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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»'allelujah! Don't Bend! Ascend!«

Godspeed You! Black Emperor

Nach zehn Jahren ragen die Kanadier erstaunlich zeitgemäß und erhaben hervor aus einem Meer epigonaler Bands – inklusive einer bei aller Undeutlichkeit klaren Dringlichkeit.
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Manchmal merkt man erst, was man vermisst hat, wenn es wieder da ist. Godspeed You! Black Emperor zum Beispiel, die jetzt ihr erstes neues Album seit zehn Jahren veröffentlichen. Eigentlich ist alles wie immer: ein Titel so grandios wie kryptisch, zwischen Himmelfahrt und Sturm auf die Bastille, eine Musik, die immer auch politisch gelesen werden soll, aber eigentlich ja in diesem Sinne kaum etwas sagt, hier noch weniger als früher, wo es Sprache immerhin als Samples gab.

Dafür ein Stück namens »Mladic« (kennen treue Fans noch als »Albanian«), großes Kino, mit osteuropäischer Melodik und überraschend harschen Texturen – aber Mladic? Also Ratko Mladić, derzeit vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal, angeklagt einer langen Liste an Vergehen, von Terror bis Völkermord? Es bleibt ein dunkler Kern in den Tiefen ihrer sorgfältig sich auftürmenden, mit Bedeutung aufgeladenen Musik. Ähnlich ominös das andere große Stück, Arbeitstitel einst »Gamelan«, jetzt: »We Drift Like Worried Fire«, ferner zwei Drones, die in der CD-Version je nach den langen Kompositionen kommen, in der Vinyl-Ausgabe separat beiliegen: »Their Helicopters’ Sing« (man beachte das die nächstliegende Lesart verhindernde Apostroph!) und »Strung Like Lights At Thee Printemps Erable«. Weitere Schlüssel zum tieferen Verständnis: verlassene Landschaften, platt gefahrene Vögel, Dysfunktionalität, verzerrte Alchimisten im Artwork, vielleicht. Nach zehn Jahren ragen die Kanadier erstaunlich zeitgemäß und erhaben hervor aus einem Meer epigonaler Bands – inklusive einer bei aller Undeutlichkeit klaren Dringlichkeit.

In drei Worten: Himmelfahrt / Dunkel / Sturm