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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Am Wochenende in Hamburg

Reeperbahn Festival

Nagel lebt zwar in Berlin, aber er liebt: Hamburg. Dementsprechend ist das Reeperbahn Festival seit einigen Jahren ein fixer Punkt auf seiner Route durch den Spätsommer. Was ihn alles mit Hansestadt und Festival verband und verbindet, erzählt er hier:
Geschrieben am

Autor: Nagel

Zum Reeperbahn Festival habe ich schon allein deswegen eine besondere Beziehung, da dort letztes Jahr meine Linoldrucke gezeigt wurden – zum ersten Mal in größerem Rahmen (und zum ersten Mal professionell gerahmt ...), bei der Millerntor Gallery in den Gängen des Stadions. Da hatte ich als Kunstneuling gleich ein sehr großes und sehr gemischtes Publikum, das hat die ganze Linoldruck-Geschichte erst richtig angestoßen.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich als Fußballbanause das Stadion zu diesem Zweck das erste Mal in meinem Leben betreten habe. Immerhin habe ich mir dann aber auch das St.-Pauli-Spiel am nächsten Tag angeguckt (2:3 verloren gegen Erzgebirge Aue), bevor es weiter durch die Clubs ging. Was mir als in Hamburg Lebender bestimmt auch mal auf den Senkel gehen würde, mag ich als Besucher der Stadt sehr gern: den fast dörflichen Charakter, die kurzen Wege, das aufgekratzte Flanieren von diesem Club zu jener Bar und wieder zurück. In St. Pauli treffe ich schon an einem normalen Montagnachmittag mehr Bekannte zufällig auf der Straße als in Neukölln oder Kreuzberg, wo ich seit sechs Jahren wohne. Eine Veranstaltung wie das Reeperbahn Festival funktioniert daher nur in dieser Stadt so gut. Natürlich auch deswegen, weil die anderen großen deutschen Städte gar keine Reeperbahn haben. Ist klar.

Ach, Hamburg! Immer zog es mich dorthin, als Teenie, als Twen, auch noch als sogenannter Thirty-Something. Fest dort zu wohnen, so weit ist es zwar nie gekommen. Aber oft und gerne besuche ich die Stadt, meine Freunde, die Bars und die Plattenläden und den großen Fluss, und in keiner Stadt bin ich in so vielen verschiedenen Läden aufgetreten. Es waren genau 19 Stück, ein Freund von mir hat das mal nachgezählt: Von Störtebeker, Honigfabrik Wilhelmsburg und Startloch Rahlstedt über Flora, Fabrik, Molotow und Hafenklang bis zu Uebel & Gefährlich, Große Freiheit und Markthalle war fast alles dabei, auch ein Plattenladen, eine ehemalige Bäckerei und eine Nachbarschaftskneipe. 2006 waren wir mit Muff Potter beim Reeperbahn Festival im Grünspan zu Gast, zusammen mit The Rifles und Tocotronic. Daran erinnere ich mich zwar nur schemenhaft, aber trotzdem sehr gerne.
Ein Club, in dem ich weder lesend noch mit Muff Potter oder als Besucher jemals war, ist das Terrace Hill im Bunker am Heiliggeistfeld über dem Uebel & Gefährlich. Dort spiele ich dieses Jahr am Festivalfreitag um 23:45 Uhr mit meiner neuen Band. Die Band heißt NAGEL. So wie ich, verrückt! Es wird das vierte Konzert einer fünftägigen Mini-Tour, die um diesen Reeperbahn-Festival-Termin herumgebucht wurde.
Da ich meine damalige Band als Sechzehnjähriger gegründet und dann etwas mehr als 16 Jahre bespielt habe, ist es für mich recht aufregend, mit dieser neuen Band aufzutreten, jetzt, fast drei Jahre nach der Auflösung unserer vermeintlichen Schicksalsgemeinschaft Muff Potter. Soll heißen: »Now I know how to spell Zäsur.«
Da die Band NAGEL noch nichts veröffentlicht hat, werden 90% des Publikums eventuell 90% der dargebotenen Songs nicht kennen, aber das ist ja auch mal wieder spannend. Gibt’s ja eigentlich gar nicht mehr, dass man nicht schon zehn Demos bei SoundCloud oder sonst wo gehört hat.

Muff-Potter-Songs werden bei der neuen Band übrigens nicht gespielt. Eventuell werden ein oder zwei Songs meiner Textdisco-Platte »Was kostet die Welt« in die Setlist aufgenommen (erschien letztes Jahr als 10-Inch bei dem Label Audiolith aus ... Hamburg!). Schauen wir mal. Noch ist alles möglich.

So oder so, liebes Reeperbahn Festival – es freut sich auf dich:
dein Nagel

20.-22.09. Hamburg § Arkells, Best Coast, Bonaparte, Breton, Chew Lips, Citizens, Cro, Crocodiles, Dan Deacon, Dear Reader, Einar Stray, Evening Hymns, Ewert And The Two Dragons, Francesco Wilking & Moritz Krämer, François & The Atlas Mountains, Friska Viljor, Fun., Graham Coxon, Hauschka, Husky, I Heart Sharks, Japandroids, Joshua Radin, Jupiter Jones, Kakkmaddafakka, Karin Park, King Charles, Max Prosa, Nagel, Nigel Wright, Okta Logue, Olli Schulz, Omar Rodriguez Lopez Group, Perfume Genius, Reptile Youth, Rockstah, Schwefelgelb, Sin Fang, Sleepy Sun, Sóley, Speech Debelle, Stabil Elite, Stereo Total, The Computers, The Minutes, The Asteroids Galaxy Tour, The Temper Trap, The Wave Pictures, The Wedding Present, The Wooden Sky, Tu Fawning, We Were Promised Jetpacks, Yeasayer, You Say France & I Whistle u. v. a.

Millerntor Gallery

Ein paar Meter von der Reeperbahn entfernt, auf dem Heiliggeistfeld, steht das Millerntor-Stadion des FC St. Pauli. Und Kiez wäre nicht Kiez, wenn sich für das weite Stadionrund nicht auch eine Verwendung im Rahmen des Festivals finden ließe. Die Idee, die letztlich hinter der Millerntor Gallery steht, ist spektakulär: Überall im Stadion sind in diesen Tagen Objekte aus Streetart, Fotografie, Malerei, Illustration und Installation zu sehen – und nicht nur dann. Die Werke bleiben hängen und können so zwei Wochen lang von Tausenden von Fußballfans bewundert werden. Die Gewinne der Millerntor Gallery dienen einem karitativen Zweck: Sie kommen dem Verein Viva con Agua zugute, der Trinkwasserprojekte in aller Welt unterstützt.

22.09. Hamburg § Kunst, Kultur, Literatur & Musik