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So war’s in Köln: Scheue Wiedergabe

Alt-J live

Bei ihrem kurzen Stelldichein auf der E-Werk-Bühne zeigen sich Alt-j wunderbar kunstfertig und detailverliebt – allerdings ohne rechten Mehrwert gegenüber den Studioversionen ihrer Songs.
Geschrieben am

22.02.2013, Köln, E-Werk

Es wirkt immer noch reichlich unwahrscheinlich, was für einen Siegeszug das britische Quartett Alt-J im vergangenen Jahr hingelegt hat: Ihr Debütalbum »An Awesome Wave« wurde, obschon verhältnismäßig unkonventionell arrangiert und mit nur wenigen vollformatigen Reizpunkten ausgestattet, zu einem echten Dauerbrenner und bescherte der Band nicht nur eine immer größer werdende Fanschar, sondern auch Ehrungen bis hin zum Mercury Prize, der wohl wichtigsten Auszeichnung für diese Art von Pop. Der Grund dafür lag nicht in einer besonderen Massenkompatibilität der Musik, einem bestimmenden Pathos oder einer außerordentlichen Stromlinienförmigkeit, sondern ausnahmsweise mal ganz schnöde in purer, souveräner Klasse. Einer Klasse allein der Songs des Debüts, denn für ihren Siegeszug musste die Band noch nicht einmal besonders aufsehenerregende Shows gespielt haben – bis jetzt jedenfalls nicht.

Dass Alt-J sich an die Größe der Venues, die sie mittlerweile bespielen können, noch lang nicht gewöhnt haben, merkt man an diesem Abend im E-Werk schnell. Das Bühnenbild ist einfach mit einer aufgefächerten Darstellung ihres Albumcovers hinterlegt, der Aufbau des Instrumentariums des Quartetts ist in etwa so klein wie bei ihren vorangegangenen Köln-Konzerten im deutlich intimeren Studio 672. Selbst Schlagzeuger Thom Green belässt es trotz allem bei einfachen Toms, zu Becken oder anderem spektakuläreren Geläut hat er sich noch nicht durchringen können. Sänger und Quasi-Frontmann Joe Newman sieht reichlich skeptisch in die sich vor ihm aufbauenden Massen, genau genommen schaut er skeptischer denn je aus. Völlig klar: Die Band will nichts anderes, als ihrer Musik, ihren Songs allein die Bühne zu überlassen. Sonst nichts.



Zweifellos ist es beeindruckend, mit was für einer konzentrierten Ruhe und Kunstfertigkeit die Band in der guten Dreiviertelstunde ihres Auftritts ihre Lieder vorspielt. Allerdings beschleicht trotz der kurzen Spielzeit viele ZuhörerInnen das Gefühl, dass man sich solch wunderbare Stücke wie »Breezeblocks« oder »Dissolve Me« ohne großen Stimmungsabfall so auch im heimischen Ohrensessel hätte anhören können. Alt-J variieren ihr Album höchstens in der Songreihenfolge, ansonsten ist das eine brave, scheue Reproduktion. Eine Beweis beachtlicher Musikalität zwar, aber eben doch nur eine Reproduktion. Kaum ein Wort kommt von der Bühne herab, kaum eine mitreißende oder einladende Geste erreicht das ansonsten sehr ergebene Fanpublikum. Das ist nur bedingt schlimm, schließlich will man der Band ihren Anspruch an ihre eigenen Konzerte mitnichten streitig machen. Aber für ein Repertoire, das effektiv keine Stunde Spielzeit umfasst, ist das zuwenig. Alt-J sind, Stand jetzt, eine Band, die man schon nach drei Alben für ihre brillante Musikalität feiern wird. Sie könnten schon dann so viele Hits geschrieben haben, dass 90 Minuten Spielzeit nicht ausreichen werden, um alle zu spielen. Zurzeit sind ihre Bühnen und die an sie gerichteten Ansprüche aber noch eine Nummer zu groß.