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»Alles hat seinen Preis«: Bicycle Race

So war der Tatort gestern

Wir blicken zurück auf den gestrigen Krimiabend: Peter Flore widmet sich montags immer dem neuesten »Tatort«.
Geschrieben am
Die »Tatort«-Autoren sind kollektiv sauer. Und zwar auf alles und jeden, der sich auch nur in die Nähe des Internets begibt, z.B. die Piraten oder die »Netzgemeinde«, wer auch immer das ist. Es gibt ihnen zu wenig Urheberrecht und zuviel Umsonstkultur, zu wenig Vorratsdatenspeicherung und zu viele Lebenslügen. Vielleicht muss man »Tatort«-Autor sein, um da einen Zusammenhang zu sehen. Mitten in diesen Rant hinein stößt der Berliner Tatort »Alles hat seinen Preis«, der unterm Strich zeigt, dass dem Leben als Taxifahrer nun auch nicht mehr öffentliche Anerkennung zu Teil wird als dem eines Krimiautoren.

Dass es sich beim alten Klemke, der eines morgens tot am Schreibtisch sitzt, um einen Taxiunternehmer handelt, ist allerdings auch nur insofern von Bedeutung, als das man so einen Rahmen für die albernen Späße rund um die Berliner Rushhour geschaffen hat, in der sich die Kommissare Ritter und Stark (Dominic Raacke und Boris Aljinovic) vermeintlich pointenreiche Rennen zwischen Fahrrad (Stark) und Dienstwagen (Ritter) liefern sollen. Ein Hauch »Lola rennt« weht durch den Tatort. Um es kurz zu machen: Diese Rechnung geht nicht auf.

Wohl aber die, nicht nur »Bandits«-Star Nicolette Krebitz für diesen Tatort zu casten sondern vor allem die durchweg überzeugende Renate Krößner, die als Sekretärin Edith Welziehn ein undurchsichtiges Spiel spielt. Schade wiederum, dass der Berliner Tatort mit seinen Großstadtcowboys Ritter und Stark wie gewohnt altbacken daherkommt: Es wird verhört, verhört, ermittelt, ermittelt, wo waren sie gestern um. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, der RBB hätte einfach ein altes Band aus den Achtzigern eingelegt, wird schon keiner merken, so lange die Kommissare nicht in den Osten der Stadt fahren. Zudem bemüht man sich auffallend oft (nämlich handgezählte zweimal) um ein bisschen Crosspromotion für die Kollegen der »Tagesschau«, und zwar jeweils als Zeitmesser par exellence ("Zwischen Tagesschau und 5 Uhr früh«, »Nach der Tagesschau...«).
[usercomment=http://www.intro.de/forum/plink/3/1075711636/1333320689]Der einzige Lichtblick war, Nicolette Krebitz mal wieder im Fernsehen zu sehen. Die angedeutete Lesbenbeziehung war äußerst lahm.[/usercomment]
Dazwischen noch ein paar Stereotypen (türkischer Kleinkrimineller), Sexismen (Kommissare, die jungen Frauen hinterherstieren) und ein bisschen Bankerbashing: Fertig. Überraschend ist zudem am Ende eher das Motiv, denn der Täter (bzw. die Täterin) - außer natürlich dem Umstand, dass es Nicolette Krebitz nicht war. Haben sie uns drangekriegt, die »Tatort«-Autoren.

Zu Ostern erwartet uns ein Tatort-Crossover-Doublefeature, wenn Köln und Leipzig gemeinsam in »Kinderland« (So, 08.04.) und »Kinderlein kommet« (Mo, 09.04.) ermitteln.

Den aktuellen »Tatort« kann man - sehr zum Leidwesen der Tatort-Autoren - noch bis nächsten Sonntag in der ARD Mediathek anschauen, aus Jugendschutzgründen allerdings nur zwischen 20 und 6 Uhr.

»Will denn niemand was zum gestrigen Tatort schreiben?«:
Im Forum diskutieren Intro-User über vergangene und aktuelle Tatorte.

Alle Texte zum Thema »So war der Tatort gestern« unter
www.intro.de/spezial/sowardertatort.