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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Liebe macht Angst

Aldous Harding im Gespräch

Nach ihrem selbstbetitelten Debütalbum avancierte Aldous Harding zum liebsten Sadgirl der Musikszene. Einen weltweiten Achtungserfolg und eine neue große Liebe später feiert sie auf dem Nachfolger eine Party. Aida Baghernejad traf die Neuseeländerin in Berlin.
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»Liebe ist Angst einflößend, wenn sie kommt, und Angst einflößend, wenn sie wieder geht«, sagt Aldous Harding, während sie an ihrem Wodka-Soda nippt. Die 26-Jährige ist guter Dinge: Während die Aufnahmen für ihr erstes Album noch gekennzeichnet waren von Unsicherheit und Düsternis, ruht sie jetzt in sich selbst. Woher dieser Wandel? »Ich habe mich verliebt. Es ist eine großartige Liebe, und durch sie konnte ich loslassen.« Auch auf dem neuen Album »Party« geht es um Liebe und vor allem um Sehnsucht. »Ich hatte die Liebe schon mal gefunden«, erzählt Harding. »Und auf Songs wie ›Party‹ oder ›Horizon‹ gehe ich sehr offen mit der Verzweiflung um, die Liebe diesmal nicht gehen lassen zu wollen. Aber es ist auch viel Schönheit darin, sie verschwinden zu sehen.«

Live nehmen die Songs ein ganz eigenes Leben an: Harding wirkt wie besessen, verzieht ihr Gesicht und ist völlig versunken in ihre Musik. Wie hält man diese Intensität aus? »Ich möchte, dass das Publikum in sich Stärke spürt, wenn es mich sieht, und dafür würde ich alles tun. Ich weiß nicht, ob ich das in ein, zwei Jahren noch kann. Aber ich hoffe, dass ich an meiner Kunst festhalten kann.« Nirgendwo zeigt sich das besser als im Video zu »Horizon«, in dem sie gemeinsam mit ihrer Mutter, die auch Folk-Sängerin ist, vor der Kamera stand. Darin spielt sie eine Art Geisterbeschwörerin mit irrer Wucht, aber gleichzeitig so überzeichnet, dass man gar nicht anders kann, als zu grinsen. Sie lacht. »Der Humor in dem Video ist gut versteckt. Ich glaube, es ist gut, nicht die ganze Zeit zu ernst zu sein.«
Du hast das neue Album in Bristol mit PJ-Harvey-Weggefährte John Parish aufgenommen. Hat es das Album beeinflusst, so weit entfernt zu sein von zu Hause und den Orten, die dich zu deinen Songs inspirierten?
Das ist eine gute Frage. Ja! Es war eine Herausforderung, weil ich so etwas noch nie zuvor gemacht hatte. Das erste Album nahm ich im Studio eines guten Freundes auf. Dieser Freund kennt mich sehr gut, und ich arbeitete, ohne genau zu wissen, ob ich wirklich ein Album aufnehmen wollte. Und jetzt arbeite ich mit einem der besten Produzenten auf der Welt zusammen, weit weg von zu Hause, mit einem Haufen neuer Songs, von denen ich wusste, wie sie klingen sollten – aber ich war mir nicht sicher, ob er mir zustimmen würde ... Es war gut! Es war anders, weil ich eben mit jemand gearbeitet habe, den ich vorher noch nie getroffen und dem ich nur eine Handvoll Demos geschickt hatte. Ich war vielleicht die erste Stunde nervös, danach war es vorbei. Es fühlte sich sehr natürlich an.

Deine Stimme klingt so unterschiedlich in jedem Song, fast so, als würde jedes Mal eine andere Person singen.
Ich kann das nicht erklären, es passiert von selbst. Es ist wie ein Flow, zu dem ich nicht zurückkehren kann, um herauszufinden, warum ich das jetzt genau gemacht habe. Ich weiß nur, dass ich diesmal sehr viel darüber nachgedacht habe, wann ich was mit meiner Stimme mache. Es ist schwierig, etwas zu komponieren, das ausgewogen ist. Und genau das macht einen guten Song aus – andererseits weiß ich auch nicht unbedingt, wann ein Song ein guter Song ist. Ich sehe es nicht jedes Mal als eine bewusste Entscheidung, meine Stimme zu verändern, aber ich weiß, dass es eine Reihe von bewussten Entscheidungen war, die dazu führten, dass die Songs jetzt klingen, wie sie eben klingen. Aber ich könnte dir nicht mehr sagen warum.

Die Songs hast du schon seit einiger Zeit live gespielt, bevor du zum Aufnehmen nach Bristol gefahren bist. Wie ist es, sie jetzt nach so langer Zeit ganz offiziell zu veröffentlichen?
Es ist gut. Ich habe sie noch nicht satt. Ich glaube, das liegt auch daran, dass ich gleichzeitig viele neue Sachen schreibe. Ich verbringe den ganzen Tag mit neuen Songs, und danach darf ich die alten neuen spielen. Und auf eine bestimmte Weise entwickeln sie sich auch noch live, weil ich jetzt mit weiteren Musikern auf Tour gehe. Ich glaube, eine Menge Künstler ticken so. Obwohl die Platte noch nicht einmal veröffentlicht worden ist, denke ich schon an das nächste Ding.

Aldous Harding

Party

Release: 19.05.2017

℗ 2017 4AD