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Unnahbar nahbar

alt-J live in Berlin

Während sie zu Karrierebeginn noch eine Aura des Mysteriösen umhüllte, zeigt das Indie-Pop-Trio aus Leeds mittlerweile nicht nur gerne ihr Antlitz, es kommt seiner Anhängerschaft auch ungewöhnlich nahe. Die erfolgreiche Feuertaufe des neuen alt-J Albums »Relaxer«, im intimen Rahmen des Berliner Funkhauses, zeigt wieso.
Geschrieben am
13.06.2017, Berlin, Funkhaus

Unnahbar nahbar wie sie müsste man sein. Eine mystische Dunstwolke um sich heraufbeschwören, um mit jedem nächsten Schritt, jeder gezeigten Emotion andere zu überraschen. Alt-J haben das Spiel zwischen Geselligkeit und Unnahbarkeit im Pop etabliert und besonders live perfektioniert, wie das Konzert im Berliner Funkhaus zeigt. Die britische Elektro-Pop-Band, die vor knapp fünf Jahren das erste Mal auf der Bildfläche erschienen ist und gleich ein junges, internationales und vor allem musikalisch aufgeschlossenes Publikum um sich scharte, hat diesen Kniff auch nicht mit dem dritten Album verloren. Im Gegenteil: Mit »Relaxer« will man nicht nur an bisherige Erfolge (den Mercury Prize und einen bis heute anhaltenden Hype) anknüpfen, nein, man möchte das, was man kann, zementieren.

Das erste Stück ihres Live-Sets ist der Opener des neuen Albums »3WW«. Ein großartiges aber eigentümliches Klangstück, das als Einstieg in den Abend ebenso gut funktioniert wie auf Platte. Und so ergeht es fast allen neuen Songs, die das Trio in Folge live performt. Die ausdrucksstarken und recht langen Tracks wie »Adeline« und »In Cold Blood« passen sich der Atmosphäre im Funkhaus und der Stimmung der Berliner erstklassig an und wirken, als würden sie nicht gerade zum ersten Mal vor deutschem Publikum präsentiert. Es ist ein typischer Abend mit den Freunden aus Leeds. Man kennt sich, aber auch irgendwie nicht.
Auch wenn die Rezensionen ihrer neuen Platte in alle möglichen Richtungen gingen und sich fast alle einig darüber sind, dass die Erwartungen größer waren als das am Ende abgelieferte Werk, haben alt-J noch immer einige Überraschungen auf Lager. Sie bleiben ein Gespann, das schwer einzuschätzen bleibt und live mit ständigem Bass-Wechsel und Animationsversuchen auch ein ganz anderes Gesicht von sich preisgibt.

Die Bassline, die im Funkhaus gegen die vertäfelten Wände gewittert, die britische leicht verschwommene Unnahbarkeit auf der Bühne sucht  heute ihresgleichen. Im Laufe des Abends wird klar, dass ihr Sound mit den neuen Tracks zwar kein neues Level erreicht hat, aber dafür eine Souveränität durchschimmern lässt, von der andere Bands nur träumen können.

alt-J

RELAXER

Release: 02.06.2017

℗ 2017 alt-J under exclusive licence to Infectious Music Ltd., a BMG Company