die Tatsache, dass gute Songs wenig brauchen, um zu funktionieren. Bei der etwas üppiger ausgestatteten Tour im Herbst wird man zwar nicht in Köln gastieren, eine kleine Reise dürfte es ja dennoch wert sein.


Das sagt das Forum:

"Das war wirklich unglaublich toll! Da fehlen mir wieder mal die Worte. So eine winzige Bühne ohne irgendwelche Absperrungen davor, eine sehr private Atmosphäre und unglaublich viel Interaktion mit dem Publikum und viele kleine Geschichten, hab sie noch nie so redselig gesehen! Wir hätten sie anfassen können als sie mit der Ukulele auf die Bühne ging!"

User peel77