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!!! "Get Up / Take Ecstasy With Me" (Warp / Rough Trade) - Die Katerstimmung nach dem Kickstart und die bange Frage: Trägt das Hochgefühl die Band auch weiter über ihren einstigen Status des Geheimtipps? Nun, diese neue Maxi macht es nicht leicht, hält sie sich doch rhythmisch sehr bedeckt und gib
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Autor: intro.de

!!! "Get Up / Take Ecstasy With Me" (Warp / Rough Trade) - Die Katerstimmung nach dem Kickstart und die bange Frage: Trägt das Hochgefühl die Band auch weiter über ihren einstigen Status des Geheimtipps? Nun, diese neue Maxi macht es nicht leicht, hält sie sich doch rhythmisch sehr bedeckt und gibt zugunsten eines kühlen Midtempo-Schmusers alte Hektik auf. Klingt eher nach drei Fragezeichen und verweist auf neue Wege. Gewöhnungsbedürftig bedächtig, was aber garantiert auch an der Tatsache liegt, dass es sich hier um Coverversionen handelt (u. a. Magnetic Fields).

Diverse "Silent Poetry" (Coconut) - "Quiet is the new loud" war ein Genrebegriff, der vor Jahren für Kings Of Convenience und Co. erdacht wurde. Hier heißt dieser Ansatz recht synonym "The New Silent Movement", klingt auch ähnlich. Epischer Indie voller Zerbrechlichkeit. Kann man gut im Fluss hören. Mit u. a. den großartigen Major Minority sowie Timesbold, Savoy Grand, Tobacco, Tenfold Loadster.

Ying Yang Twins "United States Of Atlanta" (TVT) - Was ein Show-off mit Appearances von Mike Jones, Three 6 Mafia, Pitbull und anderen. Auf ihrer neuen Platte geht die Fahrt dabei mehr Richtung Oldschool, mehr zu souligem Charts-Hop und weg von diesem Strip-Club-Sound. Könne man angeblich nur "lieben oder hassen" - das Album ist aber irgendwo zwischen diesen Extremen.

Meanwhiles "The Rights Rewind" (Decoder) - Schönes Alternative-Auf-und-Ab - produziert von Weatherhead (der auch Mary Timony und Sparklehorse noch ein paar Schippen drauflegte). Stilvoll und episch, clever und verwegen. Ohne neue Impulse bekommen zu haben, freut man sich hier über die Altbekannten.

Steffen Strom "Ohne Dich" (Playbe / EMG) - Oh, Hose runter, da ist Steffen Strom! Diese geile Brillenschlage aus Stuttgart. Nach seinem Überhit "Angi" (der hier übrigens als Bonus noch mal drauf ist) kommen hier vier Versionen des Münchner-Freiheit-Klassikers aus den "Formel Eins"-Achtzigern. Den Song zu covern ist aber ein ziemliches Studi-Party-No-Go. Und das Ergebnis reißt es auch nicht raus: Klingt zwar fetzig und vertraut, ist aber reif für "Punk Chartbuster Vol. 6".

Espers "Espers" (Wichita / Rough Trade) - "Der Flötenschlumpf fängt an" - ganz hübsch unaufdringlicher US-Plätscher-Indie-Folk, der an Banheart und Co. erinnert. Aber in letzter Konsequenz zu amorph und spirituell, um sich daran festzuhalten, um am Ball zu bleiben.

Flexevil "David Vs. Goliath" (R.O.T. / Island / Universal / VÖ 09.08.) - Deutsch-Pop heute wird, ähnlich wie Deutsch-HipHop vor fünf Jahren, auf Dauer nicht alle fix mal Gesignten unter Vertrag halten können. Flexevil kommen über das Mia.-Label R.O.T. und können mit diesem Album leider nicht überzeugen. Uniformen, Gitarren und Fun-Texte zu HipHop-Beats. Zu leer, zu eitel. Lotte Ohm konnte das seinerzeit besser. Völlig daneben: das zwischen den Songs verteilte Gag-Hörspiel. So kann man, selbst wenn man wollte, diese Platte nicht zweimal am Stück durchhören, ohne dauernd entnervt zu skippen.

Reverend Schulzz's Birdspookers "First Division Town" (Cellarphon) - Hanau, eine Stadt voller Widersprüche - eine Stadt bald ganz ohne amerikanische Soldaten. Reverend Schulzz bediente lange Zeit in der Szene-Kneipe Kuba, mittlerweile kellnert er in Frankfurt, früher spielte er bei The Crow. Jetzt mal ein eigenes Album. Voll gepflegtem Folk und mit einigen packenden Melodien. Aber leider leidet der Gesamteindruck des abgehangenen Walkabouts-Feelings stark unter der deutschen, sehr harten Aussprache der englischen Vocals. Schade, aber wegen dieses Makels nicht komplett konkurrenzfähig.

Amstrong "Lack Of You" (Silversonic / VÖ 22.8.) - Die Pittoresk-Popper aus Dänemark haben ein neues, diesmal jazzig-angehauchtes Album fertig. Angenehme Klänge für die Zeit nach der Arbeit, angenehme Klänge, die manchmal sphärisch und chillig werden. Seriös, aber freundlich.

My Awesome Compilations "Actions" (Sore Point / Pias / Rough Trade) - So ein fresher Sound, aber trotzdem so datet. Tse, tse, tse ... Songs wie "Set To Go", "Sirens" oder "You Need Discipline" erinnern an die ganz große Zeit der Get Up Kids und an Emo. Dennoch reicht dieser hochgefällige Formalismus ohne eigene Handschrift nicht für die erste Liga.

Diverse "Pudel Produkte" (Nobistor / Indigo) - Was geht pudelmäßig denn mal wieder? Ganze Menge. Offiziell sind alle jetzt in Berlin, aber rund um das Hamburger Nobistor und ähnliche Tränken wird ja trotzdem noch Musik gespielt. Stilistisch offen und schön ratlos, textlich versponnen, neuromantisch und stolz. Hier mit Schamoni, den tollen School Of Zuversicht (DJ Pattex und Saalschutz), Plemo u. a.

Diverse "Equinox - A Sound Exposure" (Equinox) - Eine Frauenstimme mit viel Hall erklärt zu trippigen Sounds, man möge sich anschnallen, es gehe gleich los, kurzer Countdown. Was so zu Anfang knapp am Klischee vorbeischrammt, entwickelt sich dann aber zu einer geschmackvollen Elektronik-Compilation, die zwar die Knisper-Years hinter sich gelassen hat, aber jetzt eben nicht in Vocal-House-Ratlosigkeit einschwenkt. Ambientiger Piano-House mit u. a. ArcSin, DJ Scientist, Danny Decock.

David Wrench "The Atomic World Of Tomorrow" (Storm Music / Broken Silence) - Irrer Zwei-Meter-Typ aus Wales, bekannt aus Rechtsstreitigkeiten mit Radiohead, weil diese Wrenchs Kaputto-Version von "Creep" nicht freigaben. Mit seiner Soloplatte tritt er diesmal (allerdings nur im übertragenen Sinn) Billy Bragg und Neil Tennant vors Schienbein. Mal catchy, mal weird, meist glänzend out of Contenance.

Diverse "Future Soundtrack For America" (Barsuk / Indigo) - Indie, Americana, Folk, Alt.Country, ach ja, und R.E.M. Schöne Compilation mit seltenen Mixes oder Live-Versionen von Bright Eyes, They Might Be Giants, Fountains Of Wayne, The Long Winters, OK Go u. v. a.

Tolcha "Fokus" (Meta Polyp / Groove Attack) - Tolcha aus Berlin bemühen sich schon seit Jahren um eine zeitgemäße Schnittmenge aus Dub, Electro, Dancehall und HipHop. "Fokus" ist ihre zweite EP (am schönsten aufgemacht in der Vinyl-Version), die obige Mischung unglaublich präzise auf den Punkt bringt. Reif, rauchig, cool und subversiv rollen die Bässe und pumpt die Anlage flächige Soundlandschaften in Richtung Magengrube. Die Vokalisten Ras-Tweed von Rockers Hi-Fi und Sasha Perera von Jahcoozi (WMF) bringen dieser Platte den Soul und unterstreichen die allgegenwärtige "Black London meets Berlin Club"-Assoziation. Massiv.

Tamoto "Clemenza" (Supersonic / Gun / Sony BMG) - Eine bekannte Band findet ein (vorläufiges) Ende, und der Drummer tauscht sein Stühlchen gegen die Top-Position des Sängers und Gitarristen. Okay, okay, Guano Apes sind nicht Nirvana, und Dennis Poschwatta ist nicht Dave Grohl. Dennoch muss man Ersterem Entdeckerfreude und Sportsgeist bescheinigen. Auch richtig Respekt verdient dieses mutige verspielte Album, das so gar nichts von der zuletzt immer weiter fortschreitenden Schablonenhaftigkeit des Guano-Songwritings besitzt. Alle Ziele, viele Stile - im wahrsten Sinne.